November 1978

Samstag, 4. November 1978

November 1978

Joachim ist nicht gemein! Er hat ein Spiel gespielt und ich habe mitgespielt.
Am Montag habe ich natürlich nicht mit ihm darüber geredet. Bis am Abend war meine Wut längst wieder verflogen.
Heute habe ich ihn kurz beim Einkaufen gesehen, aber er redete mit Arno, und ich wollte nicht so lange warten.
Bei Gelegenheit muß ich aber etwas mit ihm klären. Und zwar, was er gegen mich hat und warum.
Er ist am 8.5.60 in Lohr am Main geboren. Er wird bald nach Geinsheim ziehen. Schade. Und wenn er nach dem Abi zum Bund geht und dann Pilot wird, werde ich ihn auch beim Training nicht mehr sehen. Wenn er gemein wäre, wäre mir das alles gleichgültig. Aber das Schlimme ist eben, daß ich ihn liebe. Das wußte ich schon vor vier Jahren.
Aber ich werde es wohl vergessen müssen.

Dienstag, 7.11.78

Samstag abend wußte ich noch nicht, ob ich zur Zuckerrübenkerb gehe oder zur Disco. Ich schaute mal kurz zur Turnhalle ‚rein. Moni, Christa und Iris waren dort.
Dann ging ich zur Disco, um zu sehen, was dort los war. Ziemlich voll war es jedenfalls, aber größtenteils jüngere, Ute war auch da. Joe hatte gesagt, daß er hingehen würde, aber ich sah ihn nicht.
Daher entschloß ich mich, doch in die Turnhalle zu gehen.
Sigrid traf ich dort; sie hatte nicht gewußte, ob sie hingeht, als ich sie angerufen hatte. Ich war mir ihr und einigen anderen von der Landjugend zusammen. Zweimal waren wir unten in der Bier-Bar und tranken Sekt.
Christina sah ich an diesem Abend nur ganz kurz. Seit sie einen Freund hat, ist sie nur mit ihm zusammen. Ich fand es ziemlich langweilig, obwohl viel los war. Sigrid ging kurz nach elf. Ich wollte auch nicht mehr lange bleiben, ging aber zum Glück! dann doch noch nicht. Ich setzte mich zu Christa, und kurz darauf forderte mich ein Typ, der bestimmt zwei Jahre jünger ist als ich, zum Tanzen auf. Ich glaube, er war geschockt, als er hörte, daß ich 18 bin.
Es muß kurz nach 12 gewesen sein, ich saß gerade in der Pause am Tisch, als Joachim und Arno kamen. Ich ging zu ihnen hin und redete kurz mit ihnen. Die beiden waren auf der Disco gewesen, es sei ganz gut gewesen, sagte Joe.
Dann tanzte ich wieder mit dem Typ, und anschließend gingen wir hoch in die Sektbar. Ein Wunder, denn er wußte doch, wie alt ich bin! Als wir herunterkamen, standen Joachim und Arno gerade da. Ich sagte irgendetwas zu Joachim, ich weiß überhaupt nicht mehr, was es war, ich spürte schon die Wirkung des Sektes.
Plötzlich meinte Joe, wir könnten doch mal tanzen. Ich war natürlich begeistert. Es war das erste Mal, daß ich mit ihm tanzte. Doch es dauerte gar nicht lange, leider. Irgendjemand fragte ihn etwas, und er mußte plötzlich weg und mit jemandem reden. Norbert K. war inzwischen auch wieder mal aufgetaucht. Ich tanzte dann mit ihm. Anschließend gingen wir alle in die Sektbar und tranken dort Massen von Sekt, was mir gar nicht bekam. Aber als ich das bemerkte, war es bereits zu spät.
Ich tanzte noch mit einem anderen Typen, und dann ging ich mit Iris rau. Draußen traf ich die zwei Italiener von der Pizzeria Mario. Sie hatten gesagt, sie wollten kommen. Der eine, Tonio, klein, als (24) sagte, ich solle Moni suchen. Ich fand sie in der Sektbar, aber sie wollte nicht tanzen. Also ging ich (blöd!) allein wieder runter, tanzte mit Salvatore (19 ca.?); dann gingen wir vier (Christa auch) nach oben. Christa war plötzlich wieder weg. Salvatore spricht überhaupt nicht deutsch. Ich redete mit Tonio. Wir gingen dann raus, weil ich bei dem Lärm kaum etwas verstehen konnte. Ich weiß nicht mehr, was ich ihm alles erzählte, aber ich war einverstanden, daß wir mal zusammen weggehen (ich dachte mehr an Salvatore) und sagte, ich wolle ihm meine Telefonnummer geben. Dann tanzte ich mit ihm. Irgendwie wurde ich ihn dann los, traf Joachim, Arno, Iris. Arno sagte, er müsse das Auto seines Bruders nach Hause fahren, da dieser zu betrunken sei, und gab mir den Schlüssel für sein Auto. Ich ging mit Joe zusammen raus. Aber er wollte mich nicht fahren lassen, da ich zu viel getrunken hatte, Gemeinheit!
Also fuhren wir Arnos Auto nach Hause, und dann alle mit dem Auto seines Bruders zur Turnhalle. Die Early Birds hatten schon aufgehört zu spielen. Ich holte meine Jacke, sagte Iris, daß wir zu Lule fahren. Sie und Christa wollten auch noch kommen, taten es aber nicht. Wir aßen dann noch Pommes Frites und Gulaschsuppe. Christine E. kam noch mal kurz rüber. Sie hat am gleichen Tag Geburtstag wie ich!!
Joachim ist auch ein Genesis-Fan. Vielleicht leiht er mir ein paar Cassetten. Er sagte an diesem Abend irgendwas von „Trespass“, und deshalb kaufte ich mir die LP gestern. Ein guter Tip. Sie ist toll!
Als wir um halb fünf abzogen, war ich total nüchtern. Toll, was?!
Am Sonntag freute ich mich, daß ich den Italiener so toll ausgetrickst hatte, denn er hatte meine Telefonnummer nicht. Ich will ja gar nichts von ihm. Der andere ist wohl ganz süß, aber wenn ich mich mit jemandem nicht mal über Genesis unterhalten kann, hat es keinen Zweck. Gerade als ich mit Dolly weggehen wollte, klingelte das Telefon. Ich wußte erst gar nicht, wer dran war (der Italiener), weil er dauernd sagte, der Gitarrist sei es. Dann dämmerte mir etwas, aber ich stellte mich blöd. Und dann hatte ich die Idee! Ich sagte, Sabine sei nicht zu Hause, ich sei ihre Schwester, und lallte dann so rum, ich hätte sie gestern gesehen, hatte zu viel getrunken, und das wohl nicht ernst gemeint, und all so ’n Mist. Ich sagte, ich sei 20. Er wollte mich gleich kennenlernen, aber ich erzählte ihm, ich wohne nicht hier. Sabine sei für längere Zeit weg, und habe auch sonst keine Zeit, weil sie sich abends mit Freunden treffe. Er sagte, ich solle ihr Bescheid geben, usw. Ein Glück, das hatte ich geschafft. Da hatte ich ziemlichen Mist gebaut. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, warum ich zugesagt habe. Das war mir eine Lehre! Nie wieder! Joe muß auch einen schlechten Eindruck von mir kriegen, wenn ich dauernd (?) (manchmal) so zu bin. Aber er ist doch gemein. Weil er gar nichts gegen mich hat. Das ist natürlich toll, aber ich wollte ihn doch mal bei Gelegenheit so schön ausquetschen. Wieder nichts! Aber es ist gut so.

Sonntag, 19.11.78

Gestern spielten die Männer in Wiesbaden. Ich fuhr mit, weil ich Lust dazu hatte und ein bißchen auch wegen Joe. In der gleichen Halle spielten auch die A-Jugend-Mannschaft von der TG Rüsselsheim gegen die von Wiesbaden.
Die Wiesbadener sah ich gleich am Anfang, als wir ankamen. Ein Junge erinnerte mich an den Jungen vom TV Haßloch, und wenn ich an ihn denken, tritt Joachim in den Hintergrund.
Anschließend fuhren wir (Günther, Bärbel, Conny, Porky, die K. Brothers, Joachim und ich) nach Mainz in ein Weinlokal. Wir aßen etwas und tranken sage und schreibe 47 Gläser Wein insgesamt! Ich hatte drei getrunken und war ziemlich nüchtern.
Wir wollten anschließend Pizza essen gehen, aber es war schon geschlossen.
Joe und Porky hatte zwei Rollen Toilettenpapier mitgehen lassen, und auf der Straße fragten sie die Leute, was sie von diesem Toilettenpapier hielten. Am Südbahnhof stünde an diesem Abend ein Verkaufswagen, wo jeder eine Rolle umsonst mitbekäme. Es war wirklich lustig.
Aber Joachim hat doch irgendwie eine Aversion gegen mich. Mit Conny zum Beispiel versteht er sich ausgezeichnet, aber er vermeidet es, mit mir zu reden. Nächsten Sonntag spielen wir in Haßloch. Ich würde „ihn“ sehr gern wiedersehen. Vielleicht spielt er auch das nächste Mal gegen Trebur wieder mit. Das ist am 16. oder 17. Dezember. Hoffnung besteht immer!

24.11.78, Freitag nach 2:05 Uhr

Gleich ein Vermerk negativer Art: ein Typ geht mir auf die Nerven. Ganz klar wer: Holger G.
Der erste Mal tauchte er am Sonntag abend, 22.10. bei mir auf, um mich zum Pizzaessen abzuholen. Zum Glück hatte ich mir gerade die Haare gewaschen un d mußte außerdem noch für die Bio-Arbeit am nächsten Tag lernen. Er war ziemlich neugierig, und schaute sich meine LP’s an, aber ich forderte ihn nicht zum Dableiben auf. Er verzog sich zum Glück bald.
Am letzten Sonntag (19.) kam er, als ich gerade im Bad war, um zu duschen. Mutti sagte, ich habe Besuch, ich fragte wer denn, und sie sagte, es sei Holger G. Ich meinte, ich habe keine Zeit und sie solle ihm das ausrichten. Später meinte sie, ich hätte ganz schön geknurrt. Aber der kann einem ganz schön auf die Nerven gehen. Ich frage mich nur, warum er immer zu mir kommt. In der Schule jedenfalls reden wir kaum miteinander.
Mittwoch war Feiertag, folglich fiel das Training aus.
Gestern abend war Volker wieder da. Ausnahmsweise. Er ist noch bis am 19.12. beim Bund.
Anschließend waren wir im Eigenheim. Volker saß links von Moni (um die Ecke rum), ich rechts von ihr, dann neben mir Christa. Wir unterhielten uns ganz gut. Als Moni gegangen war, saß er neben mir. Joe hatte wieder mal zu viel im Tee gehabt, und als Volker irgendeine Bemerkung in Bezug auf ihn machte, reagierte er sauer. Ich sehe ihn jetzt mit ganz anderen Augen. Zum Glück. Ich liebe ihn nicht. Vorbei.
Mit Volker redete ich hauptsächlich über Schule, Ausbildung, usw. und Winterurlaub. Ich hatte schon immer das richtige Gefühl: daß er sympathisch ist. Manchmal wirkt er überheblich und arrogant, aber so ist er nicht.
Er brachte mich und Christa nach Hause, mich zuerst, und bevor ich ausstieg, fragte er, wann wir uns wiedersehen, und ob wir heute abend bei Mario sind. Wir wußten es noch nicht, und er sagte, er könne uns abholen. Christa wußte noch nicht, ob sie mitkommen kann. Sie will zu mir kommen, heute abend.
Ich freue mich ehrlich. Aber so was wie mit Joe passiert mir nicht mehr.
Volker wohnt in Rüsselsheim, ist am 23.12.1957 geboren (übrigens in Frankfurt) und heißt mit vollem Namen Volker S.
Er ging zuerst auf die Parkschule in Rüsselsheim und dann aufs Kant, will anschließend (nach dem Bund) studieren, Jura oder etwas, das ich vergessen habe.

Sonntag, 26.11.78

„Aber so etwas wie mit Joe passiert mir nicht mehr.“ (Zitat siehe letzte Seite). Ist mir doch wieder „so etwas passiert? Ich weiß es nicht.
Volker kam am Freitag abend kurz nach acht. Christa fuhr nicht mit. Als wir zu Mario kamen, war noch keiner da. Erst nachdem wir schon gegessen hatten, etwa um neun, kamen so nach und nach die anderen.
Der Abend hat mir echt gut gefallen, weil ich mich ausgezeichnet mit Volker unterhalten habe. Als es uns dann zu langweilig war, fuhren wir nach Mainz. (Übrigens, Joe war auch da, daß aber bei anderen Leuten. Er hat die Haare abgeschnitten. Ehrlich, es sieht ekelhaft aus. Außerdem macht er zur Zeit wohl wieder eine Entwicklungsphase durch, reagiert ziemlich aggressiv und trinkt oft zu viel).
Zurück nach Mainz. Wir gingen zuerst in die „Tangente“, eine Diskothek. Es war ziemlich voll, wir tanzten ein paarmal, aber uns gefiel es dann nicht mehr so gut, also gingen wir in die „Zwiebel“. Das war wieder ganz anders, eher eine gemütliche Kneipe in altem Kellergemäuer. Keine hektische Discomusik. Man kann sich viel besser unterhalten. Es muß kurz nach zwei gewesen sein, als wir gingen. Ich war mir die ganze Zeit nicht im klaren darüber, was er eigentlich will. Als wir beim Auto waren, tat er etwas, was es mir ganz deutlich zeigte: er nahm mich in die Arme.
Ich fand das natürlich ganz toll. Er fragte mich, ob es mir gefallen habe, da ich so ein ernstes Gesicht mache. Ich versicherte ihm, daß ich den Abend schön fand und eben so ein Gesicht habe.
Als wir dann im Auto saßen, sagte er, mein Gesicht habe etwas „Verführerisches“. Ich lachte, weil ich vorsichtig bin und so etwas nicht so leicht glaube. Er aber sagte, er sei kein Charmeur, und wenn er so etwas sage, dann könne man es glauben. Wir verabredeten, daß er am nächsten Tag bei mir vorbeikommen soll, und dann wollten wir irgendwo spazieren gehen.
Aber am Samstag regnete es in Strömen. Am Nachmittag rief er an, und wir beschlossen, zu Hause zu bleiben.
Sonntag bei unserem Spiel würden wir uns sowieso sehen. Wir spielten in Haßloch gegen den TVH und Crumstadt.
Das erste Spiel gegen den TVH verloren wir 3:0, aber es hatte Spaß gemacht. Volker war noch nicht da (er war den Abend und die Nacht vorher in Bad Nauheim gewesen), aber ich dachte mir schon, ihm läge nichts daran, mich zu sehen.
Als wir mit dem ersten Spiel fertig waren, kam er. Er setzte sich zu mir und wir unterhielten uns.
Dann, bei unserem zweiten Spiel gegen Crumstadt, schaute er zu. Einmal ging er raus, und ich dachte schon, er würde wegfahren, aber er kam wieder. Nach dem Spiel, das wir mit Mühe und Not (3:1) gewonnen haben, beeilte ich mich, zum Duschen zu kommen, doch als wir fertig waren, war er nicht mehr da.
Das ist jetzt eine ziemlich blöde Situation. Bis zum 19. Dezember ist er noch beim Bund, und auch an den Wochenenden nicht zu Hause.
Ich kann nur hoffen, daß er am 20./21. zum Training kommt, denn am 22. fahre ich in Winterurlaub. Auf jeden Fall ist er im Januar wieder dabei (beim Volleyball). Dann werde ich weitersehen. Aber blöd ist es doch. Hoffen wir das Beste. Joe kann ich jedenfalls nicht mehr so gut leiden wie früher. Ich glaube, jetzt ist es endlich vorbei. Sehr gut!

Dienstag, 28.11.78

Noch 23 Tage! Werde ich ihn dann wiedersehen? Und was dann? Ob er manchmal an mich denkt?

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