Dezember 1977

Freitag, 9. Dezember 1977

Dezember 1977

Diese Woche habe ich Udo nicht gesehen. Das heißt, er könnte schon im Bus gewesen sein, aber ich sah ihn nicht und später stieg er dann nicht mehr ein.
Vor einiger Zeit hatte ich einen Traum, an den ich mich noch gut erinnere:
Ort der Handlung war unsere Schule. Massen von Schülern standen sowohl auf dem Schulhof als auch drinnen. Ich drängte mich durch die Menschenmenge und suchte Udo. Ich sah Michael mit ein paar Freunden. Er erkannte mich auch und es schien, als wolle er mir etwas sagen, ich aber drehte mich schnell um und lief weiter. Dann sah ich Udos Freund, ihn selbst fand ich jedoch nicht.
Analyse:
Traumsymbol: Gehen. Ich weiß also nicht, in welche Richtung und wie das Leben weitergeht. Das zeigt sich auch deutlich im Herumirren. Wie es weitergeht: im Traum hing es davon ab, ob ich Udo finde, in der Realität bedeutet es, daß mein weiteres Leben davon abhängt, ob Udo mein Freund wird oder nicht. Im Traum bin ich auf der Suche nach ihm. In Wirklichkeit suche ich nicht ihn, sondern eine Möglichkeit, um ihn kennenzulernen. Sein Freund könnte, da er auch im Traum erschien, eine Rolle als Schlüsselposition spielen. Hätte ich ihn gefragt, dann hätte er mir vielleicht sagen könne, wo ich Udo finde.
Die Szene mit Michael bedeutet, ich habe erkannt, daß es aussichtslos wäre, sich in ihn zu verlieben, denn er ist erst 14. Daher wende ich mich von ihm ab, um einer Enttäuschung vorzubeugen.

Sonntag, 18.12.77

Eine große Neuigkeit. Ich bin wieder mal verliebt! Dieses Mal aber in einen ganz neuen Jungen. Doch zuerst beginne ich bei Udo. Wenn mir jemand gefällt, kann ich mir nicht vorstellen, daß er mich später nicht mehr interessiert. Aber so ist es mit Udo. Vielleicht deshalb, weil ich ihn lange nicht mehr gesehen habe.
Daraufhin war ich ein bißchen in Aki verliebt. Er ist bei mir im Sportkurs, und ein paarmal waren wir in der gleichen Mannschaft und ich stellte ihm immer die Bälle zum Schmettern. Außerdem war der Rest unseres Englisch-Kurses am Freitag mit der O. im Café, Aki war natürlich auch dabei. Am Samstag hoffte ich, daß ich wieder mit ihm in einer Mannschaft spielen würde, aber es klappte nicht. Es war mir auch irgendwie gleichgültig. Unsere Mannschaft war nicht besonders gut (die Stars waren ziemlich alle in einer Mannschaft: Aki, Jutta, die kann ich überhaupt nicht leiden, sie ist ziemlich überheblich). Aber in meiner Mannschaft war Andreas. (Ich erwähnte ihn schon am 12.11., aber bis jetzt war er nicht besonders wichtig). Die anderen spielten zuerst, und wir übten Zielpritschen auf den Basketballkorb. Als ich gerade den 5. Treffer erzielte, meinte Andreas: „Das gilt aber nicht.“ , und ich sagte, aber sicher und das war schon der 5., was er mir allerdings nicht glaubte. Dann spielten wir. Wie gesagt, unsere Mannschaft war nicht gerade die beste, trotzdem gewannen wir. Einmal stand ich auf Position 6, und ein Ball kam an, genau zwischen 2 und 3, also eigentlich für vorne, aber als ich bemerkte, daß keiner drangehen wollte, mußte ich natürlich einspringen. Tatsächlich bekam ich den Ball noch, aber nur indem ich mich auf die Knie fallen ließ. Das kommt sonst meistens nur bei den Spitzenstars vor, die anderen klatschten, was natürlich sehr ermunternd ist. Später stand ich vorne auf 2, und 3 stellte mir einen Ball, den ich schließlich auch so halb und halb drüber schmetterte. Ich konnte mich nämlich zuerst nicht entschließen loszulaufen und zu springen. Aber wieder Beifall von den anderen. Wir gewannen 13:8. Draußen mußte ich noch warten, da ich abgeholt wurde. In dieser Zeit kam Andreas mit seinem Mofa raus. Ich lachte ihm zu, er mir auch, und dann fuhr er schon weg.
Nächste Woche werde ich ihn kaum noch sehen. Morgen haben wir (12) Wandertag, aber wir, LK Deutsch, feiern erst am Nachmittag. Dienstag haben wir 4 Std. Schule und anschließend Kurswahl und am Mittwoch 3 Std. und dann endlich Ferien! Donnerstag fahren wir dann in Winterurlaub. Ich freue mich schon sehr. Noch 3 Tage aushalten! Viel zu lange.

Samstag, 24.12.77

Seit Donnerstag sind wir hier in Tiefenbach. Gestern waren wir Skilaufen, ich finde es ganz toll. Doch gestern abend fing es dann an zu regnen und es ist ziemlich warm und hat getaut. Doch warm war es schon seit einiger Zeit und ich glaube, daß es bald Schnee geben wird. Sonst ist hier nicht viel los. Ich hatte gehofft, ein paar Leute in meinem Alter kennenzulernen, aber bis jetzt ist noch nichts daraus geworden. Heute nacht träumte ich von Andreas. Wir schrieben bei der A. einen unangekündigten Test, und ich wußte überhaupt nichts. Andreas saß links vor mir, und ein paar Mal drehte er sich um und schaute mich an. Ich aber hatte aus irgendeinem Grund Angst und blickte nach kurzer Zeit wieder weg. Es wäre schön, wenn er auch hier wäre, aber nur, wenn er sich für mich interessiert, sonst wäre ich doch nur enttäuscht.

Sonntag, 25.12.77

Es kommt mir alles vor wie ein Traum, nicht direkt ein schöner, aber zumindest ein interessanter Traum. Es begann gestern abend. Wir gingen mit Tante Marianne, Onkel Heinz, Herrn und Frau Scholz in die Breitachklamm zum Essen. Es waren außer uns nur sehr wenige Leute dort. Am Tisch hinter uns saß ein Typ, der mir sofort aufgefallen war, mir aber nicht besonders gut gefiel. Dann setzte sich noch einer dazu, wie ich von Mutti erfuhr, und sie meinte, er sähe nicht schlecht aus. Sie machte den Vorschlag, die Plätze zu tauschen, wie später auch Frau Scholz, das wollte ich aber nicht, weil es zu auffällig gewesen wäre. Da ich ihn aber mal sehen wollte, ging ich mit Ute auf die Toilette. Als wir zurückkamen, konnte ich ihn sehen. Direkt blöd sah er wohl nicht aus, aber so genau habe ich ihn mir auch nicht angesehen. Dann gab es erst einmal etwas zu essen. Als Vorspeise Krabbencocktail, danach Schildkrötensuppe, dann Salat und Leber mit Kroketten und einer Ananasscheibe und als Nachspeise Vanilleeis mit Sahne und Schokoladensoße. Nach dem Essen, das wirklich toll gewesen war, saßen wir noch eine Weile dort. Mittlerweile hatte ich mitbekommen, daß der Typ dort wohnte, vermutlich waren es seine Eltern, die mit am Tisch saßen. Er ging dann, wie zuvor schon einmal, nach draußen. (Ich habe den Bericht wegen Abendessen unterbrochen und schreibe nun, am 29., weiter).
Ich beabsichtigte, auch hinauszugehen, um ihm dann wie zufällig zu begegnen. Ich verwarf die Idee und blieb sitzen. Er war schon eine ganze Weile draußen, als ich dann doch endlich aufstand. Ich beeilte mich überhaupt nicht und las beim Hinaufgehen noch ein Eishockey-Plakat, aber er war immer noch nicht da, sondern kam erst nach mir. Er saß genau hinter mir, ich konnte in in der Fensterscheibe ähnlich wie in einem Spiegel, wenn auch nur undeutlich sehen. Seine Eltern gingen dann, und er setzte sich auf die Bank hinter uns. mit dem Rücken zu mir. Als wir dann ebenfalls aufbrachen, war ich keinesfalls enttäuscht, sondern freute mich auf den nächsten Samstag, Silvester, denn dann wollten wir auch wieder hier essen und vielleicht würde er dann auch da sein. Ich holte meinen Anorak, zog ihn an und bemerkte dabei, daß Mutti mit ihm sprach und dachte, da gehe ich jetzt hin und ich kann ihn mir mal näher ansehen. Als ich nähergekommen war, sagte Mutti, ich sollte herkommen, der „junge Mann“ hätte gefragt, ob ich mit zum Tanzen gehen wolle. Ich war natürlich unheimlich überrascht, sagte dann, ja gern und fragte um wieviel Uhr, er meinte, um acht und dann erklärte Mutti ihm noch den Weg zu unserem Haus. Als wir rausgingen, war ich sehr glücklich, denn so etwas war mir noch nie passiert und außerdem hatte ich es mir so sehr gewünscht, im Urlaub jemanden kennenzulernen. Am Sonntag abend kam er dann, um mich abzuholen. Wir waren zu viert, Jürgen, Herbert, Ulrike und ich. Sie wohnen alle in der Breitachklamm und kommen aus der Gegend von Mönchengladbach. Zuerst fuhren wir in eine Diskothek, Ungewitter heißt sie, nicht besonders groß, vorwiegend junge Leute, wir fanden einen freien Tisch, tranken etwas und gingen nach einer Weile wieder, in eine andere Diskothek, Intermezzo, fast alles ältere Leute. Hier tanzte ich das erste und einzige Mal mit Jürgen, wir waren die einzigen, auch tanzten wir nur ganz kurz. Auch hier blieben wir nicht lange, wir fuhren dann zur Andreasklause. Unterwegs hielt Jürgen kurz an, weil er das Auto von irgendwelchen Bekannten gesehen hatte. Sie wollten dann nachkommen. Das taten sie dann auch, es waren Hansi (M., Sohn vom Breitachklammrestaurant) und seine Verlobte. In der Andreasklause war es total voll, wir fanden Platz in einem Nebenraum. Auch hier blieben wir nicht lange. Wir fuhren dann alle in die Breitachklamm. Wir vier waren zuerst da. Wir gingen zuerst in Ulrikes Zimmer, nachdem Jürgen versucht hatte, Uwe zu wecken. Ich ging dann auf die Toilette, und als ich herauskam, waren die anderen verschwunden, oben, wie ich mir dachte, und es stimmte auch. Man hörte es an der Musik. Als ich oben um die Ecke bog, kam Jürgen gerade aus dem Zimmer, um nach mir zu sehen. Uwe war nun also auch dabei, ich hatte ihn sogar schon gesehen, am Samstag abend. Wir tranken Cola mit Asbach Uralt, es schmeckte nicht besonders, ich trank auch nicht viel, denn inzwischen kamen die anderen an und wir gingen ‚rüber ins Gasthaus, vielmehr in einen Privatraum. Maxi, der Bruder von Hansi, kam noch dazu, und wir machten noch ein paar Spielchen. Ich habe keine Lust, das alles zu beschreiben, ich vergesse es sowieso nicht, jedenfalls hatte ich etwas zuviel getrunken, und mir war etwas schwindlig. Jürgen fuhr mich dann nach Hause, es war ungefähr halb eins. Er fragte mich dann, ob ich am nächsten Tag mit ihnen zum Skilaufen kommen wolle, er wußte, daß ich Anfänger bin und meinte, das geht schon, also sagte ich zu.
Sie holten mich dann um 10 Uhr ab, Jürgen, Uwe und Ulrike. An diesem Tag habe ich ziemlich viel gelernt und bin auch ziemlich viel hingefallen. Aber es war unheimlich anstrengend. Als wir das letzte Mal mit dem Lift hochfuhren, waren die anderen ein Stück vor mir. Sonst hatte Jürgen immer auf mich gewartet, dieses Mal aber nicht, außerdem fiel ich aus dem Lift, weil die Skibindung aufging und ich war total am Ende. Zum Glück war ein Stück höher die Abfahrt. Dort wartete ich, dann kam Ulrike, wir trafen die beiden anderen unten und fuhren dann zurück. Es war eine ziemlich blöde Situation, mir kamen dauernd die Tränen, ich weiß nicht warum. Sie brachten mich nach Hause. Uwe trug mir die Skier hinein, ich wollte mir unten gerade den Schlüssel holen, als Jürgen noch einmal kam und fragte, ob ich am abend mitkommen wolle. Ich war im Augenblick zwar unheimlich müde, sagte aber trotzdem zu. Dann fuhren sie weg und das war das letzte Mal, daß ich sie gesehen habe. Denn am Montag abend kamen sie nicht. Ich war total am Ende und heulte bei jeder Gelegenheit, es war eine ziemlich miese Situation. Ich wollte schon in der Breitachklamm anrufen, aber ich weiß nicht, wann er zu erreichen ist und außerdem war er es, der am Montagabend nicht kam.
In der Zwischenzeit habe ich mich im Skilaufen weitergebildet und die Zahl der Stürze auf einen am Tag reduziert. Das war heute, Donnerstag. Morgen fahre ich mit dem Bus nach Oberstdorf zum Skispringen, allerdings allein, aber das ist egal.
Heute nacht träumte ich von Andreas M., warum, weiß ich auch nicht, aber wahrscheinlich gefällt er mir doch noch ganz gut. Außerdem träumte ich von einem riesigen stinkenden Misthaufen, über den ich laufen mußte, und das bedeutet, daß ich in Zukunft viel Glück haben werde (zu Weihnachten bekam ich ein Traumbuch). Mal sehen, ob das auch eintrifft. Ich hoffe!!!!!!!!!!!!!!!?

Abgelegt unter:

Top