Januar 1979

Montag, 1. Januar 1979

Januar 1979

Frohes neues Jahr!
1979!
Ich liebe dich, Volker!
Es regnet immer noch!

Dienstag, 2.1.79

Gestern hat es endlich geschneit, leider nicht genug, und jetzt ist es eisig kalt. Heute morgen, beim Skilaufen hier in Tiefenbach, bin ich fast erfroren.
Die Mainzer, die auch hier im Haus wohnen, fahren morgen nach Hause, weil es ihnen zu kalt ist. Im Walsertal soll auch nicht genug Schnee sein, nur auf der Kanzelwand bei Temperaturen von -32° C!

Mittwoch, 3.1.79

Mir gefällt es hier überhaupt nicht mehr. Ich friere ständig, und das Skilaufen in Tiefenbach macht auch keinen Spaß. Ich will nach Hause!

Samstag, 13.1.79

Am letzten Tag, Freitag, war es doch noch ganz toll. Morgens -20° C, ich war mit Papa und Onkel Heinz am Söllereck, wir mußten 3/4 Std. am Lift stehen, was aber gar nicht so schlimm war, die Abfahrt war toll, und nachher war es nur noch -5° C kalt.
Samstag kamen wir nach 7 1/2 Std. Fahrt nach Hause. Zu meiner größten Enttäuschung war keine Post für mich da. Aber am Montag bekam ich vom DER die Mitteilung, daß sie mich nehmen. Ich habe mich unheimlich gefreut und tue es jetzt noch. Aber von Volker war immer noch nichts da.
Montag fuhr ich in die Stadt und kaufte alles mögliche, ein Tuch, einen Pulli, Genesis-LP, Tee. Und bei der Gelegenheit ging ich die F. Straße hinunter bis zum Ende, wo Volker wohnt. Früher war das wohl die Villengegend der Stadt. In diesem Viertel stehen große, alte Häuser mit riesigen Gärten. Volker wohnt allerdings in einem nicht ganz so großen.
Mittwoch abend war er wieder im Training. Ich war ganz überrascht. Wir redeten am Anfang kurz miteinander.
Später, nach dem Duschen, gingen Conny, Angelika und ich noch mal kurz zu den Männern rüber in die Kabine, denn sie waren noch nicht ganz fertig, wie üblich.
Volker war an diesem Abend mit Wolfgang gefahren, konnte mich also nicht nach Hause bringen. Er versprach aber, mich am nächsten Tag anzurufen. Am Donnerstag wartete ich vergeblich auf den Anruf. Ich telefonierte gegen Abend mindestens eine halbe Stunde mit Elke, die am Dienstag aus Österreich zurückgekommen war, Irgendwann werden wir uns mal wieder treffen.
Im Training war Volker auch nicht. An diesem Abend fühlte ich mich ziemlich down, am Freitag morgen war es etwas besser, abends dann besonders schlimm. Es hatte mich wieder mal das heulende Elend gepackt.
Aber dann hatte ich die Idee! Ich kannte sein Telefonnummer, die zwar unter dem Namen (wahrscheinlich) seines Großvaters im Telefonbuch steht, aber den kannte ich seit Montag.
Ein guter Plan! Ich führte ihn heute morgen aus, und alles klappte vorzüglich. Erstens war er zu Hause, und dann sah er auch ein, daß es ziemlich fies war, was er gemacht hatte, obwohl er ziemlich viel zu tun hatte. Er fragte mich, ob ich sauer sein, ich sagte nein, denn ich bin es tatsächlich nicht, ich kann es einfach nicht. Gestern hätte ich ihn erwürgen könne, aber andererseits würde ich ihm alles (?) – vieles – verzeihen. Morgen, zu unserem Spiel, will er vielleicht kommen. Oder mich anrufen.
Ich muß mich erst daran gewöhnen, daß ich für ihn nicht so wichtig bin. Ein ungewohnter Gedanke. Aber das nächste Mal werde ich es nicht so ernst nehmen, wenn er nichts von sich hören läßt.

Samstag, 20.1.79

Von wegen! Ich fühle mich wieder mal mies, mieser, am miesesten!
Volker hat mich am Sonntag angerufen (die Zellhausener kamen übrigens zu spät, wir machten nur ein Freundschaftsspiel gegen den TVH, das wir 3:1 verloren), aber er war zu müde, um abends noch irgendwas zu machen. Er versprach mir, Montag abend noch mal anzurufen. Was er auch tat. Aber es war ihm plötzlich eingefallen, daß er nicht weiß, wo man Montags hingehen könnte. Seit Montag arbeitet er bei Opel, diese Woche hatte er Spätschicht, also konnte er nicht zum Training kommen. Aber am Donnerstag wollte er anschließend ins Eigenheim kommen, was er natürlich nicht tat.
Freitag hatte ich nur zwei Std., ich ging zum Bus, einen kleinen Umweg durch die F. Straße. Volkers Auto stand draußen. Also war er wahrscheinlich zu Hause. Ich hoffe immer noch, daß er mich heute anrufen wird. Er wird es aber bestimmt nicht tun. Ich auch nicht! Nächste Woche beim Training muß ich mal mit ihm reden. Ich lasse mir doch nicht alles gefallen.

Dienstag, 23.1.79

Am Sonntag konnte ich es schließlich nicht mehr aushalten. Ich habe ihn angerufen. Er versprach mir, mich Montag nachmittag um 16 Uhr anzurufen, um dann etwas zu verabreden. Er rief nicht an, abends auch nicht. Ich war wieder mal total am Ende.
Heute morgen kam Elke in der Pause mal kurz vorbei. Ich redete auch mit ihr über mein Problem. Ich sagte ihr, ich wolle ihn heute abend nach der Englischarbeit (wir haben heute nachmittag bei H. geschrieben) von Rüsselsheim aus anrufen. Sie riet mir, ihn doch auch mal schmoren zu lassen.
Ich überlegte es mir und wollte es dann auch tun, aber leider (oder glücklicherweise?) war ich erst um 17:20 Uhr fertig und mußte also auf den 18:15er Bus warten. Also rief ich ihn doch an, aber erst nachdem ich mich vergewissert hatte, daß er zu Hause war. Die Telefonzelle, von der aus ich ihn anrief, befindet sich gerade um die Ecke in der S.straße. Ich sagte ihm allerdings, ich sei in der Waldstraße. Von dort aus wollte ich ihn auch eigentlich anrufen, nur fiel das Geld immer wieder durch. Wie immer hatte er eine Entschuldigung. Sonntag abend hatte er lange fern gesehen und sich deshalb gestern nachmittag um drei Uhr hingelegt und bis abends um neun geschlafen (diese Woche hat er Frühschicht). Heute abend ist er gleich weg zum Hockey mit einem Freund, und morgen muß er zu einer Sitzung. Er meinte, vielleicht komme er gegen Ende noch mal zum Training, worauf ich ganz cool erwiderte: „Wenn du Lust hast.“ Daraufhin meinte er, was das denn heißen solle, wenn er Lust habe. Er komme, wenn er Zeit habe, Lust habe er schon. (Ich habe allerdings manchmal das Gefühl, daß das nicht zutrifft.)
Noch etwas beunruhigt mich: seine Oma (?) war zuerst am Telefon und hatte meinen Namen nicht verstanden. Sie fragte: „Ute?“ Als ich mit Volker in Mainz war, sagte er auch einmal etwas, daß damals Ute noch dabei war. War sie seine Freundin oder ist sie es noch? Nutzt er mich nur auch? Hat er deshalb nie Zeit für mich? Ich wünschte, ich wüßte es. Morgen abend kommt er bestimmt nicht, ich kenne ihn doch. Schade.

Montag, 29.1.79

Donnerstag war er beim Training, wir redeten kurz miteinander. Er und Wolfgang gingen dann schon ziemlich früh.
Die nächsten Tage ließ er, wie erwartet, nichts von sich hören. Ich hoffte, ihn am Sonntag beim Spiel zu sehen. Aber er war nicht da. (Übrigens gewannen die Männer das entscheidende Spiel gegen Weiterstadt mit 3:1).
Schon morgens hatte ich eine beginnende Erkältung oder Grippe gespürt. Es wurde dann schlimmer. Heute war ich nicht in der Schule. Zur Zeit liege ich noch im Bett, aber wohl nicht mehr lange, denn ich fühle mich schon viel besser.
Wenn ich Volker das nächste Mal sehe, muß ich die Sache unbedingt klären. Ich habe schon mit dem Gedanken gespielt, das „Gummipüppchen“ zu suchen. Er ist doch süß, man muß nur an den 15.7. denken.

Fundstücke aus der Schule:
„Wir müssen aus dem Ochsen, den er uns hier auf das Papier gezaubert hat, einen Brühwürfel machen.“
(Zitat Isensee LKD, Mittwoch, 17.1.79, 1. Std., zur Interpretation eines Sachtextes)
Populanten von Domizilen mit fragiler, transparenter Externstruktur sollten sich von der Umfunktionierung von gegen Deformation resistenter Materie zu Wurfprojektilen distanzieren.
Mathematiker sind die Eunuchen der Wissenschaft.
Sie wissen, was man alles tun kann, können aber mit ihrem Wissen nichts anfangen.
If you know she gets a baby –
join the army or the navy!
Knast ist die Fortsetzung der Pädagogik mit anderen Mitteln.
Freiheit für Grönland!
Nieder mit dem Packeis!
Einstein ist tot,
Newton ist tot,
und mir ist auch schon so schlecht!
Keine Atommülldeponie auf dem Mars .
denn Mars bringt verbrauchte Energie sofort zurück!

Abgelegt unter:

Top