Von daher macht das Minus Sinn

Posted on 20 Februar 2007 at 12:21 in Sehen, lesen, hören.

Ich bin froh, dass sich der umgangssprachliche Ausdruck „nicht wirklich“ nicht wirklich durchgesetzt hat und nicht mehr in jedem dritten Satz mancher Leute zu hören ist. Umso schlimmer trifft mich jetzt das „von daher“. Manchmal höre ich das so oft hintereinander wie damals meine Biologielehrerin ihr „nun jetzt“ in ihre Sätze eingebaut hat. Ein einfaches „daher“ oder auch mal ein „deshalb“, „darum“ oder „deswegen“ würde mich schon sehr erfreuen.
„Das macht Sinn!“ Mir macht dieser Satz eine Gänsehaut. Wer verbirgt sich hinter dem „Das“? Das Mädchen vielleicht? Und wie „macht“ es den Sinn? „Das (Mädchen) macht Unsinn/Blödsinn“ würde mir noch einleuchten, aber Sinn? Kann man Sinn wie einen Kuchen oder Musik machen? Und weil der Sinn heutzutage fast nur noch gemacht wird, bin ich jedes Mal hoch erfreut, wenn ich höre, dass etwas sinnvoll ist oder einen Sinn ergibt.
Mitleid habe ich mit dem armen Bindestrich, der so in Vergessenheit gerät. Schlimmer noch, er wird ständig mit falschem Namen angeredet. Man stelle sich nur mal vor, man würde ständig als Silvia angesprochen werden, wenn man Sabine heißt oder Thorsten müsste sich immer „Hallo Thomas“ zur Begrüßung anhören. Im Internet jedoch ruft man die Seite „Sparkasse minus Hannover“ auf oder man schickt eine E-Mail an „Anna minus Lena ät web.de“. Ich frage mich, wie rechnet man zum Beispiel „Anna minus Lena“ aus? Das „n“ und das „a“ werden von Anna abgezogen, dann bleibt … ach nein, das ist mir zu kompliziert. Kann man nicht Anna und Lena wieder mit Bindestrich sprechen und die Matheaufgaben weglassen? Mittlerweile bin ich auch froh, dass ich bei der Heirat keinen Doppelnamen zugelegt habe. Mir waren diese Bindestrich-Konstrukte noch nie sehr sympathisch und in den heutigen Zeiten müsste man auf die Frage nach dem Namen womöglich „Lieschen Müller minus Meier“ antworten.

11 Kommentare

  1. Hausmeister - Dienstag, 20. Februar 2007 at 13:42

    Na, da hat aber eine von der Zwiebelfisch-Suppe genascht…;-)

  2. Sabine - Dienstag, 20. Februar 2007 at 16:12

    Ersten das, zweitens habe ich hauptberuflich jeden Tag Schulbücher vor mir und drittens gucke ich gerne Doku-Soaps, bei denen leider die Menschen so sprechen wie dort oben beschrieben 😉

  3. sammy - Mittwoch, 21. Februar 2007 at 01:53

    „Das macht Sinn“
    1. Das „das“ bezieht sich auf die Aussage, die vorher getätigt wurde. Man kann natürlich nicht einen beliebigen Begriff auswählen, doch aus dem Zusammenhang erkennt man den Bezug des „das“.
    2. Das „macht“ ist ein Anglizismus der sich im laufe der Jahre eingedeutscht hat. Steht sogar schon im Duden drinn (SINN: „Ziel u. Zweck, Wert, der einer Sache innewohnt“ – unter anderen auch „etw. macht keinen/wenig S. (ugs.; hat keinen/wenig Sinn; nach engl. it doesn’t make [any] sense)“). In dem Fall kommt das machen jedoch nicht von machen im sinne von Kuchen backen, sondern vom inhaltlichen machen.

    Um das Ende eines Artikels, den ich dazu mal gelesen habe, zu zitieren: „Mir erscheint es sinnlos, weiter über diese Frage nachzusinnen…“

    mfg der sammy 🙂

    P.S.: Ich sag oft „von daher“ und „nicht wirklich“ :/

  4. Sabine - Mittwoch, 21. Februar 2007 at 08:12

    Danke, Sammy, für die Belehrungen. Vielleicht hätte ich wieder einmal dazuschreiben sollen, dass meine „Fragen“ nicht ernst, sondern ironisch gemeint sind. 😉
    Selbstverständlich sind mir die tatsächlichen Hintergründe bekannt.
    Und nur weil der Duden es sich hat mittlerweile aufzwingen lassen (bedauerlich!), muss ich es trotzdem nicht gut finden.

  5. Hausmeister - Mittwoch, 21. Februar 2007 at 09:33

    Man könnte bezüglich des Dudens auch hervorragend darüber diskutieren ob ein Wort wie „googeln“ wirklich was in dem Standardwerk für deutsche Sprache zu suchen hat…

    „Wie…’man‘?“ Nicht ‚man‘ kann diskutieren, sondern ‚wir‘ können diskutieren. Man – auch so ein unnützes Behelfswörtchen…;-)

  6. Rene - Mittwoch, 2. April 2008 at 13:27

    auch wenn es schon etwas länger her ist..

    auch schlimm finde ich, wenn ich beim Einkaufen, im Café oder sonstwo gefragt werde „Haben „WIR“ noch einen Wunsch?“

  7. Tanky - Samstag, 26. Juli 2008 at 12:32

    Interessanter Eintrag! Das „von daher“ regt mich auch sehr auf. Wenn jemand das sagt, frage ich oft nach.. „von woher??“ sehr lustig… vielen Freunden habe ich das schon abgewöhnt 😉

    Noch schlimmer finde ich es jedoch, wenn Leute kein „als“ kennen und meinen, etwas sei anders „wie“ etwas anderes.. Mein Prof. Dr. Dr. Dozent ist auch so ein Kandidat- da würde ich immer gerne „anders ALS, Herr Professor“ reinrufen… ahhhh!
    (War der Bindestrich jetzt an der Stelle richtig??)

    Viele Grüße
    Tanky

  8. Gavin - Donnerstag, 28. August 2008 at 17:13

    Sie haben absolut Recht: „von daher“ ist ein unmöglicher Ausdruck.

  9. HaPe1 - Samstag, 20. Februar 2010 at 21:09

    Die gute Nachricht: in Österreich ist „von daher“ vollkommen ungebräuchlich.
    Die schlechte Nachricht: in Österreich hat sich „von dem her“ eingeschlichen…

  10. Sabine - Mittwoch, 24. Februar 2010 at 12:16

    Wirklich eine schlechte Nachricht, denn das hört sich noch viel schlimmer an! Man sagt’s aber auch im Süden Deutschlands …

  11. Misterferien - Samstag, 27. Mai 2017 at 19:05

    Mit natürlicher Sprachveränderung hat das nichts mehr zu tun. Solche Ausdrucksschöpfungen werden heute über die Medien in wenigen Sekunden an ein Millionenpublikum verbreitet. Mir scheint auch, dass wir in Deutschland besonders aufnahmefreudig für solche Dinge sind. Ich erinnere mich noch gut, als in den 80-er Jahren den Ausdruck „ab und an“ anstatt „ab und zu“ gehört habe, vorgetragen im Fernsehen von einem Wettermann. Einige Monate später war diese Formulierung nicht mehr aus dem allgemeinen deutschen „Sprachschatz“ wegzudenken. Ich würde mir wünschen, dass zumindest seitens der Journalisten und Redaktionen mehr auf korrekte Sprache geachtet würde.

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