Juni 1981

Dienstag, 2. Juni 1981

Juni 1981

Mittwoch MPS-Fest. Nicht besonders gut. Anschließend war ich bei Jutta.
Donnerstag Himmelfahrt. Vormittags mit Carola bei Volleyballspiel TG – HSV Damen. Nachmittags mit Jutta in Mainz.
Freitag abend zum Zuschauen beim Training. Keiner ging mehr noch mal was trinken, also: ich wollte waren, bis es dunkel war und dann noch mal bei Sebastian vorbeifahren. Ich fuhr ein bißchen spazieren, bis Kostheim. Am Bahnübergang schaltete ich den Motor ab. Leider! Denn dann sprang das Mist-Auto nicht mehr an. Ich fragte den Typen hinter mir, ob er mir helfen kann. So ein blöder Porsche 924-Fahrer. Auch das noch. Und der hatte überhaupt keine Ahnung. Zum Glück kam ein Taxifahrer, der stieg aus und half mir. Klasse! Dann aber nichts wie nach Hause!
Am Samstag hatten wir ein Freundschaftsspiel gegen Dornheim. Ich spielte höchstens 10 Min., dann ging es nicht mehr, wegen dem Knie.
Am Montag, also gestern, wartete ich wieder auf Sebastian. Ich blieb dieses Mal ganz hinten am Bahnsteig stehen, um möglichst gegenüber von ihm zu sein. Er stand mit einem Typen zusammen von der Sorte „schöner Mann“ mit dunklen Locken, den ich irgendwoher vom Sehen kenne (er fährt auch nach Frankfurt). Wir haben eigentlich überhaupt keinen Unterricht gemacht, ich mußte eine Arbeit nachschreiben und war um 10:20 fertig, anschließend einkaufen, dann fuhr ich nach Hause. Um 14:00 war ich mit Jutta verabredet. Aber vorher mußte ich noch Sebastian sehen. Also fuhr ich um halb 2 wieder nach Rüsselsheim, ging zum Bahnhof und wartete. Er kommt mit dem Eilzug aus Mainz. Ich sah ihn noch nicht, ging schon langsam vor, konnte mich aber doch nicht umdrehen und wußte gar nicht, ob er kommt, bis er mich dann überholte. Also los! Dieses Mal sollte ER hinter mir herfahren. Ich beeilte mich also und schaffte es gerade noch. An der MPS wurde die Ampel rot, aber er stand ganz rechts auf der Abbiegerspur und außerdem etwas hinter mir. Ich bog links ab und fuhr zu Jutta. Wir waren dann in der Bücherei, in der Stadt und bei ihr zu Hause.
(Übrigens: nach dem MPS-Fest und nachdem ich bei Jutta war, fuhr ich bei Sebastian vorbei. Sein Auto stand auf dem Parkplatz am Haus. Ich schenkte ihm eine gelbe Blume, die ich aus den Anlagen geklaut hatte).
Heute morgen kam er etwas später, stand wieder bei dem Typen. Er scheint mich nicht einmal zu sehen. MIST!!!!!!
Morgen fahren wir in die Schweiz (Abschlußfahrt). Bis Freitag.
Heute habe ich einen Brief von Monika aus Kostheim bekommen. Ich habe sie angerufen. Wir werden uns am Samstag nachmittag in Mainz treffen.

Dienstag, 09.06.81

Schweiz war ganz gut, Landschaft und Atmosphäre toll, nur zu viel Streß und das Wetter nicht überragend.
Am Samstag habe ich mich nicht mit Monika getroffen. Ich hatte keine Lust. Vielleicht passen wir nicht zusammen, sie ist Verkäuferin und erst 18. Möglich, daß wir uns mal treffen, wenn sie aus dem Urlaub zurück ist. Über Pfingsten war ich zu Hause, nur einmal mit dem Auto in Rüsselsheim, habe aber niemanden gesehen. Heute wollte ich ganz früh aufstehen, mit Sebastian (falls er da wäre) in der selben S-Bahn nach Mainz oder Wiesbaden fahren, dann zurück nach Frankfurt. Aber ich war dann doch zu müde. Wir arbeiteten nur bis 12 Uhr (Wäldchestag). Ich dachte mir, dann sei ich wohl zu früh in Rüsselsheim, also vor Sebastian. Ich ging also in Rüsselsheim völlig ahnungslos durch die Unterführung – und konnte es kaum fassen! Da kam er mir tatsächlich entgegen. Sein Auto stand in der Rheinstraße, da kam er mir schon wieder entgegen, bog ab zur Post. Ich fuhr zunächst die Rheinstraße weiter, dann aber zurück in die Haßlocher Str. Ein Auto war zwischen uns, an der MPS fuhr das dann geradeaus. Dieses Mal aber folgte ich ihm nicht, sondern bog rechts ab (nachdem ich rechts an ihm vorbeigefahren war, ohne ihn anzusehen [blöd oder gut?]) Richtung Trebur.
Außerdem habe ich einen Brief von Karin aus Mailand bekommen. Sie kommt im Sommer nach Deutschland, im August nach Frankfurt. Wir werden uns hoffentlich mal treffen. Sie ist bestimmt sehr nett.
Vielleicht stehe ich diese Woche noch mal früher auf, um Sebastian zu sehen. Am nächsten Dienstag fahre ich aber auf jeden Fall mit ihm zusammen. Ich bin total verliebt in ihm! Wenn er es doch wüßte!

Sonntag, 14.06.81

Am Donnerstag hat Gabi S. aus Mainz angerufen; ich hatte ihr auch geschrieben (freundin-Liste). Wir verabredeten uns für Freitag abend.
Freitag trafen wir uns vor dem Hilton (sie arbeitet dort in der Reservierung, ist 22 Jahre alt und kommt aus Feuchtwangen). Wir gingen durch die Stadt zum „Schinderhannes“, tranken dort Erdbeerbowle. Später kamen zufällig 2 Studenten rein, die Gabi kennt. Sie setzten sich dann zu uns. Wir blieben bis kurz nach eins. Die beiden wollten uns überreden, noch mal mit in eine Diskothek zu gehen, aber ich sagte nein, denn ich mußte Samstags arbeiten, und Gabi wollte nicht ohne mich gehen. Sie begleiteten mich noch bis zum Auto. Am Dienstag treffen wir (Gabi, Uwe + ich) uns beim „Schinderhannes“. Nur zu dritt, denn Jürgen ist nicht da. Er hatte übrigen Gabi und mir je eine rote Rose geschenkt (werden in den Mainzer Kneipen ständig angeboten). Als ich nach Hause fuhr, war sie schon etwas welk, aber ich verschenkte sie doch noch. Natürlich an Sebastian. Ich legte sie ihm vorne aufs Auto. Ob sie wohl morgens noch da war? Ich würde gern mal wissen, was er davon hält, was er sich dabei denkt. Ich würde mich sehr freuen, auch wenn ich nicht wüßte, von wem sie ist. Morgen sehe ich ihn endlich wieder!
Jutta hat bis jetzt noch nicht angerufen (sie ist seit Dienstag wieder in Mörfelden). Jedenfalls hat sie gesagt, sie würde mich mal anrufen.

Montag, 15.06.81

Heute habe ich Sebastian nicht gesehen. Heute morgen war er schon vor mir da, d. h. schon mit der S-Bahn weggefahren. Wir hatten nur 2 Std. Schule und dann frei. Es war ziemlich heiß. Ich ging zuerst einkaufen und wartete dann in Rüsselsheim auf ihn. Aber er kam nicht mit dem Eilzug um 13:50 Uhr. Blöd. Mal sehen, wie es morgen klappt! Wenn es geht, werde ich früher nach Rüsselsheim fahren, um ihn auf jeden Fall zu sehen. Ich wollte eigentlich mein neues Kleid anziehen, aber daraus wird wohl nichts, denn gerade eben gewittert es ein bißchen und morgen wird es wohl kühl werden.

Dienstag, 16.06.81

Heute morgen war ich (mit neuem Kleid) um viertel nach sechs in Rüsselsheim, aber Sebastian war schon weg. Dafür sah ich den Typ mit dem dunkelbraunen Opel GT; er sieht ganz gut aus. Er ging auch zum Bahnhof, fuhr um 6:26 Richtung Frankfurt.
Und ich? Ja, ich fuhr wie geplant (nur leider ohne Sebastian) nach Wiesbaden, setzte mich dort eine halbe Stunde in die Parkanlage gegenüber vom Hauptbahnhof und fuhr dann wieder zurück. Ich habe Berichtsheft geschrieben. Heute nachmittag hatte ich frei, weil ich Samstag gearbeitet hatte. Ich fuhr mit Dolly nach Wiesbaden. Mit dem Auto. Wir gingen in die Stadt, durch die Fußgängerzone. Ich finde Wiesbaden toll. Vor allem gibt es dort gutaussehende Männer. Ganz anders als in Frankfurt. Heute abend, 21:30, d. h. in 50 Minuten treffen wir uns in Mainz. Der Typ interessiert mich überhaupt nicht (so ein kleiner häßlicher Zwerg). Vielleicht wird es trotzdem ganz gut. Mal sehen. Und anschließend werde ich Sebastian wieder beehren.

Dienstag, 16.06.81 / Mittwoch 17.06.81

Beim Schinderhannes getroffen. 3/4 Std. dort gesessen. Anschließend zum UNI-Fest gefahren. Wein getrunken. Alle drei zuviel. Dann zum Corpshaus gefahren. Dort wurde mir schlecht. Wir haben dort übernachtet. Dann (gegen Mittag) war ich noch mal bei Gabi. Kaffee getrunken. Nach Hause gefahren. Um 6 Uhr haben wir, Gabi und ich, uns wieder getroffen. Zuerst etwas gegessen, anschließend im Kino (Der König und der Vogel), dann im Woodoo (Diskothek). Nicht mehr lange, wir waren zu müde.
Ich bin nach Rüsselsheim gefahren. Habe Sebastian einen Brief geschrieben. Daß ich ihn gern kennenlernen würde. Mit meiner Telefon-Nummer. Dann ist mein Auto nicht mehr angesprungen. Ausgerechnet. Ich habe zu Hause angerufen. Mutti hat mich abgeholt. Wollte natürlich wissen, was ich hier mache. Ich sagte, ich mußte einen Brief einwerfen. Stimmt auch ungefähr.

Donnerstag, 18.06.81

Nach Rüsselsheim gefahren. Auto geholt. Ging natürlich wieder.

Freitag, 19.06.81

Papa hat Auto repariert. War nur ein Wackelkontakt. Zum Glück. Abends zum Grillfest von den Volleyballern. Nicht viel los. Ganz nett. Noch lange am Feuer gesessen.

Samstag, 20.06.81, Sonntag, 21.06.81

Das letzte Mal im Hauptbahnhof gearbeitet. Zum Glück!
Um 19:00 mit Gabi getroffen. Johannisfest in Mainz. Zum ersten Mal Achterbahn gefahren. Viel zu kurz. Ich war leider viel zu müde. Hat nicht so viel Spaß gemacht. Gabi will mich noch mal anrufen, weil wir uns evtl. am Mittwoch mit Uwe treffen wollen. Mit der Absicht, daß er uns zum Studentenfest am Freitag einlädt.
Morgen sehe ich Sebastian vielleicht wieder. Er hat sich natürlich nicht gemeldet. Vielleicht hat es in der Nacht geregnet und der Zettel ist verweicht. Ich glaube aber nicht.
Heute nacht, als ich von Mainz zurückgefahren bin, habe ich bei ihm noch mal kurz angehalten und ihm eine gelbe Heckenblume geschenkt (schon wieder), aber diese Mal etwas unauffälliger. Warum eigentlich? Ich hatte mir eigentlich gesagt, daß er mich nicht mehr interessiert.

Dienstag, 23.06.81

Ich könnte schreien. Vor Freude??? Ich weiß es nicht. Gerade eben bin ich in meinem Zimmer. Erledige so einiges und laufe herum. Ich gucke dann immer mal so nach den Autos, die vorbeifahren. Ich höre einen Käfer, sehe im letzten Moment das mir bekannte Vanillegelb und GG-XX, mehr aber nicht. Er fährt Richtung altem Rathaus. War es Sebastian? Keine Ahnung. Ich bin gespannt, ob er noch mal vorbeifährt und bleibe in der Nähe vom Fenster. Dann ist et soweit! Ja! Tatsächlich! Er fährt wieder zurück. Ich stehe am Fenster. Vielleicht sieht er mich, er schaut vorn an der Ecke noch mal zurück. Mein Auto steht jedenfalls zum Glück drüben auf dem Parkplatz. Er hat es vielleicht gesehen. Aber woher hat er meine Adresse, wenn er sie hat? Ich hatte nur meine Telefonnummer aufgeschrieben.
Er ist überhaupt zufällig vorbeigekommen. (Aber warum fährt er dann gleich wieder zurück?)
Er hat mein Auto zufällig gefunden. Schon möglich. Telefon-Vorwahl –> Trebur.
Er hat irgendwie meine Adresse rausgekriegt. Unwahrscheinlich.
Gabi hat vorhin angerufen. Weil wir uns morgen abend mit Uwe treffen. Also kann ich Sebastian morgen abend noch mal einen Brief schreiben. Ganz kurz. Ob er zufällig vorbeigefahren ist? Ich könnte es theoretisch auch morgen früh machen, wenn sein Auto da steht, aber morgen habe ich mündliche Prüfung und dann bin ich viel zu nervös.
Ich finde es phantastisch! Ich könnte Lachkrämpfe kriegen. Vor lauter Glück. (Auch wenn es nur Einbildung sein sollte).

Dienstag, 30.06.81

Am Dienstag abend habe ich Sebastian noch einen Brief geschrieben. Mittwoch morgen habe ich ihn an sein Auto gesteckt.
Prüfung habe ich überstanden. Mehr schlecht als recht, aber was soll’s! Der Prüfungsausschuß war beknackt. Um 9:30 war ich fertig, wir saßen aber noch lange bei Katharina in der Ausbildungsabteilung und haben Sekt getrunken. Nachmittags um 14:30 war ich erst zu Hause. Abends habe ich mich mit Gabi und Uwe beim Schinderhannes getroffen. Wir saßen erst eine Weile dort, dann wollten wir irgendwo anders hin gehen. Vor der Tür trafen wir einen Bekannten von Uwe, auch Mediziner, der ging dann mit. In der Augustinergasse trafen wir ein Mädchen (Simone, genannt Moni, die Ex-Freundin von Uwe, mit der er 5 Jahre zusammen gewesen war, mir und Gabi unsympathisch, da äußerst überspannt). Sie ging auch noch mit. In die „Andau“. Ich war ziemlich müde, ging um 1:00, Uwe begleitete mich zum Auto, obwohl ich es nicht wollte.
Am Freitag abend habe ich Gabi abgeholt, wir sind dann nach Mombach gefahren, dort waren wir zur Party eingeladen bei Uwe, Matthias und Jürgen. Es war wirklich toll, fast nur Studenten da. Sehr gemütlich. Ich hatte, wie viele andere auch, einen Schlafsack dabei, aber leider noch im Auto. Leider – denn Uwe hatte sich schon früher zurückgezogen (weil er Nachtdienst gehabt hatte), mit Moni zusammen. Und die Tür war abgeschlossen. Und meine Tasche war im Zimmer drin. Wo sollte ich also schlafen? Jürgen bot mir an, bei ihm im Bett zu schlafen. Das tat ich dann auch. War aber nicht so gut. Mein Schlafsack wäre mir lieber gewesen.
Gabi und ich, wir verschafften und am nächsten Vormittag noch einen guten Abgang, indem wir nämlich spülten und die Küche saubermachten, bevor wir gingen. Mitsch war ganz fertig, er sagte, so was hätte er noch nie erlebt und bedankte sich tausendmal. Der Tschechoslowake (angeblich) mit dem österreicher Dialekt und dem großen Mundwerk, der Gabi andauernd „Ansbach“ genannt hatte, sagte, als wir uns verabschiedeten, jetzt könnten sie wohl auch gehen, wo die tollen Frauen weg sind. In diesem Sinn jedenfalls.
(P.S. Mittwoch nacht hatte ich Sebastian eine Visitenkarte ans Auto gesteckt und darauf geschrieben: ich gebe nicht auf, auch wenn Du alles ignorierst. Er muß mich wohl für blöd halten).
Nachmittags habe ich mich zu Hause hingelegt und etwas geschlafen. Um 19:00 habe ich mich mit Gabi getroffen. Wir waren zuerst im Volkspark Federball spielen. Dort folgten uns zwei Jungs auf Fahrrädern (so um 16 J. schätzungsweise), die uns dann auch anquatschten. Fand ich lustig.
Dann saßen wir in der Kinoklause, vielmehr draußen. (Leider schon wieder Reinhard und Freund begegnet, die vom Maskenball. Sie saßen auch noch neben uns. So was arrogantes!) Um 23:00 waren wir in der Spätvorstellung, Woody Allen in „Bananas“. Simone mit einem von den Physikern auch da.
Gabi will mich diese Woche anrufen. Hoffentlich bald. Die Arbeit ist gut, abends bin ich ziemlich fit, habe aber keine Lust, zu Hause irgendwas zu machen, ich möchte raus, einfach weg. Ich halte das nicht aus! Gestern abend habe ich mir einen Film angesehen, da war ich wenigstens beschäftigt.
Sebastian habe ich schon ewig nicht mehr gesehen. Ich meine außer vor einer Woche, als er bei mir vorbeigefahren ist. Ich wüßte zu gern, was er so macht, Schule oder Studium dürften nicht in Frage kommen, denn z. Zt. sind Semesterferien, und gestern morgen stand sein Auto wieder da. Was mache ich nur, wenn ich ihn wiedersehe. Wie soll ich mich verhalten. Blöd, daß ich ihm diese Briefe geschrieben habe.
Abschluss der Ausbildung

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