Mai 1978

Donnerstag, 4. Mai 1978

Mai 1978

Ich bin wirklich verrückt. Ehrlich. Vor ein paar Jahren wäre das vollkommen normal gewesen. Aber jetzt doch nicht mehr.
Steffen ist mir gleichgültig. Ich bin verliebt. Seit Montag, dem 1. Mai. Verrückt. Nur weil ich sein Bild in der Zeitung gesehen habe.
Wir waren bei Michael zur Kommunion eingeladen. Bei Oma in der Zeitung sah ich sein Foto und war sofort total hingerissen. Es ist nicht zu fassen. Wer? Es ist Rüdiger A., Fussballspieler bei FC Schalke 04, und Nationalspieler. Gestern kaufte ich mir die Hörzu, nur um sein Bild zu kriegen. Nun befindet es sich in meinem Geldbeutel. Gestern (toll!) war in der Mainspitze ein Bericht über die Nationalspieler, die zur Zeit in Malente sind. Mit Photo! Und wer ist darauf zu sehen? Rüdiger A. mit R. und B. Das muß ich mir noch ausschneiden.
Wenn ich zur Lufthansa komme, muß ich auch nach Köln, und das freut mich am meisten. Denn dann bin ich ganz in seiner Nähe. Er hat ein Sportgeschäft in Gelsenkirchen (?), zwei Brüder, und zur Zeit keine Freundin. Ich freue mich auf die Fußball-WM, denn dann werde ich ihn oft sehen, wenn auch nur im Fernsehen. Morgen sehe ich ihn vielleicht, in einer Sportsendung für Jugendliche in einem Film vom Training in Malente. Hoffentlich!

Sonntag, 14.5.78

Damit (Rüdiger A.) ist es jetzt vorbei! Zum Glück.
Dänemarkfahrt war ganz toll.
Ganz kurz ein Bericht:
Klassenfahrt Dänemark 1978
Samstag, 6.5.
Ankunft 15:00 Uhr. Abends in unserem Haus. 8 Personen. Heike, Annette, Ilona, Geli, Karoline, Gabi, Conny und ich.
Sonntag
Vormittag frei. Nachmittags Strandwanderung. 20 km! H. ist wahnsinnig! Mit einigen getrampt. Karoline und ich zusammen. Spaß gemacht. Abends mit ihr und Gabi bei Uli, Frieda, Kirk, Erwin, Holger T., Völki. Alles Chaoten, aber toll. Morgens 4 Uhr Volleyball gespielt. I.: zu laut. Weitergespielt. H. kam raus, nahm Ball mit, wir mußten in unsere Häuser.
Montag
Tagestour. Im Bus Anspielung auf das Ereignis am Morgen. Ab sofort um 24 Uhr in eigene Häuser, spätestens um halb eins im Bett. Besichtigung: Schloß, dann in Skive einkaufen, dann Freilichtmuseum. Abends mit Conny in 424 (s. Sonntag). Lehrer kamen nicht, wir gingen trotzdem rechtzeitig.
Dienstag
Frei. Nachmittags mit Karoline nach Ringköbing getrampt. Einkaufen. Abends mit Conny in 424.
Mittwoch
Fahrt mit Fischkutter. 4 Stunden. Nicht seekrank. Nur sehr kalt. Abends Fischessen bei H. + I. Ich habe keinen gegessen, war aber trotzdem dort. 424er auch. Dann Volleyball gespielt. Noch mal kurz rein, um etwas zu trinken. Unser Haus war eingeladen zum Pizzaessen bei Olaf, Ralf, usw. Geli und Ilona kamen, sagten, Pizza sei fertig. Ich ging hin, aber es war nichts mehr übrig. Kaffee getrunken, sehr langweilig. Mit Conny noch mal rüber zu 424. Conny war müde, deshalb ging sie früher. Zuletzt nur noch Frieda, Uli und ich. H. und I. kamen (ohne Vorwarnung!). Hinauskomplimentiert.
Donnerstag
Tagestour. Hügelgräber, Kirche, sehr langweilig und außerdem kalt.
Abends wie gewöhnlich. I. kam von hinten, klopfte ans Fenster. Wir sofort raus, Uli sagte, links ums Haus rum, I. kam uns entgegen. Nicht so schlimm, wir in unser Haus, warteten, bis er reingeschaut hatte, dann gingen wir wieder in 424. Um zwei Uhr Eier gegessen. Bis halb 5 ausgehalten.
Freitag
Wanderung freiwillig. Deshalb nicht mitgegangen. Bis 12:45 geschlafen. Geduscht. Conny ging in 424. Ich blieb noch da. Dann kamen Uli und Kirk, um irgendwas zu fragen. Ich ging mit. Wir tranken zuerst Kaffee (ganz toll, schön schwarz), dann aßen wir Serbische Bohnensuppe. Später gingen wir zusammen einkaufen. Dann Kofferpacken. Wir waren bei ihnen zum Essen eingeladen. Hamburgers mit Reis, Hühnersuppe und Eis. Mit Conny und Monika gespült. Dann rüber zu uns, noch mal gespült und etwas gesaugt. Mit Koffern in 424. Noch etwas zusammengesessen. Abfahrt ungefähr Mitternacht. Im Bus mit ihnen zusammengesessen. Konnte nicht schlafen, da zu wenig Platz. Morgens Rast mit Kaffeetrinken. Ankunft halb eins mittags.

Mittwoch, 17.5.78

Ich bin froh, daß ich doch mit nach Dänemark gefahren bin. Die Woche war einmalig toll. Obwohl die Typen (siehe letzte Seiten) alles Chaoten sind, war und bin ich gern mit ihnen zusammen. Es war scheußlich, als wir dann in Rüsselsheim ankamen. Zuhause war mir ganz übel, fast schwindlig, die seelischen Schmerzen wirkten sich sogar körperlich aus. Nach und nach wurde es aber besser. Am Dienstag trafen wir uns alle noch einmal in der Pause. Und auch danach ab und zu, wenn auch nicht alle gleichzeitig. Sonst bin ich noch mit Elke zusammen, aber nicht mehr so oft, und das mag ganz gut sein.
Andreas F., genannt Frieda oder Friedel: geb. 6.12.58 hat eine Freundin namens Sabine (15).
Ulrich L., genannt Uli, geb. 19.6.59
Einmal fragte Uli mich: Sag mir, wen liebst du? Dabei kommt es auf das Komma an. Ich hatte es vorher schon im Bus gehört und wußte die richtige Antwort: Wen liebst du? Dann fragte aber Frieda wirklich danach. Ich wollte es nicht sagen. Ich wußte es auch nicht. Uli fragte dann: a) anwesend b) abwesend oder c) nicht existent. Ich bin nun mal so ehrlich und sagte c), aber er glaubte mir wohl nicht und meinte später, daß wohl a) eher zuträfe. Nämlich Frieda. Ich wolle ihm wohl die Freundin ausspannen. Er hätte verschiedene Anzeichen bemerkt. Ich sagte, das sei Quatsch und ich wolle Beweise. Ich mag ihn und die anderen wirklich sehr, aber ich bin nicht in ihn verliebt. Und wenn, dann wäre ich nie so fies und zerstörte seine Beziehung zu seiner Freundin.
Heute nachmittag war ich in der Volleyball-AG. Uli war natürlich da. Frieda ausnahmsweise nicht, Kirk kam später, sonst noch einige aus der 12., die anderen sind jünger. Natürlich war es ganz toll, wie Volleyball eben immer ist.
Als ich rausging, traf ich Uli. Wir unterhielten uns noch kurz. Er fragte, ob ich am Samstag mitkäme nach Bauschheim zum „Treff“. Ich sagte: ja, gern. Morgen hat er erst um halb 12 Unterricht, daher meinte er abschließend: Vielleicht sehen wir uns morgen.
Meine Adresse weiß er übrigens jetzt auch. Im Bus vor der Ankunft wollten er und Frieda wissen, wo ich wohne. Sie wußten nur Trebur. Ich sagte es ihnen natürlich nicht. Deshalb fragten sie Ulrich S., aber der hatte das zum Glück nicht richtig gecheckt und sagte nur Trebur. Aber es ist ja auch kein Problem, im Telefonbuch nachzusehen.
Vor genau einem Monat hatte ich mich verliebt. Damals wußte ich nur, daß er Harald heißt und tolle braune Augen hat. Jetzt weiß ich mehr. Er heißt Harald H., irgendjemand hat ihn mal „Brathendel“ genannt. Das paßt gut.
Jedenfalls ist er ein Schleimi, hat bei jeder Veranstaltung mitgemacht, und war natürlich pünktlich im Bett. Am letzten Tag kam er zu 424 und wollte den Staubsauger. Sie brauchten ihn aber selbst noch, und deshalb zog er ziemlich sauer wieder ab. Bei der Ankunft begrüßte er seine Mutter mit einem Küßchen. Da kann man nur sagen: Schleimi.
Nun ist dieses Tagebuch auch schon gefüllt. Und diesmal umschließt es wirklich ein Kapitel. Ein neues fängt jetzt an. Die Dänemarkfahrt hat mich ziemlich verändert.
Zum Geburtstag werde ich mir gute Musik schenken lassen, LP’s von Emerson, Lake & Palmer, Genesis, Santana, Pink Floyd zum Beispiel. Aber was noch wichtiger ist: ich habe jetzt Freunde, das bedeutet mir viel mehr als ein Freund.
Säck (Holger G.) meinte gerade heute zu mir, ich sei so aufgeweckt zurückgekommen. Jedenfalls macht mir jetzt alles sehr viel mehr Spaß.
Das ist das Wichtigste.
Ende.
Schluß.
Auf ein neues.
Ein neuer Anfang.
Mit einem neuen Tagebuch.
The deepest
feeling always
shows itself
in silence

Mittwoch, 24.5.78

Heute fühle ich mich genauso gut wie vor einer Woche. Doch dazwischen lag eine abwechslungsreiche Zeit.
Donnerstag und Freitag sah ich die anderen natürlich in der Schule. Samstag laufen wir, d. h. die Mädchen, zur Ebert-Halle. Diese Mal aber ging ich gerade ‚raus, und Uli und Frieda standen draußen. Uli sagte, daß er mit dem Auto da sei, und fragte, ob ich mitfahren wolle. Was ich natürlich gern tat.
Im Volleyballkurs waren wir (allerdings zufälligerweise) in einer Mannschaft, und zwischendurch spielten wir mit einigen anderen im Kreis.
Nachmittags kurz nach fünf kam Uli, um mich abzuholen. Es fuhr sonst niemand mit uns. In Bauschheim fuhren wir zum Treff. Aber so ein Pech! Nur alle zwei Wochen ist dort Disco. Wir warteten auf die Kriegskameraden, die mit dem Bus kommen wollten. Als sie aber nach einer Weile immer noch nicht da waren, fuhren wir zu einer Telefonzelle. Von dort aus rief Uli einen Typen an, einen von den Kriegskameraden. Er war aber nicht zu Hause. Wir überlegten, was wir tun könnten. Da uns aber nichts einfiel, schlug Uli vor, zu Sabine zu fahren, die ganz in der Nähe wohnt. Frieda war auch da. Natürlich. Sabine meinte, wir könnten nach Rüsselsheim fahren und ins „Candy“ gehen. Das taten wir dann auch. D. h. wir waren gerade auf dem Weg vom Parkplatz aus, als wir einen Typ trafen. Er fuhr mit dem Rad nach Flörsheim, in die Stadthalle zur Disco. Er sagte, daß es wohl noch zu früh sei, um ins „Candy“ zu gehen, denn es war erst kurz nach sieben.
Daher entschlossen wir uns, ebenfalls nach Flörsheim zu fahren.
Ganz ehrlich, der Abend war nicht so besonders toll. Wir saßen ganz hinten. Und keiner von uns tanzte. Doch das hatte ich gar nicht erwartet:
Als ich zu Hause war, fühlte ich mich gleich so mies.
Montag war es wieder besser. In der Pause waren wir wieder zusammen, und einmal ging ich raus zu den anderen.
Doch gestern war es ganz mies. Uli beachtete mich überhaupt nicht. Ich dachte mir natürlich, es ist wegen Samstag. Und deshalb war ich auch sauer auf ihn. Das Wetter entsprach auch meiner Stimmung. Den ganzen Tag goß es in Strömen.
Als ich mit dem Bus nach Hause fuhr, war ich den Tränen nahe. Obwohl das eigentlich Quatsch ist, sagte ich mir immer wieder. Denn viel schlimmer wäre es, wenn ich in ihn verliebt wäre, aber das bin ich nicht. Trotzdem war ich ziemlich fertig. Genau wie im Winterurlaub, als Jürgen abends nicht kam. Normalerweise bin ich gar nicht so empfindlich, aber in dieser Richtung eben doch.
Heute morgen war ich natürlich auch noch sauer und redete nicht mit ihm. Er übrigens auch nicht mit mir. Mir war auch klar, daß ich nicht mit zu der Party kommen würde, was er mir angeboten hatte. Denn am Montag in der Pause standen wir zusammen, und Völki sagte, als das Gespräch auf die Party kam, daß ich auch hingehen werde oder soll, und Uli sagte nichts weiter. Dann ging es um seine Geburtstagsparty, und wieder meinte Völki, daß ich kommen solle, und ich meinte, das weiß ich nicht, und Uli sagte abweisend, daß das eine Asketenfeier sei. Natürlich war mir klar, daß ich nicht erwünscht war.
So weit also bis heute morgen. Dann hatten wir wieder mal zwei Stunden Deutsch. Am Ende sagte I., daß einige Leute überhaupt nichts sagen (zum Beispiel ich) und plötzlich meinte Uli: „Bei dieser Gelegenheit kann man Salomon zitieren: ‚Der Weise verbirgt sein Wissen!'“ Das war ehrlich ein Volltreffer, wir mußten alle darüber lachen. In der Pause stand ich bei Elke. Uli war sicherlich draußen. Doch dann kam er herein. Er stand bei einer Gruppe von Jungen. Ich ging zum Papierkorb, um meinen Brotbeutel wegzuwerfen. Als ich zurückging, sagte er zu mir, daß ich ja immer noch keinen Rock anhabe (ich hatte es ihm versprochen, aber nur bei gutem Wetter). So kam es dazu, daß ich doch wieder mit ihm redete. Er sagte, daß K. heute wahrscheinlich kommen werden, und er werde ihn mal wegen der Party fragen, und wie es am Samstag mit mir ist, und ich sagte, ich weiß noch nicht. Kurz vor zehn ging er in den Henninger, denn er schwänzte Englisch. In der zweiten Pause war ich zuerst auf der Toilette, und als ich ins Foyer kam, war Uli nicht da, daher ging ich zu Elke, die gerade mit Völki redete. Das ist sowieso ein Typ. Am Dienstag morgen sagte er zu mir, Uli hätte wohl ein Auge auf mich geworfen! Darüber kann ich nur lachen. Und heute meinte er, Uli sei wohl nicht hier, denn sonst wäre ich wohl bei ihm. Das stimmt aber ganz und gar nicht. Später, so um viertel nach zwei, ging ich in die Sporthalle, ich zog mich um und schaute dann noch eine Weile beim Fußball zu. K. (Michael) war auch, ich sah ihn und erst später kriegte ich so mit, wer er ist.
Um fünf Uhr kam der Hausmeister, und wir mußten leider aufhören.
Als ich rauskam, stand Uli schon draußen bei Kirk. Wir gingen ein Stück zusammen. Mit der Party am Samstag ist es nichts, wir gehen nach Bauschheim zur Disco. Uli sagte, er weiß noch nicht, ob er das Auto von seiner Mutter bekommt, wenn nicht, muß ich mit dem Bus fahren. Aber das ist nicht so schlimm. Hauptsache, daß ich mitgehe.
Allerdings ist heute etwas blödes passiert. Letzten Donnerstag kaufte ich mir ein Päckchen Zigaretten, nur mal so zum Probieren. Heute hatte ich es noch in meiner Sporttasche, und Dolly holte es heraus und fetzte es unter der Eckbank. Meine Eltern haben es natürlich gesehen, und fragten, ob ich rauche, aber ich sagte nein. Das kann man von zwei Seiten sehen. Einerseits rauche ich, andererseits nicht, denn nach diesem Päckchen höre ich auf, da mir bei jeder Zigarette so schwindlig wird. Eigentlich habe ich nur angefangen, da ich glaubte, ich würde dann nicht mehr so viel essen und ein bißchen abnehmen. Denkste! Genau das Gegenteil. Nach jeder Zigarette muß ich etwas essen, um den blöden Geschmack loszuwerden. Ich bin froh, wenn ich sie alle geraucht habe. Ehrlich.

Donnerstag, 25.5.78

Heute war Feiertag. Zum Glück!
Tagsüber nichts Besonderes.
Abend, kurz nach acht, hörten Ute und ich noch die Hitparade International. Plötzlich sagte sie zu mir: „Guck mal rau, da unten steht so ein goldenes Auto mit schwarzen Streifen, und ein Typ sitzt da drin, der hat eben hoch geschaut.“
Ich dachte gleich, das kommt mir doch so bekannt vor, gucke bei mir aus dem Fenster – tatsächlich, es ist Holger G. Ich frage mich, was will der bloß, und gehe in den Flur, da klingelt es schon. Holger und Uli sind es. Ich lasse sie herein und gehe dann hinunter. Wir reden kurz unten an der Haustür, dann gehen wir hoch, zuerst ins Eß- bzw. Wohnzimmer, kurze Begrüßung von Mutti und Papa, dann verziehen wir uns in mein Zimmer. Holger hat eine Jazz-Platte dabei, wir hören uns ein Stück an. Sonst unterhalten wir uns über alles mögliche, z. B.: vor ein paar Jahren hat eine Abschlußklasse einen Film über unsere Schule gedreht und die Lehrer ganz schön durch den Kakao gezogen. Das wollen jetzt einige von unserem Jahrgang wieder mache, ich werde wohl auch dabei sein. Es soll ein richtiger Film werden, d. h. mit rotem Faden, ungefähr eine Stunde Länge. Holger meinte dann, daß bei dieser Gelegenheit das Projekt Innenstadt verwirklicht werden könne.
Vorgeschichte: An einem Abend fuhr er nach Hause. Er stellte das Auto in die Einfahrt, stieg aus, und wurde plötzlich von zwei Gestalten links und rechts gepackt, zu einem Auto gebracht und entführt. Er bekam natürlich einen Schreck, doch die Gestalten mit Lederhüten waren Uli und Frieda. Sie hatten ihn entführt, weil er zu einer Verabredung mit ihnen nicht gekommen war.
In der Rüsselsheimer Innenstadt soll nun eine Entführung stattfinden. Alles gespielt, of course. Das Lustige dabei sind natürlich die dummen Gesichter der Augenzeugen.
Diese Idee ist formidable!
Kurz nach halb zehn gingen die beiden wieder.
Ich saß dann noch einige Zeit im Wohnzimmer.
Mutti meinte, ich gefalle Uli wohl. Dasselbe hatte Völki schon gesagt. Und sie fragte mich, wie ich ihn finde, und ich antwortete, ganz nett. Und dann sagte ich noch, daß das alles Quatsch sei, und Holger war ja schließlich auch da. Daraufhin sagte sie, wohl nur, weil er ihn gefahren hat. Das alles freut mich natürlich sehr, und ich fühle mich geehrt (Blödsinn!), aber meiner Meinung nach trifft das nicht zu. Was die Leute immer nur denken! Beispiel: Mutti erzählte mir, daß Wolfgang D. (18 oder 19) eine Freundin hat, daß sie gut zusammen passen etc. und meinte, wenn die beiden heiraten, ist es ganz gut. In dieser Hinsicht ist sie schon noch altmodisch. Wer denkt denn in so einem Alter schon an Heiraten!?!
Zum Beispiel: Marianne L., so alt wie ich, hat einen Freund, der soll genauso still und zurückhaltend und brav sein wie sie selbst, und Mutti meinte, die beiden bleiben wohl zusammen. Wahnsinn. Genauso wie bei Ilona und Angelika, die haben seit langer Zeit schon Freunde und es steht ziemlich fest, daß sie diese heiraten wollen. C’est bête! Mais c’est la vie.
An so etwas denke ich überhaupt noch nicht. Ich habe noch viel Zeit. Oder wie der Franzose sagen würde: J’ai beaucoup de temps.

Dienstag, 30.5.78

Die Ereignisse der letzten Tage ganz kurz:
Samstag:
Party bei Frieda. Eigentlich mit acht Personen. Nur Frieda, Uli, Sabine und ich, da K. Hausarrest hatte. Lutz kam erst später mit einem Typ von unserer Schule. Ich konnte nur bis 12 bleiben, wegen Abholen.
Sonntag:
Nachmittags trafen wir vier uns bei Uli. Dann nach Bauschheim ins Treff, dort gab es Maibowle. Wir saßen die ganze Zeit über draußen, bis etwa kurz vor zehn. Die Schwester von Sabine, Barbara, war inzwischen mit ihrem Freund gekommen. Sie fragte mich, ob ich mit Uli gehe, und als ich das verneinte, fragte sie warum nicht. Darauf antwortete ich ihr, das sei eine blöde Frage, und die könne ich nicht beantworten. Sie hatte das gedacht, weil wir die ganze Zeit zusammen sind.
Ich finde das ehrlich gesagt belustigend. Früher habe ich mir immer gewünscht, einen Freund zu haben, so wie Uli jetzt ein Freund von mir ist. Aber damals hatte ich sehr wenig Kontakt zu Jungen, heute ist es so, daß ich wohl öfters das einzige Mädchen unter den Jungen sein werde, wie zum Beispiel bei unserem geplanten Dänemark-Erinnerungs-Treff. Aber ich wäre manchmal sowieso lieber ein Junge. Ich bin nämlich nicht ganz normal.
Was ich noch nicht geschrieben habe: seit Dänemark habe ich einige Spitznamen: Queen of Noise (nach einem Song der Runaways. Schrecklich!) und später Mona Lisa.
Am Samstag feiern wir bei K., dann bei mir, am 26. bei Uli.
Ich möchte dieses Jahr noch den Führerschein machen. Das Geld habe ich schon, auf der Sparkasse. Also müßte es klappen.

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