März 1975

Sonntag, 9. März 1975

März 1975

Na, es gibt wieder mal ne Menge Neuigkeiten! Erstens weiß ich jetzt, wo Joachim wohnt. Ute hat ihn bei einem Spaziergang gesehen. Er wohnt O.straße 10. Ich habe das Haus mal ganz flüchtig im Vorbeifahren gesehen. Außerdem habe ich seine Schrift gesehen. Mir gefällt sie. Roland hat so einen Kasten mit verschiedenen Sachen, und da hat Joachim seinen Namen drauf geschrieben.
Dann das wichtigste: Ute ist heute angekommen! Wir werden viel unternehmen, z. B. Spazierengehen, ins Hallenbad fahren, mit dem Rad wegfahren, und vieles andere. Aber jetzt muß ich unbedingt schlafen, weil ich morgen ja wieder zur Schule muß, morgen haben wir auch Kochen, so ein Mist!

Mittwoch, 19. März 75

Seit Montag haben wir Ferien, zum Glück. Einmal bin ich mit Ute spazieren gegangen, dann waren wir im Massa, in Rüsselsheim, in Darmstadt und auch im Kino. Wir haben „Die große Sause“ gesehen. Hoffentlich können wir auch mal ins Hallenbad fahren. Montag und Dienstag war es ziemlich kalt, es hat sogar geschneit.
Joachim geht leider nicht in die Tanzstunde, das ist ja nicht so schlimm, aber ich möchte ihn doch öfters sehen. Das letzte Mal habe ich ihn vor 37 Tagen, am Rosenmontag gesehen.
Am Mittwoch war bei uns was los. Vor der Englischstunde haben wir die Türen mit Büchern zugebaut, damit H. nicht reinkann. Er ist dann gekommen und hat T. geholt, der hat dann zugeschlossen. Achim, Thomas, Susi und Petra waren draußen. Bis um zwei Uhr mußten wir warten. Achim hat sich gefreut, das ganze war seine Idee, ich finde ihn überhaupt blöd.
Das habe ich noch gar nicht geschrieben, Ute hat sich im Februar zwei weiße Mäuse gekauft, Flea und Fips. Fips ist eingegangen, aber Flea haben wir noch, er ist ganz süß.

Samstag, 22. März 75

Eigentlich müßte ich Sonntag schreiben, denn es ist mittlerweile schon viertel nach 12. Aber das ist ja egal.
Also, in den Ferien habe ich Achim schon so oft gesehen. Am Donnerstag, als wir von Rüsselsheim zurückkamen, fuhr er hinter und her, ich habe es nicht gesehen, Mutti hat es gesagt. Dann sind wir mit den Rädern weggefahren, da haben wir ihn wieder gesehen. Er ist auch noch ein paarmal an unserem Haus vorbeigefahren. Und heute, das heißt, gestern, ist er zweimal durch unsere Straße gefahren. Na also, was das zu bedeuten hat. Vielleicht hat er Liebeskummer, mit Martina wird es wohl jetzt aus sein. Der Arme!
Schade, daß Ute nur noch bis Mittwoch bleibt, ich werde mich wohl sehr einsam ohne sie fühlen.

Montag, 24. März 75

Heute nacht hatte ich einen tollen Traum. Von wem ich geträumt habe, das ist wohl klar, von Achim:
Es war in einem Kaufhaus, ein bißchen dunkel, er saß auf der Treppe, lachte mich an, ich lachte auch, das war’s. Roland hat mich gerufen und mir zugeflüstert, daß das gefährlich werden könnte, doch ich glaubte ihm nicht. Ich ging mit Achim weg, irgendwo hin, ich weiß nicht wohin. Wir erzählten, er sagte mir, daß es mit Martina aus ist, und daß er nach Bauschheim fahren will; und vieles andere. Es war kein Wort von Liebe dabei, vielleicht indirekt, im Herzen, doch es war alles so wunderschön! Schade, daß es nur ein Traum war.
Wenn aus dieser heimlichen Liebe zu Achim jemals etwas wird, so werde ich einen Roman darüberschreiben, irgendwann, später einmal.

Dienstag, 25. März 75

Blödsinn, das mache ich niemals, denn mit Achim wird es nie was werden!
Heute habe ich Joachim gesehen, als wir spazieren gegangen sind. Ute findet ihn auch süß. Morgen fliegt sie ja leider wieder ab. Hoffentlich sehen wir Joachim noch einmal.

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