Juli 1978

Samstag, 1. Juli 1978

Juli 1978

Donnerstag und Freitag haben wir uns nur in der Schule gesehen.
Ich habe Uli gesagt, daß ich eigentlich gar nicht allein ins Eigenheim gehen will, aber daraufhin meinte er nur: „Du wirst hingehen!“ Er versucht aber trotzdem, das Auto von seiner Mutter zu bekommen, um nach Trebur zu fahren.
Gestern abend war ich im Training. Am Montag abend spielen wir bei einem Turnier in Crumstadt. Das haben wir erst vor einer Woche erfahren, obwohl Porky schon im März zugesagt hat. Das finde ich ganz schön blöd von ihm, nicht nur ich, auch alle anderen.
Volleyball-Übungen

Sonntag, 2. Juli 78

Gestern abend sind sie doch noch gekommen, Michael und Uli. Wir haben erst noch ein bißchen bei mir gesessen, dann sind wir ins Eigenheim gefahren. So besonders gut war es nicht, also fuhren wir nach Bauschheim. Dort war aber überhaupt nicht los, und es blieb uns nicht anderes übrig, als wieder zurückzufahren, da Uli das Auto nur bis 11 Uhr hatte.
Wir kamen noch rechtzeitig zum Auftritt von „Aragorn“, einer Band, in der u. a. Joachim H. und Roland L. mitspielen. Sie waren mit Abstand das Beste des ganzen Abends, wie Don Miguel ganz richtig feststellte. Kurz nach zehn gingen wir, d. h . wir fuhren noch mal kurz zu mir. Michael hat noch keine Freundin, aber wie Uli mir sagte (und das hatte ich auch bemerkt) ist er seit einiger Zeit total begeistert von mir. Gestern sagte er, noch ein Monat bis zu seinem Geburtstag, ich meinte, bei mir dauert es nicht mal mehr so lange, daraufhin sagte er, ja ich sei etwas älter als er, schade.
Später machte Uli ihm einen Vorschlag: für zwei Flaschen Cognac bekäme Michael mich. Damit war er aber nicht einverstanden, er sagte, er mache keine Geschäfte mit Menschenhändlern. (Ein Duell wäre schon besser.)
Aber eins ist mir jetzt klar: ich habe zum ersten Mal einen Freund, und schon gibt es deswegen riesige Probleme.
Ich gehe mit Uli, bin aber in Michael verliebt.
Das muß ich genauer erklären: schon als ich Michael das erste Mal sah, gefiel er mir sehr gut. Später erzählte er dann immer von diversen Mädchen, also glaubte ich, es sei bei ihm nichts zu machen. Als das mit Uli anfing, wollte ich es wirklich, aber ich glaube, es war nur so eine Laune von mir. Einerseits gehe ich mit ihm erst zwei Wochen, und jetzt mit ihm Schluß zu machen wäre nicht so schlimm wie später. Andererseits aber bin ich zu alt, um so unüberlegt zu handeln, und außerdem könnte es mir einen schlechten Ruf einbringen, was mich aber nicht stören würde.
Es ist auch unsinnig, wenn ich mit ihm gehe und so tue, als sei ich in ihn verliebt, und quäle mich nur selbst, da ich doch in Michael verliebt bin. Allerdings darf ich nicht so egoistisch sein und muß auch an Uli denken. Vielleicht könnte ich das Ganze so nach und nach abkühlen lassen, so daß er mit der Zeit merkt, was los ist. Vorhin rief er an und sagte, ich solle früher kommen, da wir noch ins Kino gehen werden. Ich glaube nicht, daß Michael auch mitkommt, und das ist äußerst schade.
Irgendwie bin ich erwachsen, aber in anderer Beziehung überhaupt nicht. Ich weiß nicht, was ich will. Vielmehr weiß ich es jetzt sehr genau, aber es stehen so viele Hindernisse im Weg. Ich kenne niemanden, den ich um Rat fragen könnte, also muß ich allein damit fertig werden.

Montag, 3.7.78

Turnier gewonnen! Großer Erfolg! Als Preis Urkunde, Sekt und Volleyball!

Mittwoch, 5.7.78

Sonntag nachmittag trafen wir uns bei Uli, aber Michael war nicht da. Wir gingen dann ins Kino.
Schon vorher verhielt ich mich etwas zurückhaltend, und Uli fragte mich, was los sei, ich sagte, ich weiß es nicht. Auf dem ganzen Weg redeten wir nicht mehr miteinander. Im Kino auch nicht. Ich war ziemlich fertig, mir kamen sogar Tränen, zum Glück war es dunkel. Aber nach und nach wurde mir klar, daß das ganze doch Unsinn ist, und ich guckte öfters mal zu ihm rüber. Er fragte mich dann, ob ich noch sauer sei, ich sagte nein, dann war alles wieder o.k.
Nach dem Film fuhr ich mit Ute und Marita nach Hause.
Denn keiner hatte ein Auto dabei, und ich kann nicht immer abgeholt werden. Dann sahen wir uns nur in der Schule. Heute abend will Uli mal vorbeikommen.
Heute habe ich Michael wiedergesehen, nachmittags beim Fußball.
Es stimmt doch noch, was ich Samstag und Sonntag dachte: daß ich in ihn verliebt bin. Sonntag abend dachte ich zwar anders darüber, doch das hat sich jetzt wieder geändert.

Mittwoch, 12.7.78

Das stimmt nicht. Ich bin doch in Uli verliebt. Anfangs hatte ich manchmal sogar eine gewisse Abneigung gegen ihn, aber jetzt nicht mehr.
Samstag war Schulfest, Uli und Frieda verkauften heißen Apfelwein.
Vorher hatten wir schon Fußball gespielt. 5 Leute von unserem Deutschkurs. Barbara und ich spielten auch mit. Auf der Disco war nicht viel los, also gingen wir in die Stadt ins „Big“ am Löwenplatz.
Sonntag wollten wir uns bei Uli treffen, aber mir war morgens schon schlecht und ich hatte Durchfall und fühlte mich auch sonst ziemlich krank. Also rief ich Uli an und sagte ihm, ich könne nicht kommen.
Er sagte, das sei gut, da er dann Mathe lernen könne und sagte, dann sehen wir uns morgen.
Gegen abend ging es mir wieder etwas besser, besonders nachdem ich heiß geduscht hatte. Ich war gerade wieder nach unten gegangen, als Uli kam. Das war natürlich eine Überraschung für mich, da er nichts davon gesagt hatte.
Wir haben jetzt nicht mehr ganz eine Woche Schule. Zum Glück! Ich freue mich sehr auf die Ferien. Aber ich muß bald Bewerbungen schreiben, und das ist weniger angenehm.
Dieses Halbjahr war ich auch schlechter in der Schule. In 12,I hatte ich einen Durchschnitt von 2,7, jetzt wird es wohl ungefähr 3 werden.

Montag, 17.7.78

Ich bin sehr glücklich.
Samstag wollten wir uns bei Uli treffen. Ich war schon dort, als Michael kam. Frieda und Sabine erschienen nicht. Wahrscheinlich gab’s mal wieder Krach, denn Uli und Frieda wollen in den Ferien für 4 Wochen nach Offenbach gehen und dort Kinder betreuen.
Also gingen wir drei los, zu den Amis, die hatten „Tag der offenen Tür“. Es war ziemlich viel los. Das wichtigste aber: es wurde Volleyball gespielt. Ein paar Amis spielten gegen den TV Haßloch. Daß es die Haßlocher waren, wußte ich gleich, denn den einen Typen kannte ich schon vom Volleyballturnier in Trebur. Ich war so froh, ihn zu sehen. Wir saßen eine ganze Zeit draußen und schauten zu, fast bis zum Ende. Ich war dermaßen glücklich, daß ich ihm dauernd zulächeln mußte. Das bemerkte er natürlich nach einer Weile, und schließlich schaute er, wenn es möglich war, zu mir herüber und lachte mir zu.
Ich finde das alles so toll. Das Problem ist nur: wann werde ich ihn wiedersehen? Denn wenn der TV Haßloch nicht mehr in der gleichen Gruppe spielt wie die Treburer, dann kommen sie wohl kaum nach Trebur. Das nächste Problem ist, daß ich ja einen Freund habe. Aber das sehe ich zunächst nicht als Problem an, denn ich habe diesen Jungen noch nicht mal kennengelernt. Vielleicht sehe ich ihn erst nächstes Jahr wieder. Abends waren wir im „Big“. Andrea R., die Zwillingsschwester von Aki und frühere Freundin Ulis, war auch da. Die beiden haben sich ausgezeichnet unterhalten, während ich öfters mit Michael tanzte.
(Heute abend war Uli da, jetzt ist es 22:20 Uhr).
Sonntag waren wir zur Geburtstagsparty von Michael G.s Schwester eingeladen. Sie fand am Bauer-See statt. Frieda fuhr, wir holten Michael ab, Andrea durfte nicht mitkommen. Joachim H. und Arno H. waren da, außerdem Olaf und Ralf S., und später kamen noch einige mir unbekannte Typen. Es wurden Würstchen gegrillt, und Don Miguel hatte mal wieder zu viel gefressen. Er und Uli kletterten dauernd an den mehr oder minder steilen Uferwänden herum. Daß diese aus Sand bestanden, machte das Ganze noch verlockender, und ein weiteres Risiko stellte das sich direkt darunter befindende türkisgrüne (Kieselalschen!) Wasser dar.
Gegen halb neun wurden die Zelte abgeschlagen (bildlich gesprochen). Es lohnte sich nicht mehr, ins „Big“ zu gehen, da Sabine um zehn zu Hause sein mußte. Daher schlug sie vor, im Bauschheimer Wald spazierenzugehen. Keine besonders gute Idee, denn es gab einige Schnaken. Ulis Hände sind total verstochen, ich aber fand keinen einzigen Stich! bei mir!
Sabine war wegen Offenbach sowieso sauer. Am Freitag müssen die beiden den ganzen Tag deswegen zu einem Seminar. Sabine sagte zu Frieda im Auto, bevor sie ausstieg, das könne er ihr doch nicht antun. Frieda meinte, er könne doch abends noch mal vorbeikommen, sie führe doch erst am Samstag morgen (2 / halb 3) weg. Doch Sabine muß schon um 8 Uhr ins Bett. Sie drückte noch mal auf die Tränendrüse, aber es nutzte nichts, da Uli ganz cool verkündete, sie müssen bei diesem Seminar erscheinen, da das die Voraussetzung für die Kinderbetreuung sei. Damit war die Sache gelaufen.
Dieses Mädchen ist wirklich nicht normal. Heute wartete sie in der ersten Pause auf Frieda. Sie stand bei uns, aber das einzige, woran sie dann denkt, ist, ob er jetzt bald kommt und warum er noch nicht da ist etc.
Als er dann endlich erschien, gab sie ihm einen Brief. Das war ja der Hit! Sie hat ihm einen Brief geschrieben, obwohl sie ihm das alles auch hätte sagen können.
Ich glaube, sie ist verrückt.

Donnerstag, 27.7.78

Seit gestern morgen sind wir in Tiefenbach. Es ist ganz nett hier, aber durchaus nicht aufregend.
Ich hoffe aber, hier Gelegenheit zu haben, etwas abzunehmen. Erstens durch die Wanderungen und zweitens durch weniger essen.
Morgen muß ich dann allerdings eine Ausnahme machen, denn es ist mein Geburtstag und wir werden essen gehen. Einen Teil meiner Geburtstagsgeschenke bekam ich schon: von Oma Geld, dafür kaufte ich mir eine große Tasche, von Tante Ursel drei LP’s (Beach Boys, Genesis, Kansas), von meinen Eltern einen Sparvertrag über 3600 DM (das Geld bekomme ich in 7 Jahren) und ein Paar Levis (Größe 27/34!!!). Nach dem Urlaub werde ich dann noch einiges bekommen, von Ute, Tante Marianne und Onkel Heinz und natürlich von Uli.
Ich werde ihn erst am Wochenende sehen, da er dann noch in Offenbach ist. Seit wir hier sind, merke ich, daß ich doch ein bißchen in ihn verliebt bin. Ich wäre viel lieber mit ihm zusammen. Und wenn ich mir mal die Jungs hier ansehe, dann hat das nichts weiter zu bedeuten. Ich habe zwar immer geglaubt, ich könnte ihm „untreu“ werden, d. h. mit einem anderen öfters zusammensein und weggehen, aber das kann ich doch nicht tun. Obwohl es eigentlich ganz nett wäre, jemanden kennenzulernen. Sonst werde ich meine Kondition verbessern, mich erholen und hoffentlich etwas braun werden.

Abgelegt unter:

Top