August 1978

Mittwoch, 16. August 1978

August 1978

Der Urlaub war ganz nett, wenigstens hatten wir schönes Wetter.
Freitag abend rief Uli an, er war schon aus Offenbach zurück.
Samstag nachmittag fuhr ich mit dem Bus nach Rüsselsheim zu ihm. Ich bekam natürlich auch mein Geburtstagsgeschenk. Eine Jacke, die gleiche wie Uli sie hat, weiß mit etwas blau, ich finde sie süß. Zum Glück hatte Uli das Auto seiner Mutter; wir fuhren später nach Bauschheim, holten Frieda und Sabine ab. Zur Treburer Kerb wollten wir nicht, denn es ist sowieso nichts los. Also fuhren wir in die Stadt, Eis essen und nachher ins „Big“. Uli brachte mich dann nach Hause.
Vor den Ferien hatte er sich die Haare schneiden lassen. Ehrlich gesagt, es sah furchtbar aus. Zum Glück mußte ich diesen Anblick nur am letzten Schultag ertragen. Als ich ihn am Samstag sah, war ich richtig erleichtert, denn sie sind wieder ein Stück gewachsen und das sieht viel besser aus.
Sonntag nachmittag hatte Frieda das Auto seiner Eltern. Er brachte Uli zu mir und holte ihn so gegen sechs wieder ab. Abends mußten sie in Offenbach sein. Sie wollten eigentlich 5 Wochen dort bleiben, aber das erlaubt Sabine nicht.
Ich bin verrückt! Warum? Ich habe mir wieder mal eingebildet, ein Kind zu kriegen, nur weil meine Tage nicht genau nach vier Wochen, sondern 35 Tagen einsetzten. Was aber durchaus nichts Ungewöhnliches ist.
Montag war ich beim Augenarzt. Ich brauche eine Brille. Ausgesucht habe ich sie gestern schon. Nächste Woche ist sie fertig.
Heute habe ich endlich die Bewerbungen geschrieben. Schön gelallt und so, das macht immer einen guten Eindruck. Und wohl auch etwas übertrieben. Grundkenntnisse in Spanisch! Naja. Die Lebensläufe habe ich schon fertig. Ich hoffe, daß ich Glück habe.
Ich bin gerade dabei, einen Rock zu nähen. Weiß keiner außer mir. Heute kam ich auf die Idee. Einen weißen, aus alten Nachthemden. Mit vielen Volants (viel? nur 3). Wenn er zu sehr nach Nachthemd aussieht, wird er gefärbt. Vielleicht schwarz? Mal sehen. Wenn er gut wird, ziehe ich ihn Samstag an. Wäre doch stark!

Montag, 21.08.78

Samstag morgen rief ich Uli an. Er fragte mich, ob ich mit ins Schwimmbad komme. Ich fuhr mit dem Bus hin. Der Nachmittag war ganz gut, aber …
Kurz bevor wir gingen, passierte es. Eigentlich war es gar nichts Schlimmes. Uli kitzelte mich, aber auf so ein ganz gemeine Art und Weise, so daß ich mich nicht wehren konnte. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte ich darüber nur gelacht, aber diesmal ärgerte ich mich, da ich auch das Gefühl hatte, er nehme mich nicht ernst. Ich reagierte also etwas sauer. Das geht bei mir doch schnell wieder vorbei. Ich wollte mit zu Uli gehen. Wir gingen also zusammen die Ringstraßen entlang. Plötzlich sagte er, es sei wohl besser, ich ginge jetzt zum Bahnhof und führe mir dem Bus nach Hause, um einen Streit zu vermeiden, da ich nun mal sauer sei. Das war eine echte Gemeinheit und ich fragte ich wütend, wer gesagt habe, daß ich sauer sei, und er meinte: „Du“. Ich wollte zuerst noch etwas sagen, aber dann hätte es tatsächlich Krach gegeben, und gerade das wollte ich nicht. Deshalb ging ich in Richtung Bahnhof. Uli ließ das alles ganz kalt, er schaute sich nicht mal um.
Natürlich fuhr um diese Zeit – es war 19:45 Uhr – kein Bus mehr. Also hätte ich zu Hause anrufen müssen. So früh! Das wäre aufgefallen. Ich wollte niemandem davon erzählen.
Dann hatte ich die Idee, auf die Rüsselsheimer Kerb zu gehen, aber ersten hatte ich meine Tasche noch mit und zweiten wäre beim Abholen doch ‚rausgekommen, daß ich allein war. Außerdem war ich gar nicht mehr sauer. Ich hatte schon darin das Ende unserer Beziehung gesehen, denn ich hätte ihn bestimmt nicht angerufen, dazu bin ich viel zu stolz.
Um die Sache zu klären, beschloß ich, zu Uli zu gehen. Er war natürlich nicht erfreut, als er mich sah. Er sagte, das sei eine knappe Sache gewesen, denn er wollte gerade Andrea anrufen, um sie zu fragen, ob sie mitgeht. Wenn ich mich nicht mit ihm hätte vertragen wollen, hätte ich etwas ganz gemeines darauf erwidern könne, aber das fiel mir sowieso erst späte ein. Er verhielt sich den ganzen Abend über ziemlich merkwürdig, und ein richtiges Gespräch kam auch nicht auf.
Sonntag fuhr ich mit dem Rad zu Uli. Wir waren zum Kaffeetrinken eingeladen.
Auch jetzt verhielt er sich zurückhaltend und blieb immer auf Distanz.
Frieda und Sabine kamen, und wir setzten uns zum Kaffeetrinken raus in den Garten. Ich fühlte mich wieder etwas besser.
Doch als Friedel einmal ins Haus auf die Toilette ging, redete Uli nur mit Sabine und beachtete mich überhaupt nicht. Das fand ich ganz schön fies, sagte aber nichts. Gleich darauf kam Frieda zurück. Er saß mir gegenüber, und plötzlich kam er auf die Idee, mit den Schuh auszuziehen und mich an den Füßen zu kitzeln. Daraufhin sagte Uli sofort: „Tu das lieber nicht, sonst macht sie mir dir auch noch Schluß.“ Da hat es mir gereicht. Das war doch die Höhe. Ich stand auf, ging ins Haus und schloß mich in die Toilette ein, um mich einmal gründlich auszuweinen. Das tat ich aber dann doch nicht, denn es sollte niemand sehen, und außerdem war ich gerade in der Laune, Uli das alles zurückzuzahlen. Als ich herauskam, waren Frieda und Sabine gerade gegangen. Wir gingen hoch in Ulis Zimmer. Er packte seine Sachen für Offenbach ein. Ich war nun allerdings wieder halbwegs (nein, ganz und gar!) versöhnlich gestimmt.
(Obwohl ich in meiner Wut eigentlich verkünden wollte, daß ich heimfahren werde, da ich bei ihnen wohl unerwünscht sei.)
Zu derartigen Gemeinheiten bin ich letzten Endes wohl doch nicht fähig.
Schließlich haben wir uns nachher doch noch vertragen. Ich werde versuchen, in Zukunft nicht mehr auf Kleinigkeiten sauer zu reagieren.
Nachdem die beiden abgefahren waren, ging ich mit Sabine in die Stadt, Eis essen. Ich finde sie doch ganz nett, manchmal jedenfalls. Wahrscheinlich bin ich nicht kritisch genug. Später rief ich Elke an, um zu hören, ob sie schon aus Skandinavien zurück ist. Wir werden morgen zusammen zur Rüsselsheimer Kerb gehen. Uli werde ich vor Montag nicht sehen, da wir nächstes Wochenende nach Schweinfurt fahren. Das erfuhr ich erst am Sonntagabend. Und da am Samstag in Offenbach Abschlußfeier ist, kommen sie erst nach Hause, wenn ich schon weg bin. Ich werde wohl mal seine Mutter anrufen, daß sie ihm dann Bescheid sagen kann.
Heute habe ich mit dem Führerschein angefangen. Hoffentlich brauche ich nicht allzu lange. Durchfallen werde ich sowieso nicht, schon allein, weil Uli und Frieda sich dann halbtotlachen würden, wie sie mir mitteilten.
Diese Woche fange ich an, Geld zu verdienen. Ich trage Zeitungen aus. 400 Stück. Dafür bekomme ich 10 DM. Nach den Ferien werde ich sowieso wieder Nachhilfestunden geben.

Sonntag, 27.8.78

Aber es ist ein Scheiß-Job, dieses Zeitungsaustragen. Ich habe drei Stunden gebraucht. Damit war klar: ich höre auf. Kündigung habe ich gestern schon abgeschickt. Noch zwei Wochen muß ich es durchhalten. Immerhin verdiene ich dann etwas Geld. Bis jetzt mind. 40 DM. Gestern, als wir schon weg waren, sind auch wieder Zeitungen gekommen. Die muß ich morgen austragen, ganz früh, wenn ich wach werde, oder heute abend (nacht) noch, da weiß aber niemand.
Ich habe ihn wieder gesehen! Den Jungen vom TV Haßloch. Ich hoffte, ihn auf der Kerb zu treffen, und dieser Wunsch ging schließlich auch in Erfüllung.
Elke und ich wollten gerade an den Main gehen, um das Feuerwerk besser zu sehen, da entdeckte ich ihn. Er stand bei ein paar Freunden, mit den Rücken zugewandt. Zum Glück war gerade Gedränge, so daß wir einen Moment lang stehenbleiben mußten. Und in diesem Augenblick drehte er sich um; ich konnte ihm gerade noch zulächeln, wurde aber schon weitergeschoben und sah daher seine Reaktion nicht mehr. Ich glaube aber, daß er mich gesehen hat.
Nach dem Feuerwerk liefen wir noch mal über den Platz, aber das Gedränge war nun so groß, daß wir kaum durchkamen, und zu meinem größten Bedauern sah ich ihn nicht mehr.

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