Dezember 1979

Sonntag, 9. Dezember 1979

Dezember 1979

Letzte Woche war ich ganz schön sauer auf Chris. Erstens, weil er nach unserem Spiel im Eigenheim am Ende neben mir saß, aber nicht mit mir redete. Und am Mittwoch war es genauso schlimm. Wir saßen nur noch ein bißchen bei den Männern in der Kabine. Friedel fuhr mich nach Hause und an diesem Abend mochte ich ihn lieber als Chris. Freitag abend ging ich in die Halle, aber es war nicht viel los, Chris war nicht da. Anschließend bei Mario war auch nichts los, wir blieben auch nicht lange.
Samstag morgen war es dann soweit: die Weihnachtsfeier vom TSV. Zuerst ins Miramar und abends in Eigenheim zum Essen und Feiern. Ich wollte eigentlich nicht mitfahren, habe mich aber dann doch dazu entschlossen. Chris war auch dabei, insgesamt über 40 Leute. Von den meisten (z. B. von Christof) sah ich den ganzen Tag über nicht viel.
Erst abends wurde es besser. Ich hatte nämlich wieder mal genau den richtigen Platz, denn er setzte sich genau gegenüber von mir hin.
Ich überlegte immer noch, ob ich es ihm erzählen sollte (daß er der Schönste ist). Heike drängte zuerst, ich solle es tun, dann meinten beide, Heike und Moni, es könnte vielleicht blöd aussehen. Etwas später, schon nach 12, hielt ich es nicht mehr aus. Ich ging an die Bar, vor allem, weil Chris dort stand. Achim kam dann noch dazu und es wurde ziemlich lustig. Er meinte, wir müßten einen neuen Trainer bekommen. Chris sollte Trainer machen, Thomas Co-Trainer und er Masseur. Dann müßte es klappen, bei so vielen gutaussehenden Männern. Die Gelegenheit! Ich sagte zu Chris, diesbezüglich wollte ich ihm noch etwas erzählen, aber erst später. Dann tranken wir auf uns + Trainer + Masseur. Als Achim dann noch einmal etwas von schönen Männern sagte, dachte ich, jetzt ist es egal, ich erzähle es ihm. Chris freute sich darüber, aber natürlich nahmen es beide nicht so ernst.
Dann tanzte ich mal mit Norbert, und stand dann natürlich wieder bei Chris. Er und Thomas bezahlten dann und Chris holte noch seine Jacke und ich dachte, wenn ich an der Bar stehenbleibe, kommt er bestimmt nicht noch mal, um sich bei mir zu verabschieden. Also setzte ich mich zu Moni und Heike, aber nicht an den Tisch, sondern auf die Eckbank daneben, denn da mußte er vorbeigehen. Er kam und Moni sagte, er solle sich einen Kaffee machen und sich dann ins Bett legen (weil er den ganzen Abend schon müde war). Ich sagte, dann solle er besser keinen Kaffee trinken. (Mist, ich weiß nicht wie ich es schreiben soll! Also Konzentration!). Er sagte Tschüs zu uns, ging aber nicht einfach so an mir vorbei, sondern streichelte mir kurz übers Haar. Ich hätte nie gedacht, daß er so etwas tun könnte. Aber ich freue mich und kann den Mittwoch kaum erwarten, denn ich weiß doch momentan nicht, ob er es „einfach so“ getan hat oder eben weil er mich mag.
(Moni hatte vorher schon gesagt, man würde es (d. h. einige Leute) ein bißchen merken, daß Chris mir gefällt. Heike hat es ihr erzählt, vorher hat sie es wahrscheinlich nur geahnt. Aber sie meinte, er würde es wahrscheinlich nicht merken.
Momentan bin ich richtig ungeduldig, in einer solchen Situation müßte ich ihn sofort wiedersehen. Aber es geht nicht. Noch drei Tage. Vielleicht gehe ich heute abend ins Kino, in „Die Schweizermacher“ mit Emil. Ich werde jetzt mal Uschi anrufen. Carola will auch mitgehen.

Sonntag, 30.12.79

An einem Mittwoch saßen Uschi und ich nach dem Training noch bei den Männern, denn Achim und Herbert hatten Bier mitgebracht (Geburtstag), und Sekt. Irgendjemand fragte dann, was machen wir jetzt und jemand sagte, wir gehen zu Sabine. O.k. dachte ich, warum nicht. Chris, Thomas, Friedel, Achim, Porky kamen noch mal mit. Als Christof oben auf der Toilette war, dachte ich, ich gehe auch mal hoch, vielleicht treffe ich ihn oben. Tatsächlich. Wir unterhielten uns ziemlich lange, aber es passierte sonst natürlich nichts. Bis halb vier blieben sie. Ich fragte Chris, ob er Freitag ins Training kommt, er sagte, wahrscheinlich nicht, wollte aber Donnerstags kommen. Ich fragte ihn dann auch noch (blöd!!!), ob er mich abholt. Er mußte wohl oder übel ja sagen. Er hätte schlecht ablehnen können. Ich freute mich jedenfalls. Aber Donnerstag abend rief er an, er habe den ganzen Tag im Bett gelegen und komme nicht. Ich war ziemlich sauer, aber eigentlich war es gut so. Zum Glück war Martin da, bei Ute Nachhilfe geben, und ich gab ihm den Schlüssel mit. Um neun Uhr lag ich im Bett, ich war halb tot. Außerdem waren an diesem Abend nur 7 Leute da.
Montags rief Uschi bei mir an und sagte, daß wir Dienstags ins „Dschungelbuch“ gingen. Ich überlegte, ob ich Chris anrufen sollte, tat es dann schließlich doch. Er wollte aber schon Montag abend mit irgendjemandem gehen (mit wem?). Mittwochs würde er nicht im Training sein. Ab Mittwoch hatte ich Urlaub, Mittwoch nachmittag war ich in Mainz, Donnerstag vormittag in Frankfurt und nachmittags war ich beschäftigt mit Plätzchen und Pralinen machen (bis Sonntag). Montags (24.) war ich nochmal in Rüsselsheim, und in der Stadt traf ich Chris mit seinem kleinen Bruder beim Einkaufen. Weihnachten war dieses Jahr wirklich gut, vor allem habe ich die neue LP von Alan Parsons bekommen.
Ich glaube, ich werde Chris aufgeben. Ihm nicht mehr nachlaufen. Es wird nicht einfach sein. Vielleicht schaffe ich es auch nicht. Das weiß ich erst, wenn ich ihn wiedersehe.

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