Mai 1979

Mittwoch, 2. Mai 1979

Mai 1979

Heute war er wieder beim Training. Ich weiß aber nicht, ob es Thomas oder Christoph ist. Jedenfalls ist er kaum größer als ich (ca. wie Arno), hat dunkle Haare und ein bißchen Locken. Die Nauheimer waren zum Freundschaftsspiel da, und deshalb hatten einige von den Männern immer Pause. Als er gerade aussetzte, waren wir gerade beim Schmettern. Thomas L., Arno und er kamen kurz rüber zu uns. (Übrigens entwickle ich mich jetzt zum Schmetter-As, wie auch Carola bemerkte, es wird ständig besser).
Ich weiß allerdings nicht, was ich von ihm halten soll bzw. von seiner Einstellung mir gegenüber. Vielleicht ergibt sich bald eine Gelegenheit, mit ihm ins Gespräch zu kommen.
Möglicherweise sind morgen abend die Fußballer im Eigenheim, und wenn er da ist, werde ich wohl wieder in ihn (GG-XX XXX) verliebt sein. Ein ganz schönes Chaos. Aber ich habe noch viel Zeit. Das ist gut. Ehrlich! Aber ich warte schon ungeduldig auf den nächsten Mittwoch.

Dienstag, 8.5.79

Letzten Mittwoch waren wir anschließend in der Turnhalle. Donnerstag kam Friedel ca. um 10 Uhr zum Training. Im Eigenheim hat Porky eine Runde Apfelkorn ausgegeben, und Friedel machte eine blöde Bemerkung, daß es doch schon 2 Wochen her sei, daß ich voll gewesen sei. Da war ich endgültig sauer. 1. Weil es nicht zutrifft. 2. Weil ich nicht daran erinnert werden möchte. 3. Weil einige Leute das wirklich glauben (Jo!).
Jedenfalls fragte er, ob ich Freitag auch zu Mario komme. Ich sagte, ich weiß nicht, er bot an, mich abzuholen. Ich sagte zu. Später fuhr er mich dann nach Hause. Am Freitag holte er mich um 21 Uhr ab. Einige waren schon dort, Conny und Porky waren gerade gekommen. Wir saßen aber nicht zusammen. Gut! Denn ich will nicht, daß die anderen einen falschen Eindruck haben. Es liegt mir fern, etwas mit ihm anzufangen. Auf jeden Fall war es ganz lustig. Uschi, Carola, Doris, Christa, Conny und ich knobelten mit Streichhölzern. Conny und ich spielten um den letzten Platz. Conny verlor; sie gab für uns Amaretto aus. Schmeckt erstklassig. (Übrigens habe ich mir einen Stengel Maikraut von Conny mitgenommen. Leider verliert sich der Waldmeister-Duft.) Der nächste Verlierer war Uschi. Es gab wieder Amaretto. Wir Volleyballer (übrigens waren an diesem Abend ziemlich viele da, ca. 23) waren wie fast immer die letzten. Einige hatten Lust, noch irgendwo hinzugehen. Zum Beispiel ins „Candy“. Dann aber meinte Achim, wir sollten doch mit ihm und Jutta kommen. Das waren noch mal 10 Leute: Achim, Jutta, Doris und Peter, Friedel, Arno, Norbert, Wille, Carola und ich. Norbert war schon total zu und mußte draußen erst mal kotzen. Dann redete er dauernd Mist und lachte ziemlich blöd. Ich hätte mich kugeln können. Er und Arno gingen ziemlich früh. Carola und Wille fingen dann plötzlich eine politische Diskussion an, an der wir uns schließlich alle beteiligten. Ich fühlte mich außerordentlich wohl, trank wie alle Cola-Whisky und rauchte!
Als wir anderen schon alle genug von Politik hatten, konnten Wille und Carola noch immer nicht aufhören. Achim und Friedel wollten das Thema wechseln und über die sexuelle Freiheit reden. Carola wußte nicht, ob es ernst gemeint war (s. Hexenball: Wille erzählte ihr, er sein in Baumschule als Setzling gewesen, und Arnos Bruder habe in einer Samenbank gearbeitet). Es ging auch darum, ob sie mit einem Typen schlafen würde, nur weil er ihr heute gefällt. Ich habe davon nicht so viel mitgekriegt, weil ich mal auf Toilette war. Achim und Jutta lassen sich anscheinend viel Freiheit, sie fahren immer allein in Urlaub. Ich habe darüber nachgedacht und glaube, es ist gut, wenn man nicht ständig mit dem selben Typen zusammen ist.
Jedenfalls war es schon ziemlich früh, als wir gingen, zwischen halb 7 und 7 Uhr.
Friedel fuhr Wille und mich nach Hause. Wille war ganz schön voll und redete totalen Mist.
Sonntag haben sie gespielt (Pokalrunde 3:1 gewonnen). Carola war mit, ich war bei Andreas Kommunion.
Morgen abend ist es wieder mal soweit. Hoffentlich ist er da. Ich denke, Jo wird einen ausgeben, da er heute Geburtstag hat, und deshalb bleibt auch er etwas länger da. Das wäre schön.

Donnerstag, 10.5.79

Tatsächlich, so war es!
Während des Trainings gab es natürlich keine Gelegenheit, mit ihm zu reden. Jo hat Bier und Fleischwurst ausgegeben. Wir nahmen unsere mit nach hinten und tranken den üblichen Sekt. Alles aus! Glaubte ich; denn er ging immer ziemlich früh. Dann gingen wir vor zu den Männern, die natürlich wie immer noch nicht fertig waren. Wir gingen hinein. Er war tatsächlich noch da. Ich setzte mich zwischen ihn und Conny, weil gerade da noch Platz war. Er heißt Thomas (K.! später davon …). Porky fragte ihn, ob er in Trebur bleiben wolle. Er sagte, er werde sich bald entscheiden (zwischen TSV und der TG). Er habe aber keine Lust, in der C-Klasse zu spielen. Porky sagte, da müsse er mit Friedel reden.
Ich fragte ihn dann einfach, wo er vorher gespielt habe (Heike wollte es wissen). Er war bei TuS Rüsselsheim. Wir tranken den Rest Bier, ich bot ihm auch davon an, er meinte, er wolle mir ein bißchen helfen. Das zweite Mal fragte er, ob es immer noch das selbe Glas sei! War es natürlich nicht. Er sagte, er habe sowas (Bier, Fleischwurst, etc.) bei noch keinem Verein erlebt. Als Jo mal kurz rausging, um nach den Putzmännern zu sehen, erzählte ich ihm, daß wir einmal bis halb zwei hier waren und daß es dann Ärger gab.
Christoph wollte dann gehen. Ich hatte das Gefühl, Thomas wollte noch nicht. Schließlich mußte er doch denn für ihn ist „um sechs Uhr die Nacht zu Ende“.
Ich bin mal gespannt auf nächsten Mittwoch.
Die anderen (Achim, Jo, Friedel, Arno, die K.s) gingen noch mal in den „Frankfurter Hof“. Ich ging nicht mehr mit, denn zum einen war ich total kaputt, und zum anderen hat gerade der „Frankfurter Hof“ einen schlechten Ruf. Carola fuhr mich nach Hause, die Hauptstraße entlang. Die guckten ganz schön blöd, als wir vorbeifuhren.
Heute nach der Schule fuhr ich mit Carola (sie hatte das Auto) in die Stadt, da sie für Iris einen Seesack besorgen sollte. Für die Ardèche-Fahrt. Wir bekamen aber keinen. Jedenfalls, als wir am Friedensplatz an der Ampel standen, sagte sie plötzlich, da sei doch der Christoph K. Tatsächlich! Neben uns im Auto. Ich sah hinüber und lachte ihm zu. Er erkannte uns auch. Ich meinte, du kennst sie doch. Sie sagte ja, sie seien mal bei ihr in der Klasse gewesen.
Also doch die K.s. Ich hatte es bis zu diesem Zeitpunkt nur vermutet. Früher spielten sie beim TVH, damals waren sie bei einem Spiel in Trebur und Carola sagte damals schon, daß sie Ex-Klassenkameraden seien. Sie wohnen übrigens in der T.-K.-Str., die M. Straße entlang, rechts nach dem Main zu. Ziemlich leicht, das herauszufinden, denn sie sind die einzigen dieses Namens im Telefonbuch. Hätte ich nicht gedacht.
Übrigens muß Uwe was gemerkt haben, ich meine, daß ich ein bißchen in ihn verliebt bin, Häufiger als früher sieht er mich jetzt an, ich kann schon damit rechnen, wenn ich morgens zur Schule komme.

Donnerstag, 17.5.79

Am Wochenende wurde unser neues Rathaus eingeweiht. Ich ging Samstag nachmittag mit Mutti hin. Wie ich mir schon dachte waren E. J. und Wolfhard S. auch dort. Leider behandelt er mich wie Luft. Blöd. (Montag in Mathe fiel mir plötzlich ein, daß er wohl Beziehungen haben muß. Autonummer XX). Gestern abend war im Training nicht viel los. Die K.s waren auch nicht da. Vielleicht ganz gut so.
Aber ein großer Schock für uns alle: Conny ist letzten Samstag mit Wille abgehauen, nach Frankreich. Sie hat für Porky nur einen Zettel dagelassen, daß sie mal frische Luft schnappen geht. Montag sind sie zurückgekommen. Porky hatte schon eine Vermißtenanzeige aufgegeben, wegen Entführung und so. Jetzt ist er natürlich vollkommen fertig. Conny wohnt z. Zeit bei Wille. Alle drei kommen nicht ins Training. Wir alle können Conny nicht verstehen. Sie sind gerade ein Vierteljahr verheiratet. Aber schon 5 oder 6 Jahre zusammen. Vielleicht ist es das. Conny hat das Gefühl, etwas versäumt zu haben. Aber trotzdem unverantwortlich. Übrigens muß schon vor der Hochzeit mit ihr und Wille was gewesen sein. Man sieht jetzt vieles in einem anderen Licht. Z. B. als ich damals im April in der Bücherei war und das Auto nicht mehr angesprungen ist. Wille kam und dann auch Conny. Zufall? Wohl kaum. Irgendwo müssen sie sich doch treffen.

Samstag, 26.5.79

Conny und Wille wohnen zusammen bei seinen Eltern, wollen eine Wohnung nehmen, Conny hört mit dem Studium auf, obwohl sie fast fertig ist, weil eben Wille nicht genug verdient. Sie ist mit ihm seit einem 3/4 Jahr zusammen und Porky wußte es. Er ist weg, hat alles aufgegeben, nur seine Schwester weiß, wo er ist.
Scheiße! (Entschuldigung, aber es mußte sein). Ich glaube, ich bin mal wieder verliebt. Gerade das hätte ich nie gedacht. Aber es sind einige Leute daran schuld. Angefangen hat es am Polterabend. Aber damals lachte ich noch darüber. Heute nicht mehr.
Am Donnerstag (Himmelfahrt) waren viele vom Verein schon nachmittags draußen am Kornsand, wo Peter stationiert ist. Etwa um halb sieben rief Carola bei mir an, ob ich auch mit hingehe. Sie hatten angerufen und gefragt, ob wir kommen.
Friedel und Kerstin holten mich ab. Arno und Martin kamen etwas später, aber leider war ich schon weg. Sie wollten Carola abholen, wußten aber nicht, wo sie wohnt und Arno fuhr dann später (halb acht) noch mal hin und holte sie. Sie sollten auch Wille und Conny fragen, ob sie mitkommen wollten, aber sie wollten nicht. Wir saßen dann den ganzen Abend, d. h. bis kurz nach zwei draußen am Lagerfeuer und grillten. Martin hatte seine Gitarre mitgebracht, und das war toll, so daß wir auch etwas singen konnten. Norbert war wieder mal in Hochform, und Cora, Peters Hund, wurde von allen gestreichelt. Ich fand es toll, bis auf die Tatsache, daß ich nicht weiß, was Arno von mir denkt. Nächsten Freitag fahren sie an die Ardèche, ich hätte jetzt größte Lust, mitzufahren, aber es geht ja nicht, wegen dem blöden Abi.

Abgelegt unter:

Top