Mai 1977

Dienstag, 3. Mai 1977

Mai 1977

Am Sonntag, beim Tanztee, war Charly wieder da. Er tanzte !natürlich! nicht mit mir, ich tanzte sowieso nur zweimal. Elke sogar nur einmal. Obwohl sehr viel los war.
Gestern sah ich Charly nicht, aber heute wieder. Doch nur zweimal ganz kurz. Es ist auch nicht so wichtig. Glaube ich jedenfalls. Es ist so: mir gefällt nämlich noch ein anderer Junge. Er heißt Andreas, wird von den anderen aber nur Frieda genannt, und er geht in die 11. Klasse. Ich weiß auch nicht, wie das kam. Gesehen habe ich ihn schon öfters. Am Samstag morgen auch. Aber da war er mir so ziemlich gleichgültig, weil wir eine Physikarbeit schrieben.
Als wir dann Sport hatten, sah ich ihn wieder, da unsere beiden Volleyballkurse in der Eberthalle stattfinden. Gestern und heute sah ich ihn in den Pausen. Ich weiß nicht, warum er mir gefällt. Es ist doch immer so ziemlich der gleiche Typ: braune Haare und blaue Augen, schlank. Bei Wolfgang, Andreas M., Charly, paßt das ebenfalls. Aber wenn er mir eben gefällt. Vielleicht kommt er mal zum Tanztee. Sein Freund Uli war ja auch schon da.
Jetzt muß ich aber an die GK-Arbeit morgen denken. Aber ich habe keine Lust, dafür zu lernen. Ich hasse GK!

Samstag, 14.5.77

„Lieben heißt, daß man nie um Verzeihung bitten muß.“
(aus ‚Love Story‘)
Ich mag Charly immer noch sehr.
Andreas wahrscheinlich auch.
Morgen gehe ich wahrscheinlich nicht zum Tanztee.
Sehr sinnvoll, was ich da schreibe.
Schreiben! Eigentlich wollte ich ein Buch oder zumindest eine Geschichte schreiben. Ich könnte mir ein bißchen Geld damit verdienen.
Aber es ist schwer, anzufangen. Wenn ich nur ein Thema wüßte. Der Rest wäre dann einfach. Ich muß mir heute etwas ausdenken!

Montag, 16.5.77

Ich habe mir leider immer noch nichts ausgedacht. Es ist auch ziemlich schwer, ein interessantes und nicht zu oberflächliches, nichtssagendes Thema zu finden.
Gestern abend sah ich den Film: „Weder Tag noch Stunde“.
Zum Inhalt: Er spielt in einem Feriendorf in der fränkischen Schweiz. Da sind einmal die Freundinnen Erika und Irmi, der Bauernsohn Johann, auch Joe genannt, der Baggerführer Alois (ein ziemlicher Spasti), das Ehepaar Kroll mit zwei Kindern aus Berlin, das Mädchen Elfi, ebenfalls aus Berlin, Bernd, dessen Freund, Bewohner des Dorfes.
Beginnt im Schwimmbad. Erika, Irmi, ein paar Jungen, die Familie Kroll ist dort. Sozusagen Vorstellung der Personen. Familie Kroll lernt Erika kennen, da sie ihnen eine Kurkarte ausstellen soll. Zwischendurch Feierabend auf der Baustelle, wo Alois arbeitet, Joe bei der Arbeit.
Erika und Irmi gehen nach Hause durchs Dorf. Alois macht blöde Bemerkungen, als sie an der Dorfgaststätte vorbeikommen, wo die beiden Mädchen öfters aushelfen.
Dann treffen sie Joe. Da sie jemanden brauchen, der sie abends zum Tanzen fährt, fragt Erika ihn. Er meint, daß es etwas länger dauern kann, aber sie wollen sie auf dem Marktplatz treffen. (Joe ist sehr wahrscheinlich ein bißchen in Erika verliebt, und läßt sich überhaupt von allen ausnutzen, da er nie nein sagen kann).
Die Freundinnen ziehen sich um und gehen dann wie verabredet zum Marktplatz. Da Joe nicht kommt, suchen sie jemand anderes, und haben schließlich auch Glück: ein Auto hält und sie werden mitgenommen. Alois sitzt mit anderen Männern draußen vor der Wirtschaft und läßt wieder blöde Bemerkungen fallen wie: „Die finden auch immer jemanden.“
Vor einer Discothek steigen die beiden aus. Unterdessen ist Joe sozusagen von der Arbeit weggelaufen, um nicht zu spät zu kommen. Da die Mädchen aber weg sind, fährt er zu der Wirtschaft, wo er ein paar Freunde trifft.
Erika und Irmi sind nun in der Discothek. Ein Typ, der in der Band spielt, hat sich gerade mit Erika unterhalten und ist anscheinend sauer, daß sie so spät gekommen ist. Sei meint: „Wir mußten erst jemanden finden, der uns fährt!“ Aber er hört schon gar nicht mehr zu. Die beiden suchen sich einen Platz, und Irmi fragt: „Was machen wir nun?“ Erika antwortet: „Wir suchen uns jemanden, der mit uns tanzt.“ „Wen denn?“ „Zum Beispiel die zwei da drüben, die sehen doch ganz nett aus“, schlägt Erika vor.
Dann stehen die beiden vor dem Tisch der Jungen. Erika fragt den dunkelhaarigen Bernd, ob er eine Schwester hat, die Marianne heißt. Die hat er, und darauf sagt Erika, daß sie zusammen zur Schule gegangen sind. Und daß sie sich gleich gedacht hat, er müsse ihr Bruder sein, da er ihr so ähnlich sehe, worauf er meint, daß das wohl nicht möglich sein könne, da er ihr überhaupt nicht ähnlich sehe. Schließlich tanzen sie dann. Später fahren Bernd und Erika zum Volksfest. Dort fahren sie mit dem Riesenrad. Als sie aussteigen, wird Erika sofort von Joe und seinen Freunden umringt, die zufällig auch dort sind. Erika und Bernd verabreden sich für den folgenden Nachmittag. Alois hat inzwischen ein Mädchen gefunden. Es ist Elfi aus Berlin, die hier ihren Urlaub verbringt. Beide haben enttäuschte Lieben hinter sich und trösten sich gegenseitig.
Am nächsten Tag fährt Erika mit Familie Kroll zum Volksfest. Dort will sie sich mit Bernd treffen. Sie läuft auf dem Platz herum und sucht ihn. Das gleiche tut er. Irmi ist mit Joe dort. Er läßt sie aber links liegen und läuft Erika nach. Irmi folgt ihnen. Alois und Elfi sind auch da. Als Erika an ihnen vorbei kommt, läßt er wieder eine blöde Bemerkung fallen, rennt dann hinter ihr her, genau wie Joe. Sie laufen über den Festplatz. Irmi sucht sie. Dabei stößt sie auf Bernd. Sie suchen gemeinsam weiter. Sie treffen Elfi. Diese fragt die beiden nach Alois. Sie suchen nun zu dritt. Erika, Alois und Joe sind inzwischen an der Achterbahn angekommen. Sie treffen Familie Kroll. Frau Kroll fährt zuerst, und Erika paßt auf die Kinder auf. Dann fährt Erika mit Alois und Joe. Bernd, Irmi und Elfi suchen sie immer noch. Dann überstürzen sich die Ereignisse. Schreie. Alle Leute stürmen zur Achterbahn. Erika, Joe und Alois sind herausgeschleudert worden. Herunterfallende Teile treffen Frau Kroll. Sie, Erika und Joe sind sofort tot, Alois stirbt auf dem Transport ins Krankenhaus.
Ein Achterbahnunglück dieser Art ereignete sich wirklich in Bayreuth vor fünf Jahren. Es konnte nie herausgefunden werden, durch was dieses Unglück ermöglicht wurde. Menschliches Versagen konnte von vorneherein ausgeschlossen werden. Technisches Versagen war nicht möglich, da die Achterbahn noch ziemlich neu war und erst ein paar Tage vor dem Unglück gründlich überholt worden war.

Samstag, 28.5.77

Hallo, da bin ich wieder. Seit gestern sind wir aus Berlin zurück. Es hat uns sehr gut gefallen, nur war es viel zu kurz. Montag nachmittag habe ich Familie S. besucht. Mit Ute war ich dann abends noch im Kudorf. Sie erzählte mir von Joachim. Er geht in ihre Schule. Einmal fragte er sie, ob sie mit ihm weggehen wolle, und sie sagte zu, denn sie mochte ihn ganz gern, wie etwa eine Freundin. Aber an diesem Abend war es dann doch anders. Am letzten Donnerstag (Himmelfahrt), so erzählte sie, war er irgendwie merkwürdig. Sie fragte ihn später nach dem Grund, und er wußte keinen. Als sie sich das letzte Mal trafen, war er wieder so und sie weiß nun nicht, was sie davon halten soll. Ich habe nun keine Lust, aufzuschreiben, was wir sonst noch gemacht haben, vielleicht morgen.
Aber nun zu mir. Ich kann es noch nicht glauben. Ich will es aber glauben. Diesmal muß es klappen. Ich habe große Hoffnung. Um was geht es? Um Andreas. So richtig angefangen hat es am 30. April, Samstag, Sport. Da ist er mir das erste Mal richtig aufgefallen. Er hat mich nicht beachtet, aber das macht mir ja nichts aus, das ist doch immer so.
Aber: Samstag, 21. Mai, Ankunft im Jugendgästehotel Nord. Nach dem Abendessen saßen wir noch im Speisesaal herum und warteten auf die Zimmer. Elke und ich saßen auf einem Tisch und unterhielten uns. Andreas saß ein ganzes Stück entfernt. Er hatte einen Photo dabei. (Ich werde noch verrückt, ich kann das nicht schreiben! Aber ich werde mich zusammennehmen!) Dann guckte er durch. Wohin? Zu uns. Aber bloß wegen mir! Vermutung von mir. Später saßen wir in den einzelnen Klassen zusammen. Dann kam er rüber zu uns und fragte jemanden, welche Klasse wir sind. Antwort: 11a. Daraufhin sagte er: Scheiße und ging wieder. Am nächsten Morgen beachtete er mich überhaupt nicht. Wir zogen dann um. Nur einmal trafen wir die 11c. Während der Stadtrundfahrt. Wir gingen aneinander vorbei (ich meine mit wir die Klassen). Andreas sah aber nur Martina. Auf der Rückfahrt kamen sie nach uns an die Grenze. Aber sie standen ziemlich weit weg. Wir machten dann um vier Uhr Rast in der Nähe von Göttingen. Die anderen kamen kurz nach uns.
Natürlich sah ich Andreas und er mich auch. Zum Glück sah ich an diesem Tag ziemlich gut aus. Um halb fünf ging’s dann weiter. Die anderen überholten uns bald. Aber es ging viel zu schnell und ich war auch gar nicht darauf gefaßt. Wir dachten schon, die sehen wir nicht mehr und ärgerten uns über unseren Busfahrer, weil der so langsam fuhr. Doch dann trafen wir sie doch noch. Sie hatten noch eine Rast gemacht. Diesmal fuhren sie langsamer an uns vorbei. Andreas sah ich trotzdem nicht genau, weil er nicht am Fenster saß. Da saß nämlich Uli. Und der lachte mir zu, als sie vorbeifuhren. Vielleicht einfach nur so oder eben aus einem bestimmten Grund. Dann, kurz vor Frankfurt, waren sie auf einmal verschwunden. Ich hatte nun endgültig die Hoffnung verloren, Andreas an diesem Abend noch mal zu sehen. Doch als wir ankamen, waren die anderen noch nicht da. Ich ging telefonieren, und als ich wieder zum Parkplatz kam, sah ich ihn. Andreas. Er wartete mit Uli und noch jemandem (habe ich vergessen) und sie wurden abgeholt. Nun muß ich auf Mittwoch warten. Mal sehen, was dann los ist.

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