März 1977

Donnerstag, 3. März 1977

März 1977

Es ist immer wieder das gleiche. Ich kann mich nicht entscheiden. Eigentlich muß ich das gar nicht. Aber es regt mich trotzdem auf. Ich weiß nicht, was ich will. Ich stehe zwischen Joachim und Wolfgang. Obwohl die beiden nichts davon wissen. Wie sollten sie auch. Heute morgen sah es noch so aus, daß Wolfgang die meisten „Chancen“ hatte, weil sich Joachim mir gegenüber ziemlich gleichgültig verhielt (wenn man es so sieht, ich ihm gegenüber auch). Daran änderte sich bis zum Nachmittag nichts. Später ging ich dann weg, um mir Bravo zu kaufen. Da ich Joachim auf diese Weise schon einmal gesehen hatte (damals tat ich aber, als sei er Luft), überlegte ich mir, was ich dieses Mal tun sollte, falls ich ihn wieder begegne. Ich kam zu dem Entschluß, daß ich schön freundlich (und lieb!) <-- hahaha! lachen sollte; auf dem Rückweg dachte ich schon gar nicht mehr daran, ihn noch zu sehen, als er um die Ecke bog. Ich war überhaupt nicht darauf gefaßt, doch als er lachte, tat ich es auch, und erst hinterher wurde mir der Schreck bewußt. Ich weiß nicht, warum, aber als er so plötzlich auftauchte, versetzte mir das einen ganz schönen Schock! Ich habe mit Joachim eigentlich ziemlich viel gemeinsam: Chemie ist "Scheiße", Englisch LK, Beatles, Musikinstrument, Trebur, GK-Heftchen, Volleyball, Musikkurs, Physikkurs, GK-Kurs, Schwimmen, ... (und vielleicht noch einiges, was ich aber vergessen habe).

Montag, 7.3.77

Ich kann mich noch immer nicht entscheiden. Aber heute habe ich beschlossen, das vorerst auch gar nicht zu tun, schließlich können mir ja beide gefallen. Warum nicht? – Gerade eben hatte ich die Idee, Wolfgang eine Geburtstagskarte zu schicken, natürlich ohne Namen, aber ich könnte ein bißchen was drauf schreiben. Mal sehen, ob ich es mache, denn es hat eigentlich keinen Sinn. Oder eine andere Möglichkeit: ich schreibe: meine Freundin findet dich ganz gut. Sie weiß nicht, daß ich dir schreibe! Aber das ist eigentlich auch Quatsch.

Donnerstag, 17.3.77

Ich hätte eigentlich schon längst mal wieder schreiben müssen, aber wie das so ist, ich hatte natürlich keine Lust dazu.
Was sich in den letzten Tagen ereignet hat, ist heute unwichtig. Joachim ist mir gleichgültig, eigentlich schon ein paar Tage, doch heute morgen erst wurde es mir richtig bewußt. Es gibt nur einen Jungen für mich, Wolfgang! Ich weiß nicht, ob er mich mag, aber manchmal bin ich richtig happy, wenn ich ihn nur sehe, oder wenn er mich ansieht.
In genau drei Wochen wird er 17!
Widder als Sternzeichen ist toll. Weil es zu Löwe paßt. Ich freue mich. Auf alles. Morgen.

Mittwoch, 30.3.77

Mit Wolfgang ist es nichts mehr. Wie gesagt, zur Zeit uninteressant. Erstens: an unserer Bushaltestelle in Rüsselsheim habe ich zweimal einen Jungen gesehen, den ich ganz süß fand (immer noch?!), und zweitens gefällt mir noch jemand: ein Junge aus der 12mb, er wohnt wahrscheinlich in Rüsselsheim. Charly. Das paßt zu ihm.
In der ersten Pause habe ich ihn gesehen. Wir saßen auf der Heizung, Charly gegenüber. Es war ganz lustig. Mir gefällt das. Aber es gefällt mir nicht, wenn er weggeht, oder draußen rumsteht, d. h. wenn ich nicht auch draußen bin. Er hat mich ein paarmal angesehen. Was natürlich neue Hoffnungen weckt. Aber ich glaube nicht daran. Weil ich schon zu viele Enttäuschungen erlebt habe. Das liegt wahrscheinlich an mir. Ich brauche mich gar nicht zu beschweren. Selbst schuld! Aber hoffen darf ich trotzdem, und ich tue es auch, immer wieder.

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