Matten Matten Meeren

Posted on 13 November 2006 at 12:41 in Dies & das.

Am Freitag und Samstag kamen die singenden und um Süßigkeiten bettelnden Kinderhorden wieder vorbeigezogen. Einige hatten allerdings Pech, weil sie schon am Freitagnachmittag vor der Tür standen, als ich noch beim Einkaufen war und unter anderem die benötigten Vorräte beschaffte. Im Supermarkt hatte ich den Eindruck, dass mehr Leute als sonst vor dem Süßigkeitenregal standen – allerdings komme ich dort nicht so häufig vorbei und kann den durchschnittlichen Normalzustand nicht so richtig beurteilen. Bei meinem Einkauf musste ich taktisch vorgehen, denn einerseits sollte es die Kleinen erfreuen, andererseits aber sollten wir es notfalls auch selbst essen wollen, falls die kleinen Bettler ausblieben. Während ich also noch einkaufen war, saß der Mann in seinem Kellerbüro und öffnete auch nicht die Tür, weil er noch nichts zu verschenken hatte. Am späteren Freitagnachmittag und auch am Samstag wurden wir mehrfach heimgesucht. Irgendwie finde ich es ganz schön nervig, wenn man ständig darauf gefasst sein muss, dass es klingelt und man sich wieder einmal das meist undeutliche Gesinge anhören muss. Nun ja, in ein paar Jahren werden wohl die meisten Kinder hier im Wohngebiet dem Sing- und Süßigkeitensammelalter entwachsen sein.
Dennoch hat es mich interessiert, was sie da eigentlich genau singen und woher dieser Brauch stammt. In Hessen gab es zwar auch die Laternenumzüge am Martinstag, aber gesungen und gesammelt wurde dort nicht, und wenn, dann hätte bestimmt keiner gesungen, er wolle nach Bremen gehen.
Nach einer Suche im Internet bin ich nun ein wenig schlauer. Der Text des Liedes lautet:

Matten Matten Meeren,
die Äpfel und die Beeren.
Lasst uns nicht so lange steh’n,
wir wollen noch nach Bremen geh’n –
Bremen ist ne große Stadt
da geben alle Leute was.
Den Großen und den Kleinen,
sonst fangen sie an zu weinen.

Matten Meeren, oft auch „Matten Mähren“ geschrieben, ist ein norddeutscher Brauch; die obige Liedversion wird wohl speziell in der Region Hannover gesungen. Mir war allerdings nicht klar, warum sowohl am 10. als auch am 11. November von Haus zu Haus gezogen wird. Kürzlich stieß ich auf eine Erklärung dafür: Es mischen sich hier Bräuche unterschiedlichen Ursprungs, das Martinisingen am Geburtstag Martin Luthers am 10. November und das Martinssingen zu Ehren des Heiligen Martins am 11. November. Die evangelischen und konfessionslosen Kinder singen daher am 10., die katholischen Kinder dürfen erst am 11. gehen und haben dann meistens das Pech, dass die guten Sachen schon weg sind.
Mehr Infos gibt es wie immer in der Wikipedia unter dem Stichwort „Martinisingen„.

12 Kommentare

  1. Prinz Valium - Montag, 13. November 2006 at 13:15

    In der alten Heimat (Von Hannover aus irgendwo hinter Celle) ging das damals so:

    Matten Matten Meeren,
    die Äpfel und die Beeren,
    die essen wir so gern.
    Lasst uns nicht so lange steh’n,
    auf den kalten Steinen,
    denn wir wollen noch weiter geh’n –
    nach Bremen – nach Bremen
    Denn Bremen ist ne große Stadt
    da kriegen alle Kinder was.

  2. Regina - Dienstag, 14. November 2006 at 11:57

    Hallo Sabine, in Hessen klingeln und singen und sammeln sie mittlerweile auch, was sie sangen, weiss ich nicht mehr – hier in der südwestfranzösischen Pampa kommt keiner vorbei, liegt aber vielleicht daran, dass wir echt „ab vom Schuss“ liegen 🙂
    Herbstliche Grüße

    Regina

  3. Hejar - Samstag, 13. September 2008 at 09:34

    wann ist matten matten meeren noch mal ???????

  4. Sabine - Dienstag, 16. September 2008 at 14:38

    Da oben steht das Datum, also kann man doch zurückrechnen: Freitag und Samstag waren der 10. und 11. November.

  5. leo - Sonntag, 16. November 2008 at 10:03

    matten zwar gar nicht gesungen aber ich habe ein ei an die scheibe von so welchen jungs an die scheibe bekommen ich dachte eier werfen ist halloween

  6. Katja - Montag, 7. November 2011 at 20:09

    ich liebe Matten matten meeren!!! xD

  7. Ann - Dienstag, 20. November 2012 at 20:33

    Ich kann mich noch erinnern, als Kind haben wir, wenn wir nichts bekommen haben immer gesungen:’Matten, matten, matten, die Alte (oder der Alte) hat ’nen Schatten‘.

  8. Karl-Heinz Guy - Dienstag, 4. Dezember 2012 at 18:49

    Dieses Lied wird in unserem Ort immer am 10. November gesungen.
    Dem Tag vor dem Martinstag.
    Wir haben das Lied noch in Plattdeutsch gesungen, was heute kaum noch jemand kann

    Matten Matten Meeren,
    die Äpfel und die Beeren,
    die Nüsse mög`n wir gern.
    Marie, Marie mach auf die Tür,
    da steh`n paar arme Schüler vor.
    Lasst sie nicht so lange steh’n,
    sie woll`n noch bis nach Bremen geh`n.
    Bremen ist ne große Stadt
    gibt allen lieben Kindern was was.

    Ich hör die Türen klingen,
    ich glaub sie wolln `was bringen,
    ich hör die Türen klappern,
    ich glaub wir kriegen paar Appel.

  9. Sabine - Mittwoch, 5. Dezember 2012 at 08:50

    Vielen Dank für diese Textvariante! In diesem Jahr haben sich die Kinder übrigens teilweise eine Ergänzung einfallen lassen: „Und wenn Sie uns nichts geben, dann bleiben wir hier kleben!“

  10. Bärbel - Mittwoch, 10. Februar 2016 at 05:52

    Matten Matten Meeren,
    die Äpfel und die Beeren.
    Lasst uns nicht so lange steh’n,
    wir wollen noch nach Bremen geh’n –
    Bremen ist ’ne große Stadt
    da geben alle Leute was.
    Was zu Essen , was zu Trinken
    und einen großen Schinken.

  11. gaby mruck - Mittwoch, 15. November 2017 at 01:22

    auch ich kenne aus meiner Kindheit das Martinssingen. (Hannover, um 1960)

    Matten, Matten, Mähren, Martin Martin Märchen?
    de Äppel un de Bären die Äpfel und die Birnen
    lat uns nich so lange stahn lasst uns nicht so lange stehn
    wi wullen och noch weitergahn wir wollen auch noch weitergehen
    bis nach Bremen bis nach Bremen
    Bremen is ne grote Stadt, Bremen ist eine große Stadt
    da given alle (olle?) Lüde wat. Da geben alle (oder Alte?) Leute was.

    an dieses Lied, das in einem Singsang vorgetragen wurde, schloß sich ein mehr hochdeutscher gesprochener „Heische“Spruch an:

    Den Großen und den Kleinen, Oder Was zu essen, was zu trinken,
    dass sie nicht mehr weinen. und dazu nen Schinken. und ähnliche

    schon immer hat mich interessiert, warum die Kinder noch nach Bremen müssen. Es wurde auch gesungen: Bremen ist ne reiche Stadt. Aus Nienburg/Weser habe ich gehört „nach Verden“. Beides sind Bischofsstädte gewesen.
    Es gab im Rheinischen die Fassung „nach Kölle gahn“, auch dies ist immer eine „reiche“ Stadt gewesen.
    Meine Großmutter geb 1900 auf dem Eichsfeld (Zwischen Harz und Göttingen)erzählte mir dann, dass dort gesungen wurde „wir wollen auch nach Pöhlde gahn“ – Pöhlde ist zu ihrer Zeit ein kleines Dorf!
    Aber es bestand im 10.- 12. Jahrhundert aus einer Königs/Kaiserpfalz und einem Benediktiner-Kloster.
    Also waren zur Mittelalter-Zeit dort auch „reiche Leute“ anzutreffen.
    Deshalb glaube ich, dass das Martinssingen und speziell dieses Lied schon lange vor der Reformation entstanden ist. Wer weiß mehr über dies alte Lied? wo sind noch andere Orte besungen worden?

    Übrigens:
    mussten bei unserem Kaufmann die angehenden Konfirmanden immer mindestens 3 Strofen von „Ein feste Burg ist unser Gott“ singen, sonst bekamen sie nichts (der Kaufmann half aber mit seiner kräftigen Stimme und dirigierend mit).
    gab es damals weniger Süßigkeiten , mehr Äpfel und Birnen, (die ja im Lied auch besungen werden) Mandarinen und Nüsse. Das sammelten wir in unseren Manteltaschen und Mützen.
    Gesungen wurde im evangelichen Hannover, und genauso im katholischen Hildesheim und Eichsfeld natürlich am VORabend des 11. 11. so wie wir auch den Schuh für den Nikolaus am Vorabend des 6. Dezember aufstellten. Heiliger Abend mit der Bescherung ist ja auch der Abend vor Weihnachten!

  12. gaby mruck - Mittwoch, 15. November 2017 at 01:25

    sorry, leider sind die Verszeilen, die ich mit Leerzeichen auseinander und zum Vergleich nebeneinander gestellt hatte, bei der Übertragung zusammengerutscht!

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