Oktober 1978

Sonntag, 1. Oktober 1978

Oktober 1978

Ich habe es nie getan.
Uli hat wahrscheinlich z. Zt. keine Freundin. Bei Monis und Bettinas Geburtstagsparty am 23.9. war er mit Michael da.
Da erst bemerkte ich, wie sehr mir die beiden auf die Nerven gehen können. Sie hatten eine ganze Menge Leute um sich versammelt und erzählten vom Krieg u. ä. Ich konnte es am Ende nicht mehr mit anhören, immer diese dummen Sprüche. Gut, daß es vorbei ist. Zur Volleyball-AG gehe ich nicht mehr, es bringt nichts, alle sind jünger als ich und können nicht Volleyball spielen. Am Anfang war es besser.
Freitags soll es jetzt aber noch eine VB-AG geben. Möglicherweise gehe ich da hin.
Mit Joachim habe ich mich in letzter Zeit öfters unterhalten. Am Mittwoch nach dem Training fragte er mich, wie es Uli geht, das konnte ich ihm aber nicht sagen, ich weiß es selbst nicht. Dann wollte er wissen wie alt Marita ist. Ich sagte 14, dann fragte er, wann sie denn 15 würde. Nächstes Jahr August.
Er ärgerte sich, denn er findet sie sehr hübsch. Das stimmt, aber sonst ist sie wohl noch ein Kind, ziemlich unterentwickelt. Hoffentlich sieht er das ein. Sonst gehört er auch zu der Kategorie Kindergarten. Mit dem Führerschein komme ich ganz gut zurecht. 4 Fahrstunden hatte ich bis jetzt, morgen die nächsten beiden. Auto fahren macht Spaß!
Ich jedenfalls freue mich auf die ersten Volleyballspiele. Am Montag, dem 9. spielen wir in Crumstadt.
Noch ungeduldiger aber warte ich auf den Sonntag. Die Männer spielen in der C-Klasse. Alles Positive trifft zusammen. Sie spielen in Trebur und gleich gegen den „Erzrivalen“ Haßloch. Ich hoffe nur, daß „mein Junge“ auch mitspielt. Und daß er überhaupt Interesse für mich zeigt, nicht nur zeigt, auch hat, so wie damals bei den Amis. (15.7.) Manchmal kann ich ihn ganz deutlich vor mir sehen. Er ist mir richtig sympathisch. Wenigstens möchte ich mal mit ihm reden.
Seit gestern habe ich ein neues Lieblingslied. Neben „Many too many“ von Genesis. Es ist aus „Eis am Stiel“. „Mr. Lonely“ von Bobby Vinton. Ich finde es wohl besonders deshalb so gut, weil es mich an das Ende des Films erinnert. Das Mädchen Neeli ist doch wieder auf Momo reingefallen. Für Benny war das eine große Enttäuschung. Er ist allein, läuft allein durch die menschenleeren Straßen. Das ist eine traurige Geschichte, aber ich finde den Song toll. Ich werde mir noch mehr Oldies aus dieser Zeit beschaffen.

Wednesday, October 4th 1978

It’s really crazy. It seems as if I’m suffering of a disease. Schizophrenie. That means I don’t know what to do. Je vais l’expliquer: Je pense que j’aime ce garçon de Haßloch. Mais depuis une semaine et deux jours je ne suis plus sûr. Pendant les leçons pour le permis de conduire j’ai rencontré un garçon de Trebur, Volker R., qui est très sympa. When I asked K. for driving lessons after the theoretic lesson, he had been there. I talked with K., and as he’s always joking (very often), Volker also laughed.
Next lesson I got a place at the front table. Volker came a little bit later than I and sat down beside me. Mais il y avait encore une chaise libre entre nous.
Next lesson I got a place next to his friend Jürgen B., whom I know since I’d been a child.
When we answered the questionnaires, Jürgen asked me something, we spoke a few words and also laughed together (all three).
Avant-hier je devais m’asseoir dans le fond. Volker et son ami Jürgen étaient à mon côté gauche.
I noticed that Volker looked at me a few times. That means I thought so, but it is also possible that he looked to the other part of the room.
When we put our questionnaires at the table at the end of the lesson, I met him again when I turned to the door. For a short moment we looked at each other, then I’d been at the door.
J’ai cru et espéré que Volker travaille à Rüsselsheim ou qu’il prend l’autobus à 16:45. J’ai été dans la cité pour acheter und blouse. J’étais dans l’autobus très tôt, mais je ne lui ai pas vu. Mais il était dans le même autobus. Plus tard, quand on a été à Astheim, il a venu dans le fond.
En Trebur, j’ai quitté le bus le même station qui lui. Il m’a vue et il a ri et il a dit „Hallo“ quand je l’ai fait aussi.
J’ai été très heureuse.
C’est le problème.
Je n’ai pas un ami, mais il y a deux garçons qui j’aime et c’est très difficile de décider que faire.
But I think it won’t be so difficult. At least I’d like to talk to the boy of Haßloch, and that’s enough for the moment.

Dienstag, 10.10.78

Sonntag war enttäuschend. Denn er war nicht da.
Ein Trost war Volker, aber der andere, der auch Volleyball spielt. Allerdings z. Zt. nicht, weil er beim Bund ist (bis Dezember). Er war also nur als Zuschauer da.
Weil „mein Junge“ nicht mitspielte, malte ich mir schon die schlimmsten Vorstellungen aus: 1) er spielt nicht mehr Volleyball, 2) bei einem anderen Verein, 3) er ist beim Bund, 4) er ist weggezogen.
Die zweite Vermutung war nicht mal so schlecht. Doch darüber später.
Gestern abend hatten wir unser erstes Turnier. Mit Mühe und Not gewannen wir gegen die Crumstädter (3:2), verloren aber gegen Haßloch (3:0). Aber man lernt doch etwas dabei.
(Die Männder gewannen übrigens gegen Haßloch 3:0 und gegen Schlangenbad 3:1). Der TSV ist doch der beste! Daher waren die Haßlocher auch gestern so sauer.
Ich fuhr (mit Christa und Arno) mit Günter und Bärbel zurück. Günter erzählte u. a. auch etwas von Haßloch. Plötzlich meinte er, sie dürften wohl nicht erwarten, daß der „M. Fritz“ noch lange bei ihnen spielen wird. – !!!? Das ist er! Nun bin ich ganz sicher. Nach dem Turnier im März hatte Günter nämlich gesagt, er hatte schon gelacht (sich des Sieges sicher gefühlt) als er den M. und die K.s auf den Matten liegen sah (Kondition geht verloren). –
Ein Schock für einen Sekundenbruchteil wegen dem anderen Verein. Vielleicht würde ich ihn dann nie mehr sehen.
Doch gleich darauf die Nachricht, daß er vielleicht nach Trebur kommt. Ich grinste über das ganze Gesicht. Ich sagte es ja schon: der TSV ist der Größte! Volker war ja auch vorher bei Haßloch.
Arno fragte, wer das sei, und ob er am Sonntag mitgespielt habe. Bärbel sagte: Gummipüppchen. (Ich weiß jetzt allerdings nicht mehr, ob sich das auf Fritz bezieht und was es überhaupt bedeuten soll.
Günter sagte, er habe nicht mitgespielt, da er noch verletzt sei. Aha! Eine ganz einfache Erklärung! Er muß schon ziemlich gut sein, wenn er nicht mehr bei Haßloch spielen will. Und ich vermutete schon, er würde nur in der zweiten Mannschaft (Gaurunde spielen). Hoffentlich meint es das Schicksal gut mit mir. Ich habe es nötig!

Sonntag, 29.10.78

Es ist etwas passiert. Es kommt mir vor wie ein Traum.
Donnerstag ging ich mal wieder mit ins Eigenheim. Günter hatte am Freitag Geburtstag, also sangen wir um Punkt 12 und gratulierten ihm dann. Etwas zu essen für alle gab es auch (Frikadelle mit Brot). Unser Maskottchen (ein riesiges Känguruh, das Porky und Günter auf der Königstädter Kerb geschossen hatten) war natürlich auch dabei.
So nach und nach verschwanden alle, die in meiner Nähe gesessen hatten. Carola war von Conny nach Hause gefahren worden, einige andere waren auf der Toilette. Joachim saß ein ganzes Stück weiter am Tisch. Einmal sahen wir uns zufälligerweise an. Er lachte mir zu, ich lachte natürlich auf. Kurz darauf stand er auf und setzte sich zu uns (Arno war auch noch da).
Auf einmal schien er sich für mich zu interessieren. Wir unterhielten uns an diesem Abend sehr gut.
Einmal ging er ‚raus und vorher sagte er zu mir, ich solle nur nicht weggehen. Das fand ich süß.
Conny, Porky, Bärbel. Günther, Wille und Arno waren auch noch da. Wir blieben bis zwei Uhr, dann wurden wir „rausgeschmissen“.
Am Freitag sollte Günthers Geburtstag bei Mario gefeiert werden. Joe hatte mich gefragt, ob ich mitkomme, aber ich wußte es noch nicht. Freitag nachmittag versuchte ich, bei Uschi anzurufen, aber sie war nicht zu Hause. Wie sollte ich nach Rüsselsheim kommen? Ganz einfach: ich rief bei Joachim an und fragte ihn, wie er hinkommt, er sagte mir Arno, und dann natürlich könne ich mitkommen.
Wir trafen uns an der Großsporthalle, weil wir Norbert noch mitnehmen wollten. Aber er sagte, wir sollten schon ohne ihn fahren. Auf der Hinfahrt redeten Joe und Arno miteinander, über die Schule und Leute, die ich nicht kenne.
Als wir zu Mario kamen, waren die meisten schon da. Ich fand noch einen Platz am Anfang des Tisches, bei Christa, Moni, Kerstin und Heike. Joachim saß ziemlich weit entfernt hinten.
Später, als wir gegessen hatten, gingen wir Jüngeren (Christa, Moni, Kerstin, Heike, Thomas und ich) Eis holen. Zu diesem Zeitpunkt ging es mir noch gut. Ich trank an diesem Abend nämlich nur Valpolicella. Später setzte sich dann Joe zu uns. Er bestellte sich einen Grappa. Ich sagte, ich hätte noch nie Grappa getrunken, und deshalb bestellte er gleich noch einen für mich. Christa sagte, das Zeug schmecke scheußlich. Es roch jedenfalls so. Aber es schmeckte wie irgendein Schnaps. Gar nicht mal so schlecht.
Dann allerdings war es so weit. Ich hatte schon drei Gläser Rotwein getrunken, und dann der Grappa!
Als Joachim, der auch schon ein bißchen zu viel getrunken hatte, mir vorschlug, mal nach draußen zu gehen, hatte ich ziemliche Bedenken, ob ich überhaupt noch laufen konnte. Er sagte wir wollen spazierengehen, und als ich zögerte (nur, weil ich zu viel getrunken hatte), betonte er „nur spazierengehen“. Er konnte sagen, was er wollte, aber das nahm ich ihm nicht ab. Ich bin ja nicht auf den Kopf gefallen.
Natürlich ging ich mit ihm raus. Wir standen draußen bei Günthers Auto und gingen natürlich nicht spazieren.
(- Ich schreibe später weiter, bin jetzt nicht fähig -)
Was dann passierte ist klar, ich werde es natürlich nie vergessen. Aber jetzt bin ich ganz und gar nicht in der Stimmung, darüber zu schreiben.
Anschließend, ungefähr um halb zwei, fuhren wir zu Günther. Joachim und ich blieben noch in Arnos Auto. Ich hatte zwar ziemlich viel getrunken, aber einen klaren Kopf behalten!!! Ich überblickte die Situation ganz genau, denn ich sagte ihm, daß wir beide ziemlich viel getrunken hatten und ich weiß nicht, ob er morgen noch an mich denkt. Er fragte, woher ich das wissen wolle. Aber es war doch richtig!
Wir haben im Auto geschlafen, mir war alles egal, ich war nur müde. Um vier gingen wir zu L. hinein. Die anderen hörten Otto-LP’s. Wir blieben bis halb sechs.
Samstag sah ich Joe überhaupt nicht; wir hatten ein Spiel in Dreieichenhain, aber er hatte was anderes vor. Das Spiel verloren wir 3:0, da wir alle etwas geschädigt waren.
Sonntag schlief ich bis um eins, stand um halb drei endlich auf.
Ich war ausgeschlafen und fühlte mich toll. Kurz vor fünf ging ich zur Großsporthalle, denn die Männer hatten ein Turnier heute.
Ich wußte wirklich nicht, was mit Joe los war. Aber vorerst war das egal. Das erste Spiel war unheimlich spannend. Sie gewannen 3:2. Das zweite dann 3:0. Joachim beachtete mich überhaupt nicht mehr. Auch später im Eigenheim nicht. Auf dem Nachhauseweg machte ich noch einen kleinen Spaziergang. Ich hatte Sekt getrunken, und das spürte ich schon wieder.
Was ich die ganze Zeit unbewußt zurückgehalten hatte, kam jetzt zum Ausbruch. Ich rannte (fast) durch die Straßen, während mir die Tränen übers Gesicht liefen.
Zu Hause mußte ich zuerst einmal zwei Zigaretten rauchen. Schließlich hatte ich das Schlimmste überwunden und legte mir einen Schlachtplan für heute abend zurecht.
Wir sind wieder bei Mario, denn Conny und Toni haben Geburtstag.
Ich fahre mit Conny hin, Joachim auch. Dann muß ich mir etwas Mut antrinken, denn dann tue ich manches, was ich im nüchternen Zustand nicht tun würde. (Das bezieht sich nicht auf die Geschichte mit Joe.)
Ich werde ihn dann fragen, ob er mal mit mir rausgeht, weil ich mit ihm etwas Wichtiges zu besprechen habe. Dann werde ich ihm zeigen, daß ich mir nicht alles gefallen lasse. Einmal ließ ich so etwas durchgehen, aber dieses Mal nicht!!!
Wenn er zu viel getrunken hatte am Freitag/Samstag, dann kann ich verstehen, daß er nicht mehr so genau weiß, was er tut. Im Gegensatz zu mir! Aber am Donnerstag/Freitag im Eigenheim hat er sich schließlich auch mit mir unterhalten und Interesse gezeigt (oder vorgetäuscht?)
Was auch schlimm ist, ist die Tatsache, daß einige andere auch etwas davon mitgekriegt haben. Das könnte meinem Image schaden. Außerdem ist es für mich schon die zweite Enttäuschung innerhalb von zwei Monaten. Das ist zuviel!
Ich hätte in diesem Fall damit rechnen müssen. Aber ich denke dann, es könnte sein, daß ich ihm wirklich gefalle, und warum sollte ich sowas dann nicht tun. Ich gerate immer an solche gemeine Typen. Was soll man da tun?
Ich muß es heute abend tun! Es bleibt keine andere Möglichkeit.

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