Oktober 1979

Montag, 8. Oktober 1979

Oktober 1979

Mittlerweile ist viel passiert. Angefangen hat es am Mittwoch, als wir in der Turnhalle waren. Eigentlich aus Spaß meinte ich, als es um Samstag abend ging (weggehen oder nicht, da wir und die Männer am Sonntag ein Spiel hatten) zu Christa, kommt zu mir, es ist niemand zu Hause bei uns. Sie war begeistert. Ich fragte gleich Chris, der neben mir saß, ob er auch kommen werde. Er sagte, vielleicht, mal sehen, sagte aber nicht zu.
Donnerstag abend sagte ich den anderen Bescheid, wer will, könne kommen.
Bei den Männern war kaum jemand da, also beschloß ich, Freitag abend noch mal in die Halle zu gehen, denn dann hatten sie auch Training. Ich ging dann auch mit Dolly hin, kurz vor halb neun. Norbert und Arno kamen nach dem Spiel zuerst, also sagte ich es ihnen und dann fragte ich natürlich Chris, ob er kommt, und er sagte ja! Toll! Ich sagte ihm und Thomas, sie sollten den anderen Bescheid sagen. Samstag nachmittag um 3 fuhren meine Eltern dann weg (Ausflug) und gegen 6 fing ich dann mit den Vorbereitungen an. Ich hatte morgens eingekauft (für fast 70 DM), machte 2 Salate. Christa wollte auch einen mitbringen, und jeder etwas zu trinken.
Moni kam als erste, dann gegen halb 9 Chris, Thomas, Arno, Norbert. Martin kam noch, und Heike, Kerstin. Ute und Gabi waren auch da. Christa kam nicht, das fand ich wirklich blöd. Thomas L. kam später und dann noch 2 Typen zu Ute. Zuerst war es ein bißchen lahm, aber dann war die Stimmung gut. Chris schlief aber dann schon um halb elf ein oder tat jedenfalls so. Vielleicht war ihm auch schlecht. Ich war dann jedenfalls ganz schön zu, und irgendwann gegen Ende saß ich dann neben Chris und da ich schon leicht benebelt war legte ich einfach meinen Kopf an seine Schulter. Aber das hat er wohl nicht einmal bemerkt. Kurz nach zwei gingen dann alle, die noch da waren. Als Thomas zu Chris sagte, sie wollen fahren und er solle aufstehen, spielte ich wohl ein bißchen verrückt. Ich hielt Chris am Arm fest und sagte nein, er solle hierbleiben. Aber natürlich nicht. Und dann wurde mir schlecht und nachher kriegte ich nicht mehr viel mit. Als meine Eltern nach Hause kamen, mußte mir Mutti die Jeans ausziehen und mich zudecken.
Um sieben war ich wieder wach, ich hatte Kopfschmerzen und einen scheußlichen Geschmack im Mund. Ich holte mir eine Flasche Cola, schlief aber dann noch mal bis halb elf.
Dann mußte ich erst mal saubermachen. Mir war noch etwas übel (im Magen). Also dann los in die Halle. Wir hatten, wie die Männer, die ersten beiden Spiele. Gegen Kelsterbach (3:1) und SW Wiesbaden (0:3). Wir spielten toll, klasse, super, mit Block, Blocksicherung. Die Männer gewannen auch ein Spiel. Einmal kam Chris kurz rüber und schaute zu. Aber gerade da klappte es nicht so gut. Übrigens hat er auch die Nummer 6, wie ich.
Anschließend war ein Handballspiel, Moni und ich brachten unser Sportzeug nach Hause und gingen dann zurück in die Halle, wo noch das letzte VB-Spiel lief. Unterwegs erzählte sie mir, ihr Bruder habe sie gefragt, ob ich mit Chris gehe, da ich mich so an ihn gelehnt habe. (Keine Ahnung, wie er es erfahren hat, Ute weiß es auch nicht.) Moni hat darüber gelacht, und das fand ich das Schlimmste. Ich finde, Chris und ich passen gut zusammen, er mag ungefähr die gleiche Musik wie ich (Alan Parsons, Pink Floyd) und auch meine Räucherstäbchen.
Danach gingen wir ins Eigenheim. Achim saß auch bei uns. Irgendwie kamen wir auf die Idee, noch mal zu mir zu gehen, um die Reste zu trinken. Ich fragte Chris, ob er mitkommt, und er meinte, da müsse ich seinen Fahrer = Thomas fragen. Der wollte nicht, aber als es dann soweit war, kam er natürlich doch mit.
Achim war auch begeistert von meinen Platten (s. o.) Wir tranken noch die restlichen 2 Flaschen Sekt und ein bißchen Apfelkorn. Es war ganz gut, nur Christa fing dann an zu schlafen. Und Chris saß leider weit weg von mir. Als sie dann gingen, verabschiedeten sie sich ganz toll. Achim fing an, gab mir die Hand und ein Küßchen auf die Wange. Thomas wollte natürlich nicht zurückstehen und tat das selbe. Moni und Christa natürlich nicht. Und Christof? Ich war enttäuscht. Er auch nicht. Gerade bei ihm hätte es mich sehr gefreut. Liegt ihm so wenig an mir (was oft gar nicht so aussieht) oder hat er einfach Angst? Ich bin auch zu blöd. Denn ich bin doch genauso wie er. Ich habe doch auch Angst, meine Gefühle zu zeigen. Heute morgen war ich ziemlich down und fuhr auch noch mit Thomas zusammen im Zug. Das letzte!
Nach der 2. Std. Schule ging es mir wesentlich besser. Im Moment geht es. Das einzige, was mich am Leben erhält, ist der Gedanke, daß er wirklich so zurückhaltend ist und daß übermorgen Mittwoch ist.

Sonntag, 14.10.79

Am Mittwoch war im Training ziemlich viel los, jedenfalls bei den Männern. Anschließend in der Turnhalle war unser Tisch voll besetzt, einige saßen noch in der „zweiten Reihe“ an der Wand. Sonst war nichts los. Als wir, Christa, Moni, Irmi und ich, nach Hause gingen, fühlte ich mich ziemlich mies, wegen Chris.
Donnerstags ging es mir wieder viel besser, die Arbeit hilft wirklich. Und dann hatte ich auch meinen Zug verpaßt. Also noch etwas Zeit. Eigentlich wollte ich mir Tee kaufen, in der Hauptwache B-Ebene. Aber dann kam ich an diesem Geschäft vorbei und sah die Stoffmäuse. (Hatte ich schon mal gesehen, aber schon wieder vergessen). Meine hat sogar einen Namen. Sehr eindeutig. Sie heißt Christof (s. weiter unten). Was eigentlich überhaupt nicht zu ihr, d. h. zu ihm paßt.
Abends war Chris nicht da, denn Friedel macht jetzt auch Freitags Training.
Martin gibt Ute Nachhilfe in Mathe, und ich hatte ihm 2 Songs von Cat Stevens aufgenommen, aber dann die Cassette in meinem Zimmer liegen lassen.
Als Carola und ich ins Eigenheim kamen, war schon der ganze Tisch voll besetzt. Ich quetschte mich also grade irgendwo hin, und das war zufälligerweise neben Martin. Er und Porky und Günther tranken ziemlich viel Federweißen, und schließlich war Martin schon etwas angeheitert. Ein bißchen viel. Plötzlich meinte er zu mir, auf, trink noch einen, hielt mir sein Glas hin, stieß aber an mich und verschüttete etwas. Ich war sehr begeistert (kotz!!), Arno verdrehte die Augen. Ich versprach Martin, Freitag abend die Cassette vorbeizubringen, aber nur, weil ich dann Chris sehen konnte.
Freitag abend kurz vor Trainingsende war ich hinten in der Halle, ich wartete aber draußen, weil ich ehrlich gesagt Schiß hatte reinzugehen. Nach und nach kamen sie dann raus. Arno hatte auch die 15 DM vom Schiedsrichterlehrgang dabei, was sich ganz gut traf. Dann kam Martin, er freute sich, grinste schleimi über das ganze Gesicht. Mir war es wirklich unangenehm, denn Chris kam heraus. Die anderen mußten denken, ich komme wegen Martin, dabei stimmte das doch ganz und gar nicht. Ich hatte plötzlich Lust, noch mal mit zu Mario zu gehen und wartete, um zu fragen, ob die anderen auch hinfahren. Peter kam dann als erster raus, er grinste scheißfreundlich und meinte, es stimme wohl doch, was er gestern abend gesehen habe. Ich fragte, was denn, aber er meinte nur, es sei doch nicht so schlimm. Er meint wohl, es wäre was mit Martin und mir. Nein!!!!! Ich versuchte, ihm zu erklären, daß das nicht wahr ist, aber er glaubte mir nicht. Er wollte zu Mario fahren, sagte, Martin hätte ihm gesagt, ich solle entscheiden, ob wir noch mal mitfahren. Der spinnt wohl! Peter wollte dann durch Trebur fahren und uns mitnehmen. Als er weg war, bin ich draußen herumgelaufen und hätte laut schreien können!
Ich ging dann ein Stück weiter, so als ob ich auf dem Weg nach Hause wäre, wartete aber auf Chris. Arno und Norbert fuhren zuerst an mir vorbei, sagten, sie wollten auf Sauftour, dann kam Lule und wollte mich nach Hause fahren, ich sagte ich wolle lieber laufen. Dann kam endlich Chris. Aber er hielt nicht an, sondern bog rechts ab in die Donaustraße. Ich hätte ihn erwürgen können. Also ging ich weiter geradeaus.
Gleich darauf kam Friedel, hinter ihm Günther mit Porky. Er fragte, ob ich zu Mario wolle, ich sagte ich ginge nach Hause. Er rief dann Martin, und sagte, er wolle ihn bei Mario absetzen (sie hatten etwas anderes vor). Ich ging dann weiter. Plötzlich wunderte ich mich, warum Chris und Thomas rechts abgebogen waren. Geistesblitz! Waren sie etwa in der Turnhalle? Also nichts wie hin. Tatsächlich! das Auto stand da. Mal sehen, ob noch jemand dabei war. Ich ging an den Fenstern vorbei. Nein, nur die beiden. Sollte ich reingehen oder nicht? Ich hatte Angst, aber irgendwie zog es mich magisch zur Tür. Doch zuerst auf die Toilette, mal kurz in den Spiegel sehen und noch mal nachdenken. Dann aber ging ich rein. Die beiden waren erstaunt, Chris meinte, wenn er das gewußt hätte, hätte er mich mitgenommen. Ich sagte, ich habe es selbst noch nicht gewußt. Wir unterhielten uns dann ganz gut, nur Thomas war nicht so o.k. ziemlich erkältet. Endlich hatte ich auch mal Gelegenheit, Chris zu fragen, was er jetzt macht. Z. Zt. nichts, dann erst mal ZDL, und nachher, das weiß er noch nicht. Anschließend fuhr er mich nach Hause, Thomas war plötzlich wieder ganz munter, wollte mich mit einem Kordel erwürgen. Chris wußte natürlich nicht mehr genau, wo ich wohne, anscheinend ist das bei ihm normal. Jedenfalls war es klasse, daß ich hintergegangen bin, wenn man das andere vergißt.
Heute morgen lag ich noch im Bett, als Mutti herunterkam. Sie erzählte, Martin habe angerufen, er fahre morgen weg und deshalb müsse er Nachhilfe ausfallen lassen. Zum Glück, ich finde es gut, wenn ich ihn diese Woche nicht sehen muß.
Nachtrag 30.10.79: Maus heißt auf keinen Fall mehr Christof, das paßt nicht, sondern Chico nach meiner ehemaligen weißen Maus.

Sonntag, 28.10.79

Die Woche ohne Training habe ich ganz gut überstanden, es hat mir kaum etwas ausgemacht. Ich war am Freitag gerade eine viertel Stunde zu Hause, als Mutti runterkam und sagte, Christa habe angerufen. Wir (Volleyballer) seien bei Hilde (Ex-Eigenheim-Wirtin) eingeladen. Ich rief dann noch mal zurück und sie sagte mir, sie kämen vorbei, Uschi und sie. Thomas war sogar auch dort, aber Chris nicht. Porky machte Pizza mit viel Zwiebeln und Knoblauchgewürz, die erstklassig war.
Und um 0:00 Uhr war es dann soweit: wir hatten 2 Geburtstagskinder, Günther und Martin.
Ich ging mit Christa ca. um 2:00, Arno fuhr mich nach Hause. Günther feierte Samstags zu Hause, und Christa und ich wollten zusammen hingehen.
Abends wollte ich gerade weggehen (mit neuer Felljacke, mit ausgelaufenem Federweißen schon eingeweiht), als Uschi und Christa angefahren kamen und mich abholten.
Günther und Friedel kamen etwas später, weil die TG gespielt hatte und Günther Schiedsrichter war. Es waren ziemlich viele Verwandte da, wir (Christa, Thomas, Arno, Achim, Jutta, saßen im Wohnzimmer beim Essen, es lief gerade „Am laufenden Band“. Die anderen waren im Eßzimmer.
Später kam dann die Sportschau; Christa, Thomas und ich blieben sitzen, Günthers Eltern kamen noch, der Opa wollte unbedingt den HSV sehen. Später, um 23:00 gingen wir dann raus. Die meisten saßen draußen im großen Flur. Christa und ich gesellten uns zu Bärbel, Uschi, Ute H. u. a. Verwandten ins Eßzimmer. Gegen 24:00/1:00 waren dann die Verwandten weg, wir Volleyballer unter uns. Wir sahen uns wieder einmal die Ardèche-Dias an, später spielte Martin Gitarre (Stereo-Anlage funktionierte nicht).
Gegen halb drei verzog sich Martin in die Küche und seine Muscheln zuzubereiten. Bärbel, Thomas, Christa, ich u. einige andere zogen es vor, Kaffee zu trinken und Kuchen zu essen. Als wir danach rausgingen zu den anderen, hatte ich meinen toten Punkt überwunden und war topfit und lachte über alles. Das war so etwas um halb 4, als richtig Stimmung aufkam. Ich hatte auch nicht viel Alkohol getrunken, nur Sekt mit Orangensaft und Orangensaft pur und Kaffee und später etwas Bier. Ein paar Fußballer kamen dann auch noch.
Morgens ca. 6:00 waren nicht mehr so viele da. Friedel erzählte dann, ich sähe aus wie ein Engel und er wünschte, er käme in den Himmel. (Das war noch früher, und Porky und Friedel hatten sich auch als Frauen verkleidet und versuchten! ein Lied zu singen, aber sie mußten dauernd lachen, weil wir uns das Lachen auch nicht verbeißen konnten.
Später meinte er dann, es könnte sein, daß er morgen früh bei mir aufwache (und ich glaube noch irgendwas, habe ich vergessen). Ich lachte sowieso nur noch, und Bärbel meinte, es sei nur die Frage, ob ich dann zu Hause sei.
Als die meisten gegangen waren und Heike von ihrem Vater gegangen worden war, setzte sich Friedel neben mich und sagte, ich habe ihm heute wirklich gut gefallen. Als es dann langsam hell wurde, schlief er auf seinem Stuhl ein (er hatte die Nacht vorher nur 2 Std. geschlafen und mußte am Samstag arbeiten). Der Rest von uns (L.s, Arno, Norbert, Martin, ich) tranken Kaffee, räumten auf und machten dann sauber. Günther wollte dann Friedel wecken, damit er sich ins Wohnzimmer auf die Couch legt. Als ich von der Toilette kam, war er tatsächlich wach. Er ging dann zur Toilette, ich in die Küche und gleich darauf kam Günther mit Friedel zurück. Er erzählte, Friedel habe sich in die Badewanne gelegt zum Schlafen und er hatte schon die Hosen ausgezogen. Friedel kam in die Küche, gab mir ein Küßchen auf die Wange, redetet etwas mit den anderen und verschwand dann im Wohnzimmer. Wir räumten noch auf, Günther verzog sich dann ins Schlafzimmer, wir anderen frühstückten und gingen um 9. Heute morgen habe ich mich ein paar Mal hingelegt, aber höchstens eine halbe Stunde geschlafen. Jetzt bin ich eigentlich noch ziemlich wach.
Nur ist da etwas, über das ich die ganze Zeit nachdenke: habe ich mich etwa in Friedel verliebt? Im Moment glaube ich ja. Ich habe ihn wirklich sehr sehr gern. Aber was hält er von mir. Sind es vielleicht nicht nur die üblichen Sprüche, die er macht? Ich weiß es nicht. Am Mittwoch werde ich ihn wiedersehen.

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