April 1997

Dienstag, 1. April 1997

Die erste Aprilwoche war ich in Aschaffenburg, wir (der Betriebsrat, in dem ich Mitglied war) hatte eine Klausurtagung.
Mir ging es die ganze Woche sehr gut, ich freute mich auf Freitagabend, denn da hatte ich eine Telefon-Verabredung mit Martin. Meine Sorge war nur, dass er in der Zwischenzeit das Telefon abgeholt haben könnte. Aber es war noch da, als ich nach Hause kam.
Und mein neuer PC war ebenfalls geliefert worden! Da der alte ja früher oder später weg sein würde, hatte ich eine Woche vor Ostern einen neuen bestellt: über das Internet bei Gateway. Das war für mich die einfachste Lösung, nachdem ich einen Versuch bei Media Markt gestartet hatte und dort etwas ratlos vor den PCs stand. Auch meine Versuche, bei Chat-Bekannten Tipps zu bekommen, waren mehr oder weniger gescheitert, weil mir jeder etwas anderes empfahl. Nun gut, ganz so ahnungslos war ich ja nicht, und so verließ ich mich auf meinen gesunden Computerverstand und bestellte mir einen Pentium 166 MHz mit allem drum und dran. Der hat dann zwar stolze 5328 DM gekostet, aber ich war jetzt bestens ausgestattet.
Von ihm kam irgendwann ein ziemlich unfreundlicher Anruf. Ich solle jetzt mal sagen, wie ich mir das nach meinem bühnenreifen Auftritt an Ostern vorstelle …
Da war ich so platt, dass ich nur fragen konnte, was er denn meine. Danach haben wir uns nur noch wenn’s notwendig war, E-Mails geschrieben. Zuletzt wollte er noch von mir, dass ich bestätige, ihn an Ostern rausgeworfen zu haben, weil das für ihn günstiger wäre.
Mit Martin entwickelte sich eine sehr intensive Telefon-Beziehung. Es blieb nicht aus, dass wir uns irgendwann einmal treffen würden. Ich wollte es einerseits, andererseits auch wieder nicht. Denn da war die Angst, dass es bei einem Treffen nicht so laufen würde, wie wir uns das vorstellten.
Wir trafen uns dann schließlich an einem Samstag Mitte April. Tja, und das war’s dann auch gewesen. Trotz Foto hatte er sich wohl etwas anderes vorgestellt. Ich hatte zwar schon 10 Kilo abgenommen nach meiner „dicken“ Zeit und fühlte mich schon viel besser, aber vermutlich war ich doch nicht so prinzessinnenhaft, wie er es sich gedacht hatte.
Ich war danach ziemlich fertig und enttäuscht. Allerdings hielt mich das nicht davon ab, weiterhin dem Chat treu zu bleiben und mich auch mit anderen Leuten (vor allem Männern) zu treffen, die ich dort kennen lernte.

Abgelegt unter:

Top