März 1997

Samstag, 1. März 1997

Am darauf folgenden Donnerstagabend saß ich auch wieder einmal sehr lange am PC, weil im Fernsehen etwas lief, was mich nicht interessierte. Plötzlich kam er ins Arbeitszimmer, war verärgert, und fragte, warum ich denn immer hier sitze statt bei ihm im Wohnzimmer. Ich war sauer, weil er mich nicht machen ließ, was ich wollte und antwortete ihm, es interessiere mich eben nicht, was da im Fernsehen lief. Er ging dann erst mal wieder. Kurze Zeit später erschien er wieder, war nun total wütend, stürzte an den PC und schaltete ihn einfach aus. Ich war einerseits fürchterlich wütend darüber und andererseits ziemlich erschrocken; er hat mir richtig Angst gemacht. Ich weiß nicht mehr, was wir noch redeten bzw. stritten, aber ich ging dann sofort ins Bett. Schlafen konnte ich nicht, weil er einen ziemlichen Lärm in der Wohnung veranstaltete, und mir war reichlich unwohl dabei.
Am nächsten Morgen war das Modem verschwunden …
(Übrigens hat er sich dann wieder so weit beruhigt und am nächsten oder übernächsten Tag das Modem wieder installiert.)
Nachmittags telefonierte ich mit Elke und erwähnte, dass ich nur ungern nach Hause gehe. Sie wollte wissen, was los sei, und ich erzählte es ihr kurz.
An diesem Freitag hatten wir Karten für das Runrig-Konzert in Offenbach, aber ich konnte mich gar nicht richtig darauf freuen. Als ich nach Hause kam, war die Stimmung etwas frostig. Ich war ganz froh, dass noch ein Freund mit zum Konzert ging, so waren wir „gezwungen“, uns normal zu unterhalten.
Von Sonntag bis Mittwoch war ich in Berlin zur ITB, seit langem mal wieder.
Als ich am Mittwoch spät abends nach Hause kam, war ich ziemlich aufgedreht und sehr gesprächig. Was die restlichen Tage bis Sonntag war, weiß ich nicht mehr genau.
Ich glaube, es war der Freitag, als ich mit Elke ausführlicher über die Geschichte redete. Mir war zu dem Zeitpunkt schon klar, dass in Kürze irgendeine Entscheidung ansteht. Ich sagte ihr am Ende des Gesprächs, dass sich wohl in den nächsten drei bis vier Wochen etwas tun würde. Dass es letztendlich so schnell gehen würde, hätte ich zu dem Zeitpunkt selbst nicht gedacht.
Am Sonntagabend saß ich wieder einmal am PC, hatte auch keinerlei Lust, etwas zum Abendessen zu machen. Er kam dann ins Arbeitszimmer und fragte mich, ob ich noch was kochen wolle. Ich antwortete nur, keine Lust oder ich weiß nicht, oder so etwas in der Richtung. Dann kam er irgendwann noch einmal und meinte, wir sollten mal über etwas sprechen. Als er mich dann fragte, wie es mit uns weitergehen soll, wusste ich, nun ist der Moment, wo ich mich nicht mehr verstecken kann, sondern endlich die Konsequenzen ziehen muss. Ich sprach endlich mit ihm darüber, dass wir wohl nicht mehr zusammenbleiben würden. Ich nannte ihm auch meine Gründe. Er schien sie zunächst zu verstehen bzw. verstehen zu wollen. Wir haben wohl nie zusammengepasst, ich habe mich in den letzten Jahren und vor allem Monaten ziemlich weit von ihm entfernt, also auch beruflich weiterentwickelt und habe andere Ansprüche. Es war ein ziemlich ruhiges Gespräch und am Ende sagte er, er müsse jetzt sofort weg und könne nicht länger bleiben.
Ich saß dann erst mal zu Hause und war schon reichlich erleichtert, dass das ganze endlich geklärt war. Seit diesem Abend war er erst einmal verschwunden und ich wusste nicht, wohin.
Am Montag konnte ich zu Hause noch mit niemandem darüber reden. Nur Elke hat es gleich erfahren, ich habe ihr gesagt, die drei bis vier Wochen sind gestern Abend schon vorbei gewesen.
Meinen Eltern und Ute habe ich es am Dienstag endlich gesagt. Bis auf Martin hatte es noch keiner gemerkt. Meine Eltern haben es mit Fassung aufgenommen, sie hatten sich schon gewundert, dass wir nur noch wenig oder eher gar nichts mehr gemeinsam unternommen haben.
Er tauchte ab und zu wieder auf, er hatte ja noch alle Sachen da. Er sagte, er wohne bei guten Freunden. Dass er bei seinen Eltern wohnte, habe ich erst später erfahren. Auf jeden Fall konnte ich ihn ganz freundschaftlich und freudig begrüßen. Das hat er auch festgestellt. Anfangs hatten wir gedacht, er könne vorübergehend im kleinen Zimmer wohnen, aber nach einem kurzen Versuch hatte sich das erledigt. Es wäre nicht gut gegangen.
Während dieser ganzen Zeit hatte ich weiterhin Online- und Telefonkontakt zu Michael aus Erlangen.
Am Karfreitag haben wir noch ganz friedlich ein paar Regale aus dem Arbeitszimmer und diverse Sachen eingepackt. Er wusste, dass ich über Ostern irgendwohin fahren wollte. Aber wir hatten nie darüber gesprochen, dass er während dieser Zeit hier in der Wohnung sein könnte, das wüsste ich und daran hätte ich mich erinnern können. Es war immer nur die Rede von den Tage nach Ostern, in denen ich in Aschaffenburg zur Betriebsrats-Klausur sein sollte.
Am Samstag, dem 1. März war ich Michael aus Erlangen im AOL-Chat begegnet. Wir haben uns sehr nett unterhalten, Tage später dann auch telefoniert und schließlich ein Treffen vereinbart. Das war dann für Ostern vorgesehen.
Nun ja, das Blind Date in Erlangen war ein totaler Reinfall. Ich hätte schon früher drauf kommen können, bei den Interessen und Hobbys, die der hatte bzw. nicht hatte. Aber vermutlich war ich zu der Zeit ziemlich blind und wollte nur einen neuen tollen Mann kennen lernen. Ich wusste auf den ersten Blick, dass ich es keine fünf Minuten mit ihm aushalte; und um uns nicht zu quälen bzw. vor allem mich nicht, habe ich mich nach zehn Minuten wieder verabschiedet. Das muss ziemlich schlimm für ihn gewesen sein, aber ich konnte es nicht ändern.
Was nun? Ich wollte und konnte ja nicht gleich wieder nach Hause fahren. Also fuhr ich weiter nach München, ich nahm an, dort sei gutes Wetter und ich könnte mir ein paar schöne Tage machen. Allerdings fing 30 km vor München der Schneesturm an. Es war widerlich winterlich und nasskalt dort. Ich hatte kein Hotel gebucht und hätte erst suchen müssen. Das hat mich so genervt, dass ich direkt wieder nach Hause gefahren bin.
Ich kam also um ca. 22 Uhr zu Hause an. Im Arbeitszimmer war Licht – er war da, mit Martin zusammen. Ich war überrascht, wie gesagt, von Ostern war nie die Rede. Außerdem hatte er in meinen Sachen gewühlt und vermutlich hatten sie auch im PC gesucht. Er war natürlich auch sauer. Er wollte zum Beispiel wissen, wo ich war, und ob ich schon einen Nachfolger für ihn hätte. Er sagte, er hätte zwar was getrunken, aber er könne jetzt nicht länger bleiben. Ich wollte ihn nicht mit dem Auto fahren lassen, bot ihm an, ihn zu seinen Eltern zu fahren. Aber er ließ sich nicht davon abhalten, und ich habe leider auch nicht darauf bestanden. Er fuhr also weg.
Etwa eine halbe Stunde später klingelte das Telefon. Er war dran. Er hatte einen Unfall gebaut. Ihm war nichts passiert, aber das eigene Auto war Matsch und zwei andere hatte er beschädigt. Und natürlich hatte er zu viel getrunken und der Führerschein war weg. Er hatte wohl einen Schock vom Unfall, jedenfalls erklärte er mir, dass ich auch mit schuld an dem Unfall sei. Ihm bliebe jetzt nichts mehr und er könnte sich auch gleich umbringen.
Ich konnte es irgendwie gar nicht glauben, was ich da hörte. Passierte das wirklich? Es war für mich in diesem Moment so unfassbar, dass ich mit keinem darüber reden konnte.
Natürlich hat er seine Drohung nicht wahr gemacht. Aber für ihn war ich die Schuldige und so behandelte er mich auch noch die wenigen Male, die wir zwangsläufig miteinander zu tun hatten. Er war mehr als eisig, teilweise sogar ziemlich unfreundlich. Ich konnte das nicht mehr ändern. Und ich wollte mich auch keinesfalls schuldig und als die Böse fühlen, nur weil ich die Beziehung beendet hatte.
Am Gründonnerstag schon hatte ich Martin im Chat kennen gelernt und am nächsten Tag (Karfreitag) wieder „getroffen“. Wir hatten eine sehr nette Unterhaltung, die wir unbedingt fortsetzen wollten – und wir hatten schon Fotos ausgetauscht. Wir waren dann eigentlich für eine Woche später verabredet, weil ich in der darauf folgenden Woche nicht zu Hause war.
Nach diesem Ereignis am Ostersamstag schrieb ich ihm allerdings noch am selben Abend eine E-Mail. Er antwortete mir am späten Sonntagabend, und am Ostermontag trafen wir uns nachmittags im Chat.
Es war ein wunderschöner, warmer Frühlingstag, aber mir ging es aufgrund der Vorfälle nicht so gut. Er schlug vor, zu telefonieren. Ich wollte erst nicht, ließ mich aber dann überreden. Und es war ein prima Gespräch, danach ging es mir schon viel besser. Ich gestand ihm übrigens auch, dass ich schon 36 bin. Er war nämlich erst 28.

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