Oktober 2001

Donnerstag, 11. Oktober 2001

Nachmieter gesucht: Wie sich ein anscheinend harmloses Unterfangen fast in ein Drama verwandeln kann.
Nachdem wir mit dem Ausbau des Hauses Mitte September begonnen hatten, hofften wir, Anfang dieses Monats eine ungefähre Abschätzung zu haben, wie schnell es gehen könnte. Nun gut, wir fassten dann also die Kündigung unserer jetzigen Wohnung zum 31.01.2002 ins Auge mit der Option, auch schon im Laufe des Januar umzuziehen.
Nachdem man doch ab und zu mit den Nachbarn spricht, wussten natürlich die meisten hier im Haus, dass wir bauen und irgendwann ausziehen werden. So meldet sich eines Abends Ende September ein Pärchen, das mit den Mietern unter uns befreundet ist und Interesse an unserer Wohnung hat.
Klar sind wir gerne bereit, diesen Interessenten die Wohnung zu zeigen. Wir sind zwar nicht verpflichtet, Nachmieter zu suchen und vorzuschlagen, aber wenn es jemanden gibt, freut sich auch er Vermieter. Also vereinbarten wir einen Besichtigungstermin für Sonntag, den 30.09.
Vorausschicken muss ich noch, dass wir damals eine „richtige“ Küche eingebaut haben (ein Foto gibt es auf meinen Küchenseiten zu sehen). Diese Küche könnten wir zwar ausbauen und im Haus wieder einbauen, passen würde es auf jeden Fall. Aber es ist natürlich ein zeitlicher und auch finanzieller Mehraufwand, denn die passend zugeschnittenen Arbeitsplatten kann man nicht mehr verwenden. Neben den Küchenschränken wollten wir auch den Gasherd in der Wohnung lassen, da wir in unserer zukünftigen Küche einen Elektroherd haben werden. Daher hofften wir auf Interessenten, die keine Küche haben und unsere gegen einen vernünftigen Preis gerne übernehmen würden. Dann würden wir auch die eine oder andere Jalousie oder Lampe, die wir nicht gebrauchen können, dem Nachmieter kostenlos überlassen.
Die Beiden kamen also am Sonntagnachmittag mit ihrer kleinen Tochter. Die Wohnung gefiel ihnen gut, vor allem würden sie gern einziehen wegen der Nähe zu ihren Freunden und der problemlosen Möglichkeit der gegenseitigen Kinderbetreuung.
An der Küche waren sie nun gar nicht interessiert; besonders die Frau war sehr abgeneigt, während er anscheinend doch bereit war, noch einmal darüber zu diskutieren. Sie blieb dabei: Sie hätten ja eine eigene Küche, und unsere würden sie sowieso herausnehmen. Außerdem hätte sie gern freien Zugang zum Fenster (wir haben dort „unpraktischerweise“ Unterschränke davor gebaut). Der Teppichboden müsste aber auch raus, denn der Mann hat eine Hausstauballergie. Wir verblieben dann so, dass wir etwa Mitte Oktober wieder telefonieren würden. Wir hatten ja gerade einige Tage zuvor eine Anzeige aufgegeben und wollten abwarten, ob sich noch andere Interessenten melden würden.
Und tatsächlich, es stellten sich noch weitere Interessenten ein. Die nächsten kamen am darauf folgenden Samstag zur Besichtigung. Ich hatte den Eindruck, sie fanden die Wohnung in Ordnung, waren aber nicht allzu begeistert. Na ja, die Küche wollten sie jedenfalls auch nicht haben.
Paar Nummer 3 hatte ich für den Sonntag eingeladen. An diesem Sonntagnachmittag meldete sich noch ein weiterer Interessent, der allerdings an diesem Tag keine Zeit mehr hatte. So vereinbarten wir, dass er am Montagabend vorbeikommen solle.
Paar Nummer 3 am Sonntag war vollkommen begeistert von der Wohnung. Auch die Küche wollten sie gern übernehmen. Zum ersten Mal kam die Frage nach dem Preis. Wir hatten ursprünglich so eine ungefähre Vorstellung von 1500-2000 DM gehabt. Ich hatte aber dann noch einmal in meiner Umzugskostentabelle nachgeschaut, was wir für den Einbau der Küche damals zusätzlich investiert hatten (Fliesenspiegel, Spüle, ein zusätzlicher Schrank, Arbeitsplatten, Gasanschluss verlängern). Und das waren stolze 1500 DM gewesen. Also überlegte ich mir fix, dass ich den Preis erhöhen sollte und nannte ihnen 2500 DM. Mir schien, sie waren nicht so begeistert von der Höhe, wollten aber darüber sprechen und sich wieder melden.
Schon am nächsten Nachmittag rief sie wieder an. Für 2000 DM Ablöse für die Küche würden sie die Wohnung nehmen. Ich sagte, dass am Abend noch ein weiterer Interessent kommen würde, aber war ganz zuversichtlich, sie als Nachmieter vorschlagen zu können. Vermutlich würde der andere auch keine Küche haben wollen.
Aber genau das Gegenteil war der Fall. Ihm gefiel die Wohnung sehr gut und er brauchte auch eine Küche. Ich sagte, andere Interessenten wären bereit, 2500 DM für die Küche zu zahlen. Worauf er von sich aus sofort 3500 DM bot mit dem Hinweis, auf jeden Fall mehr als andere zu zahlen. Ich war nun hin und her gerissen, denn die anderen waren so nett gewesen und sie waren so begeistert von der Wohnung … ich hätte sie ihnen wirklich gegönnt. Ich verblieb auch mit dem letzten Interessenten so, dass ich ihn am nächsten Tag anrufen würde.
Ich hatte schon ein blödes Gefühl dabei, den anderen absagen zu müssen. Männer denken da viel praktischer: Wer das meiste zahlt, bekommt die Wohnung.
Am folgenden Tag rief ich nachmittags Paar Nummer 3 an und informierte sie über das aktuelle Angebot. Sie wollte mit ihrem Freund darüber sprechen. Er rief dann später zurück, war – verständlicherweise – gar nicht erfreut und sagte, sie könnten und wollten auf keinen Fall mehr als die 2000 DM zahlen. Damit war dieses dann erledigt.
Dann rief ich noch zwei neue Interessenten zurück und teilte ihnen mit, dass die Wohnung bereits vergeben sei.
Anschließend rief ich den Höchstbietenden an, um ihm die erfreuliche Mitteilung zu machen. Er musste noch schnell etwas einkaufen gehen und wir verabredeten, in einer halben Stunde noch einmal zu telefonieren.
Und um das Ganze zum Abschluss zu bringen, dachte ich mir, jetzt rufe ich auch noch die allerersten Besichtiger an, nämlich die Freunde von den anderen Mietern. Und das war ein Fehler! Ich hatte ihn am Telefon und sagte ihm, es gäbe einen Interessenten für die Wohnung, der uns die Küche zu einem guten Preis abkaufen würde, und das würden wir favorisieren. Er sagte nur kurz, er müsste mal schauen, und sie würden gleich zurückrufen.
Zwei Minuten später klingelte das Telefon und SIE war dieses Mal dran. Warum, das wurde mir im Laufe des Gesprächs klar. Sie konnte nämlich so richtig unangenehm werden. So argumentierte sie zum Beispiel, dass der Vermieter sehr viel Wert auf eine gute Hausgemeinschaft lege. Falls sie die Wohnung jetzt nicht bekommen sollten, würde das den Hausfrieden stören. (Erpressung: Gebt uns die Wohnung, sonst sprechen unsere Freunde im Haus kein Wort mehr mit euch.) Ihr Fehler war, dass sie plötzlich erwähnte, sie habe schon mit dem Vermieter Kontakt aufgenommen. (Frechheit: Wir hatten unseren Vermieter noch nicht informiert, dass wir ausziehen würden geschweige denn schriftlich gekündigt.) Ich dachte, ich höre nicht richtig und habe ihr das auch gesagt. Selbstverständlich erwähnte sie dann wieder, dass ihr die Küche überhaupt nicht gefalle, und es wäre doch schön, wenn wir sie mitnehmen könnten. (Nein, finde ich gar nicht schön, sondern äußerst unpraktisch.) Sie fragte dann ganz frech, wie viel wir damals für die Küche bezahlt hätten. Ich sagte ihr, es spiele keine Rolle, was die Küche im ausgebauten Zustand wert sei, sondern in diesem Fall zählt der eingebaute Zustand. (Ist tatsächlich so!) Dann erwähnte sie noch, sie seien ja bereit, etwas zu zahlen (aha, den Eindruck hatte ich damals nicht), aber wir (Achtung Vorwurf!) hätten ja gar keine Preisvorstellung genannt. Auf jeden Fall hat sie mich mit ihrem unverschämten Ton ganz schön auf die Palme gebracht. Ich habe mich dann gar nicht mehr geäußert und darauf verwiesen, dass wir noch einmal telefonieren.
Jörg hat sofort unseren Vermieter angerufen, der zum Glück auch zu Hause war. Der Vermieter hatte zwar die Anfrage von diesem Paar bekommen, aber keinerlei Zusage gemacht. Er fand es auch nicht gut, dass wir gerade erst vor fünf Minuten und mehr per Zufall erfahren haben, dass sie ihn bereits angerufen hat. Er wollte dann noch ein bisschen über den anderen Interessenten erfahren und ließ sich seine Telefonnummer geben, um ihn zu kontaktieren.
Ich konnte mich an diesem Abend gar nicht mehr beruhigen über das Verhalten mancher Leute. Bei derartigen Äußerungen und einem solchen Gesprächston fühle ich mich erpresst und bedroht: Du bist die Böse, du störst den Hausfrieden, du bist geldgierig, du gönnst armen Leuten nicht die schöne Wohnung!
Gestern Abend waren wir gerade zu Hause, als das Telefon klingelte und ER anrief. Wir haben es zum Glück an der Rufnummer gesehen, hatten aber jetzt nicht gleich Lust, noch halb in der Tür stehend, über die Wohnung zu diskutieren. Er musste dann mit dem Anrufbeantworter vorlieb nehmen, und den fragte er, ob es denn noch eine Chance gäbe, die Wohnung zu bekommen, er habe von seiner Frau gehört, jemand anders wolle 3500 DM oder sogar mehr zahlen. Überflüssige Frage, überflüssiger Anruf? JA, es gibt eine Chance, biete einfach mehr Geld. JA, der Anruf war überflüssig, nachdem der das Angebot kennt, hätte er selbst eins abgeben können.
Wir haben mit unserem Vermieter telefoniert, der auch sofort wissen wollte, ob ER sich schon gemeldet hat. Wir berichteten ihm von dem Anruf. Seine Reaktion darauf: Das sei ein blöder Anruf gewesen, er hätte uns ein Angebot machen sollen. Jedenfalls tendiert unser Vermieter auch zu dem anderen Interessenten und wollte ihn anschließend gleich anrufen. Er ist eben auch ein Mann und sieht ganz klar, dass der eine 3500 DM bietet und der andere nichts. Und ich habe schon ein ungutes Gefühl, weil ich den anderen absagen musste. Nur nicht bei den „Hausfriedens-Erhaltern“. SIE war zu unverschämt, ich gönne ihr die Wohnung nicht. Ich habe schon zu Jörg gesagt, FALLS die doch die Wohnung bekommen, dann bauen wir alles aus. Jede Jalousie, jede Lampen, alles was nicht zur Wohnung gehört. Nur die Teppichböden, die sie sowieso nicht behalten wollen, lassen wir drin.

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Dienstag, 23. Oktober 2001

Trotz der vielen Arbeit rund ums Haus habe ich mich am Wochenende entschlossen, bei der Weihnachtswelle mitzumachen. Ich hatte schon eine Idee, welches Thema ich wählen würde, und in der Nacht von Samstag auf Sonntag hatte sich schon die halbe Geschichte in meinem Kopf entwickelt. Als am Sonntagvormittag das Baustellen-Mittagessen in der Küche vor sich hingarte, habe ich mir schnell das Thema per E-Mail reservieren lassen. Und ich habe es nach diversen Steinwolle-Dämmaktionen und Aufräumarbeiten tatsächlich noch geschafft, das am Sonntagabend noch zu Papier – oder besser gesagt – in den PC zu bringen.

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