Februar 1979

Sonntag, 11. Februar 1979

Februar 1979

Am Donnerstag kam Volker mal kurz vorbei, als wir Training hatten; ich ging nicht zu ihm, er kam auch nicht zu mir, nur als er wegging, lachte er mir zu.
Gestern Abend war Polterabend bei Conny und Porky. Wir trafen uns bei L.s. Ich fuhr mit Peter das letzte Stück. Volkers Auto stand da. Dann sah ich ihn, aber es war noch ein Mädchen dabei. Hatte ich es nicht gewußt? Seine Freundin. Zuerst gingen wir zu Porkys Eltern, um dort zu poltern, anschließend ging es ins Eigenheim, in den neuen Raum. ich saß neben Carola, Uschi, gegenüber von Angelika und Norbert S. und Arno. Volker saß neben mir, d. h. ein Stuhl war frei. Wir hatten uns gerade hingesetzt, als er mich fragte, wie es mir ginge. Ich sagte, es geht und dann: „Jetzt weiß ich auch, warum du nie Zeit hattest.“ Er erklärte mir, daß ich das falsch sehe, er kenne sie schon drei Jahre und damals im November waren sie auseinander, aber an seinem Geburtstag sei sie gekommen und sie feierten Silvester zusammen. Außerdem habe er Schiß gehabt, es mir zu sagen. Ich hatte mir geschworen, er kriegt sein Fett ab, und deshalb sagte ich, und dann so tun als ob, und es wäre besser gewesen, er hätte es mir gesagt, als es so zu erfahren. Er stimmte mir zu, daß es nicht richtig war, und sagte dann, ich solle es nicht tragisch nehmen. Ich sagte ganz cool und abweisend, um mich brauche er sich keine Gedanken zu machen, und außerdem wäre es mir letzten Endes doch ziemlich egal gewesen, weil er nie Zeit hatte. Das stimmt tatsächlich. Ich habe ihm keine Träne nachgeweint.
Nun muß ich mir nur noch einen Plan zurecht machen, wie ich meinen Jungen vom TVH finde. Heute morgen wollte ich nach Haßloch fahren, weil sie heute spielen, aber ich war viel zu kaputt, denn ich bin erst um halb fünf nach Hause gekommen. Bis dahin ist noch viel passiert. Ich habe getanzt, dann nachher an der Bar gesessen. Dieter W., vom TSV, hat mir dauernd erzählt, ich brauche noch zwei Jahre, dann wäre ich eine der Schönsten hier. Ich habe mich köstlich amüsiert. Wir haben verabredet, in zwei Jahren noch einmal darüber zu reden. Er sagte, dann würden mir alle nachlaufen. In diesem Moment ging Joe vorbei, und ich fragte, der auch?, ohne bestimmte Absicht, es hätte auch jeder andere sein können. Er sagte, der sei wohl eine Ausnahme. Ich solle mich an Arno halten, der sei clever. Wahnsinnig interessant, diese Unterhaltung. Später habe ich nur noch Mist gemacht. Obwohl ich genau weiß, daß Joe nur auf das eine aus ist. Ich hatte noch nicht mal zu viel getrunken, jedenfalls fühlte ich mich ganz nüchtern. Jedenfalls tanzte ich mit ihm, dann machten wir Partnerwechsel, ich tanzte mit Günter.
Dann wollte ich auf die Toilette gehen. Joe tanzte immer noch mit der anderen. Ich winkte ihm zu, nur so aus Scheiß. Er lief mir gleich nach. Ich wußte nicht, was ich genau wollte. Jedenfalls blieb ich bei seinen Küssen ganz kalt, gleichgültig. Er versuchte immer wieder, mich rumzukriegen, aber er schaffte es natürlich nicht. Als wir nach oben kamen, waren alle außer Norbert schon weg. Es war mittlerweile halb fünf. Wir bestellten uns ein Cola. Joe verschwand dann, und ich ging nach Hause.
Ich werde Elke anrufen, ob wir uns irgendwann mal treffen können. Mittwoch gehen wir nach dem Training zum Hexenball.
Und dann muß ich auf jeden Fall versuchen, ihn zu finden.

Donnerstag, 15.2.79

Gestern, nach dem Training, gingen wir zum Hexenball ins Eigenheim. Es war ziemlich viel los. Anfangs standen wir oben bei der Sektbar und schwitzten schon im Stehen. Nach einer Weile standen Bärbel, Wolfgang und Achim (Ex-Haßlocher) zusammen. Bärbel und Achim gingen hinunter zum Tanzen und Wolfgang schlug mir vor, es auch zu tun. Nach einer Weile gingen wir in die Bar hinter der Bühne. Christine, Carola, Wille, u. a. kamen dann. Wir tranken viel Sekt und unterhielten uns gut. Carola wurde später von Christine nach Hause gefahren, ich blieb noch. Als ich von draußen zurück kam, standen bei Wolfgang zwei Typen, die ich nicht kannte. Wolfgang fragte irgendwann, ob das „M. Fritzchen“ immer noch dabei sei. Wahrscheinlich meinte er die Schule.
Ich sagte, der spielt doch in Haßloch, und Wolfgang sagte ja, und Achim hätte gesagt, er wolle nach Trebur kommen. Ich fragte dann noch, wie alt er ist, und Wolfgang meinte, in seinem Altern, also 21.
Das ist toll, ich dachte, er sei noch jünger. Nachmittags habe ich Elke anvertraut, daß ich versuchen müsse, ihn zu finden, und jetzt das! Ich freue mich wirklich. Hoffentlich nicht umsonst.
Übrigens war Michael R. auch da, wir waren in 11,I zusammen. Er konnte sich noch an mich erinnern, wußte aber nicht mehr, woher. Er hatte auch schon einen sitzen. Ich auch, aber so schlimm war es noch nie gewesen.
Mit dem einen Typen, Helmut, unterhielt ich mich dann, wir tranken Brüderschaft und ich vor allem zu viel Sekt. Etwa um halb vier mußten wir gehen, die Musiker waren schon seit 2 Std. weg.
Er fuhr zuerst seinen Freund nach Bauschheim und dann mich nach Hause. Unterwegs habe ich sogar eine Zigarette geraucht. Ich nahm ihn dann noch mal mit rein. Leider! Dann war ich im Bad, und mein Zustand wurde stetig schlechter. Mir war kotzübel. Mutti hat irgendwas gehört und hat nach mir gesehen. Ich wollte runtergehen, da stand der Typ schon an der Tür und wollte nach mir sehen. Mutti hat ihn natürlich gesehen. Wir gingen runter, und kurz darauf rief sie, ich solle mal rauskommen. Ich weiß nicht mehr genau, was sie sagte, aber es war irgendwas wegen dem Typen, weil ich die Pille nicht nehme und so. Aber ich bin doch nicht blöd. Jedenfalls hat er mein Bett gemacht und wollte dann noch dableiben. Aber mir war so übel, mittlerweile hatte ich schon gekotzt und ich sagte ihm, er solle gehen. Er sagte, er wolle mich anrufen. Ich hoffe, er tut es nicht. Ich will gar nichts von ihm. Ich bin doch immer noch verliebt in den Fritz M. Glaube ich jedenfalls. Falls ich am Samstag auf einen Maskenball gehe, trinke ich auf keinen Fall so viel Sekt. Das bringt ehrlich nichts. Seit dem ersten Mal, an Günthers Geburtstag, mache ich nur Mist, wenn ich zu viel getrunken habe. Dagegen war der Schwips an Weihnachten 1977 gar nichts. Ich werde noch Alkoholiker. Ich brauche unbedingt jemanden, der auf mich aufpaßt. Mal sehen, ob ich es nicht selbst kann. Sonst bekomme ich noch einen schlechten Ruf. In den letzten Wochen und Monaten waren meine Beziehungen zu Jungen immer von der Wirkung des Alkohols überschattet. Das einzige, was in Ordnung war, war das mit Volker, was aber dann leider oder zum Glück doch nichts war. Ich muß mich ehrlich mal zusammennehmen, damit ich in zwei Jahren schön bin und nicht nur äußerlich.

Freitag, 16.2.79

Zum Glück hat er nicht angerufen. Mal sehen, was ich morgen mache. Elke will mir heute Bescheid sagen, ob sie mit auf den Maskenball geht. Ich würde es vorziehen, nach Rüsselsheim zu gehen, von der TG soll was sein, aber wahrscheinlich vereinsintern, denn es steht nichts in der Zeitung. Immerhin wäre dann die Möglichkeit größer, daß ich den „M. Fritz“ treffe. Ich hoffe, er kommt möglichst bald ins Training.

Freitag, 23.2.79

Ich bin verrückt! Erklärung später!
Am Mittwoch waren wir natürlich wieder auf dem Hexenball. Helmut war auch da. Er sagte, er habe meine Telefonnummer vergessen und meinen Namen auch. Ich sagte ihm die Nummer noch einmal. Er hatte schon ziemlich viel getrunken und erzählte mir dauernd dasselbe. Ich trank zwar auch Sekt, war aber nüchtern. Na also, es geht doch! Ich ging dann mal runter auf die Toilette, und gesellte mich dann zu den anderen, d. h. Carola, Wolfgang, Christa, Wille. Helmut verschwand dann und ich sah ihn nicht mehr wieder. Er rief mich am Donnerstag nicht an. Fritz war natürlich nicht im Training. Also faßte ich einen Entschluß: ich wollte ihn am Freitag, heute, anrufen. Morgens schrieben wir einen Deutschtest. Ich konnte mich nicht konzentrieren, das wird wohl die erste Deutscharbeit sein, die ich verhauen habe. Nach der 4. Std. ging ich in die Stadt. Ich wollte von der Waldstraße aus anrufen. Aber es war niemand zu Hause.
Nachmittags gab ich Nachhilfe bei Meike und Kerstin bis 16:30 Uhr. Anschließend wollte ich anrufen, aber die Telefonzelle in der Lindenstraße war besetzt. Von 17-18 Uhr war ich bei Sibylle, dann ging ich wieder zur Telefonzelle. Ich war nicht mehr ganz so aufgeregt wie heute morgen, aber zunächst wagte ich es noch nicht. Ich legte wieder auf – ein paar Sekunden Konzentration – aber dann spielte das Telefon nicht mehr so richtig mit. Als auf den Weg zur Post. Als ich ankam, war besetzt. Zum Glück nicht lange. Dann war es endlich soweit. Ich war sogar einigermaßen ruhig. Ich hatte mir ja auch genau überlegt, was ich sagen würde. Ein Mädchen war am Telefon. Ich entschuldigte mich, sagte, ich wisse nicht, ob ich richtig verbunden sei, ob denn bei ihnen jem. Volleyball beim TVH spiele. Sie sagte ja (toll, nie hätte ich das gedacht), wen ich denn sprechen wolle, den Fritz! Ja, sagte ich. Ich hörte, wie sie zu ihm sagte, es sei jemand am Telefon wegen Volleyball. Dann war er endlich da. Ich sagte hallo, und daß er mich nicht kenne, sagte ihm ich heiße Sabine. Ich wußte nicht, wie ich ein Gespräch anfangen sollte, und meinte daher, ich habe gehört, er wolle nach Trebur kommen. Er sagte, das wisse er noch nicht. Es klang nicht sehr positiv. Ich sagte, das wisse ich von Wolfgang. Er wollte wissen, woher ich seine Telefonnummer habe – aus dem Telefonbuch – und der Name – von Günther und Wolfgang gehört – Wolfgang sei früher in seiner Klasse gewesen – ich: habe öfters so verrückte Einfälle (obwohl das nicht stimmt, nur der eine) – ob wir uns mal treffen können, er möchte wissen, wer ihn anruft- Ich gab ihm meine Telefonnummer. Ich solle ihn nächste Woche anrufen (morgen zum Maskenball käme er nicht, mag so was nicht) Vielleicht ließe er von sich hören. Ich hatte ihn auch nach Helmut gefragt, aber er konnte sich nicht erinnern, auch nicht, daß er mich bei den Amis gesehen hat. Ich habe ehrlich Angst vor einen Treffen, wahrscheinlich weil ich mir zu viel erhoffe und weil er das Gefühl haben muß, ich wolle etwas von ihm.

Montag, 26.2.79

Rosenmontag. Heute war ich mit Elke in Mainz. Wir hatten zum Glück schönes Wetter und es war ziemlich viel los. Ganz gut fand ich es, aber auch anstrengend. Nur kommen einem viele Typen so blöd, aber die sind alle fastnachtsgeschädigt.
Als wir in Rüsselsheim waren, rief ich Fritz an. Ich wollte es zuerst nicht tun, denn es kam mir zu blöd vor, aber da ich es am Freitag nun mal angefangen hatte …
Sein Vater war am Telefon, er sagte, er sei unten in der Garage bei seinem Motorrad. Ob er ihm etwas ausrichten solle? – Ja, er solle ihm sagen, wenn er will, kann er mich heute abend mal anrufen. Als ich eine halbe Stunde später nach Hause kam, fragte mich Mutti, ob ich einen Fritz M. kenne. Er habe vor etwa 15 Min. angerufen. Da ich nicht zu Hause war, wolle er später noch mal anrufen. Sie fragte mich, woher ich ihn kenne. Eine dumme Frage. Ich sagte, vom Volleyball, was ja nicht falsch ist. Gegen halb acht hat er dann angerufen. Wie er mir sagte, hat er schon dreimal angerufen. Am Samstag um halb elf und gegen zwölf und heute vormittag um halb elf. Das finde ich super! Volker hat mich immer ganz schön hängen lassen und Helmut hat (absichtlich?) meine Telefonnummer vergessen. Er geht übrigens aufs Kant, wie ich es mir schon gedacht habe, immer noch, macht im Winter sein Abi.
Er weiß übrigens, wo ich wohne. Es hat mich aber einige Fragen gekostet, um herauszukriegen, wieso. Als ich ihm meinen Namen und die Telefonnummer gab, hat sein Vater gleich im Telefonbuch nachgesehen und ihm gesagt, wo ich wohne. Gestern abend dann sei er ein bißchen herumgefahren und auch bei mir vorbei. Er glaubt sich jetzt an mich zu erinnern, und hat auch einige Leute nach mir gefragt. Im Übrigen sagte er, ich könne froh sein, daß er am Freitag guter Laune gewesen sei, denn sonst sei ich wohl bei ihm „auf Granit gestoßen“. Er sei in Bezug auf Mädchen nämlich ziemlich schüchtern. Unglaublich! Ich mußte ihm etwas über mich erzählen. Er hat wie ich blaue Augen, und seine Haare sind mittlerweile ein Stück länger. Er ist noch nicht lange 21. Jedenfalls will er morgen nachmittag vorbeikommen. Er sagte, das sei für ihn wie Weihnachten, er sei dann den ganzen Tag nervös. Hoffentlich erlebt er keine Enttäuschung. Und ich auch nicht. Ich habe jetzt schon das Gefühl, ich müsse sterben.

Dienstag, 27.2.79

Heute nachmittag war er da. Er war ziemlich überrascht, denn er hatte mich doch noch nie gesehen. Er hat sich übrigens auch ein bißchen verändert, seine Haare sind nicht länger.
Es war gar nicht so einfach, immer Gesprächsstoff zu finden. Ihm ging es genauso wie mir: eine gewisse Hemmung war noch da.
Er sagte, er wolle mich vielleicht mal anrufen und vorbeikommen. Ich fühle mich jedenfalls ziemlich down, denn ich habe das Gefühl, ihm liegt nichts daran.
Ich werde zunächst einmal abwarten, ihn vielleicht mal in der Schule (be)suchen oder auch anrufen. Immerhin fand er meine Idee mit dem Anrufen gut. Wenigstens etwas.

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