Februar 1977

Dienstag, 1. Februar 1977

Februar 1977

Ich weiß seit Donnerstag, daß Jim in der 12. Klasse ist. Denn Martina und Christiane wollten einen aus dieser Klasse verarschen und irgend jemand von unserer Klasse fragte, ob das 12. oder 13. Klasse sei. Vielleicht gehe ich in die Volleyballgruppe vom TSV. Aber ich muß vorher noch mal beim Leiter anrufen und mich erkundigen, ob ich hinkommen kann, d. h. ob es eine Mädchengruppe gibt. Freitag abends ist Training, dann muß ich aus der Landjugend austreten. Das wäre sehr schön!
Heute morgen habe ich Jim kurz nach acht schon gesehen. Wahrscheinlich ist er in einer 12m, denn er hat Dienstags u. Donnerstags Mathe und öfters Naturwissenschaften. Und Montags die ersten beiden Englisch und Donnerstags in der 5./6. Std. GK. Später sah ich ihn in der Pause und nach der 4. vom Chemiesaal aus, als er nach Hause fuhr. Ich würde ihn gern mal außerhalb der Schule sehen, aber daraus wird bestimmt nichts. Samstag ist bei uns Disco. Vielleicht gehe ich hin. Wenn ich wüßte, daß Jim kommen würde, ginge ich hin, aber das letzte Mal war er nicht da. Morgen sehe ich ihn wieder. Ich freue mich!

Sonntag, 6.2.77

In den letzten Tagen habe ich Jim nicht sehr oft gesehen. Immer nur kurz in den Pausen. Genau erinnere ich mich an einen Tag, an dem ich mit Elke gerade aus dem alten Gebäude herausging, und Jim ging mit seinen Freunden ein Stück vor uns. Einmal schaute er kurz zurück, aus welchem Grund, weiß ich nicht. Am Donnerstag hatten Elke und ich gerade unsere Taschen zum M 1 gebracht und wollten zurück zum Neubau gehen, als uns Martina und Christiane entgegenkamen. Sie waren auf dem Weg zu Herrn K., und weil es sehr wichtig war, gingen wir mit. So habe ich Jim nur von weitem gesehen. Und am Freitag, als wir Zeugnisse bekamen, auch nur einmal ganz kurz, weil wir in der Pause drin waren. Morgen sehe ich ihn vielleicht wieder. Ich denke den ganzen Tag an ihn. Und nicht nur am Tag! Heute nacht träumte ich das erste Mal von ihm!
Ich war zu Besuch in Schweinfurt. Es war schönes, sonniges Wetter. Ich wollte daher ein Stück mit dem Rad fahren. Ich fuhr ein paar Straßen entlang. Dann stieg ich ab und schob das Rad über ein paar Zebrastreifen. Auf der anderen Straßenseite war der Gehsteig breit, der graue Asphalt wurde von der Sonne beschienen, es waren kaum Menschen da. Links bildete ein niedriger, hellgrauer Eisenzaun die Abgrenzung, dahinter fiel das Gelände ziemlich steil ca. 10 m ab. Unten lag ein weitläufiges, flaches, Gebäude aus grau-braunen Steinen, und mit langen Fensterreihen, das ich merkwürdigerweise sofort als unsere Schule erkannte. Nach einigen Metern fand ich eine Steintreppe, die nach unten führte. Ich nahm mein Fahrrad und schob es nach unten. Hinter einer Fensterreihe erkannte ich einen Klassenraum, in dem einige Schüler saßen. Ein paar andere kamen gerade aus dem Schulgebäude heraus. Unter ihnen war Jim. Ich wußte, auf welchem Weg er das Schulgelände verließ, und wählte daher den gleichen, ging aber ein Stück vor ihm. Dieser Weg führte zu einem Tor, das ich öffnete und eigentlich wieder hinter mir schließen wollte, aber dann überlegte ich es mir anders. Auch das zweite Tor öffnete ich, schaute mich dann kurz um, und sah, daß Jim und ein paar andere dicht hinter mir waren, und hielt es für sie auf, allerdings ohne nach hinten zu sehen. Plötzlich stieg der Weg ganz steil an, um etwa 1 m höher weiter zu verlaufen. Ich versuchte, mein Rag hochzuschieben, schaffte es aber nicht, zumal ich selbst auch hinaufsteigen mußte. Plötzlich fühlte ich eine Hand, die mich hinaufschob. Es war nicht Jim, das wußte ich, obwohl ich mich bedankte, ohne mich umzusehen. Dann hatten sie mich eingeholt. Es war Jim mit einem Freund und einem Mädchen, das seltsamerweise Beate war. Dann war auf einmal mein Fahrrad verschwunden und ich ging neben Jim, die anderen beiden hinter uns. Wir unterhielten uns alle vier, das Mädchen fragte Jim, welche Hauptfächer er denn habe, und er antwortete ihr: „Mathe und Deutsch.“ Ich fragte ihn diesbezüglich etwas, aber er schien es gar nicht gehört zu haben. Dann erzählte ich, daß ich eigentlich zu Besuch hier sei. Als Jim daraufhin nichts sagte, erzählte ich, daß ich aber normalerweise hier zur Schule ging und 8 km weit entfernt wohnte. Er fragte mich, wo ich denn wohnte, und ich sagte ihm, in Trebur. An ein weiteres Gespräch kann ich mich nicht mehr erinnern. Die anderen beiden gingen nun nicht mehr so dicht hinter uns. Plötzlich bemerkte ich das Fehlen meines Fahrrads, drehte mich um und fragte, wo es denn sei. Da lachte das Mädchen, zeigte auf zwei Teile, die sie in der Hand trug und sagte: „Hier ist es doch.“ Worauf ich mir mit der Hand an den Kopf faßte und meinte: „Ich bin so blöd.“ Dann gingen wir wie zuvor weiter, ich neben Jim, manchmal so dicht, daß wir uns berührten. Dann war der Traum zu Ende.

Mittwoch, 9.2.77

Heute fühle ich mich sehr schlecht. Wegen Jim. Gestern noch nicht. Da war er mir auch egal. Wegen Wolfgang. Ich hatte wieder einmal Zweifel. Und außerdem dachte ich, ich käme mit ihm in Englisch zusammen. Irrtum! Heute nacht träumte ich sogar von ihm. Aber das ist nicht so wichtig. Heute sah Jim besonders süß aus. Und ich sah ihn auch so oft. Er ist immer so lustig. Gestern und auch heute habe ich seine Stimme gehört. Paßt zu ihm. Aber am besten vergesse ich ihn. Doch das kann ich nicht. Wolfgang mag ich auch sehr. Ich könnte den Englischkurs wechseln, weil bei uns sowieso zu viele drin sind. Ich weiß aber noch nicht. Ich muß!!!!!! Nein, ich kann nicht! Oder doch?

Mittwoch, 16.2.77

Im Englischkurs bin ich nicht mit Wolfgang zusammen, aber im Mathekurs. Eine Stunde hatten wir erst, aber morgen zwei. Ich habe mir das so sehr gewünscht, und es hat auch geklappt. Patiencenlegen macht Spaß. Und in der letzten Zeit sind sie bei mir sehr oft aufgegangen.
Joachim gefällt mir wieder ein bißchen! Fast drei Jahre ist es her, daß ich ihn kenne. Damals war ich noch nicht ganz vierzehn, und dieses Jahr werde ich schon siebzehn! Wir sind im Musik-, Physik- und GK-Kurs zusammen. Heute in GK, als Quellenheftchen ausgeteilt wurden, machte er mir den Vorschlag, mit ihm und Arno eins zusammen zu nehmen, weil wir doch in Trebur wohnen. Ich stimmte natürlich zu. Was denn sonst??? Am Samstag ist wieder Disco bei uns in der Schule. Ich weiß noch nicht, ob ich hingehe. Morgen habe ich mit Wolfgang zusammen Mathe! Schön, ja?!

Sonntag, 20.2.77

Am besten fange ich von vorne an: Donnerstag war nichts besonderes, aber Freitag! Morgens sind wir immer schon um halb acht in der Schule, dann sitzen wir noch vorne im Foyer. An diesem Morgen ist nur Joachim im Bus mitgefahren, und da Carola in den ersten beiden Chemie hatte, war ich mit Joachim alleine. Ich war natürlich wieder mal blöd, denn ich wußte nicht, was ich sagen sollte und sagte deshalb gar nichts. Er übrigens auch nicht. Da ihm das ganze vermutlich zu blöd war, verschwand er (wahrscheinlich in der Toilette). Dann kamen nach und nach andere, und schließlich tauchte er wieder auf.
Ich war natürlich schwer enttäuscht, von mir selbst versteht sich, und glaubte fest, er würde mich hassen, verachten oder ich würde ihm zumindest gleichgültig sein. Ich befragte die Karten (denen man selbstverständlich nicht glauben darf), und es kam jedesmal „nein“ heraus.
Gestern morgen hatten wir in der ersten Stunde Physik, und deshalb beschloß ich, im Altbau zu bleiben. Joachim schaute sich erst mal ausführlich den Vertretungsplan an und fragte mich dann, ob wir in der ersten Physik hätten, und ich sagte „ja“ und fragte ich gleich darauf, ob er am Tag zuvor in GK war, er antwortete „natürlich“, und ich sagte ihm, daß bei mir die letzten beiden Stunden ausgefallen seien, worauf er dann meinte, in diesem Fall sei er natürlich auch nach Hause gefahren. (Diese Unterhaltung habe ich hier nicht ganz wörtlich, sondern nur dem Sinn nach wiedergegeben).
Heute regnet es wie gestern in Strömen. Deshalb gehe ich nicht nach Astheim. Letztes Jahr habe ich beim Umzug mitgemacht (mit der Landjugend). Als Thema hatten wir „So richtig nett ist’s nur im Bett“, ein Lied von Peter Alexander. Dieses Jahr haben sie ein ebenso „tolles“ ausgewählt: „Die Kleine Kneipe“ von P. A.! Ich finde das 1. einfallslos, 2. geschmacklos, 3. überhaupt nicht witzig.
Morgen haben wir in der ersten Stunde Mathe bei C. und wir werden ein paar Platten hören. Anschließend fahren wir nach Mainz, was aber vom Wetter abhängt. Bei strömendem Regen ganz bestimmt nicht.

Mittwoch, 23.2.77

Montag war ich nicht in Mainz, weil ich keine Lust hatte und weil Elke nicht mitfahren wollte, und ich wußte nicht, wer sonst noch hinfährt.
Gestern abend waren wir beide natürlich auf der Disco; Joachim wußte noch nicht, ob er kommt, er war dann auch nicht da. Aber sonst sehr viele. Zum Beispiel Andreas. Das hätte ich nicht gedacht. Wolfgang auch. Aber der ist z. Z. uninteressant. Wer weiß, wie lange. Am Anfang war es ziemlich blöd. Wir hatten glücklicherweise einen Sitzplatz. Neben uns saßen ein paar Italiener. Das war noch nicht schlimm. Elke tanzte oft mit Klaus. Dann tanzte ein Italiener mit Christine, und danach mit mir. Man ist halt freundlich und tanzt mal mit ihm. Aber der konnte gar nicht tanzen und ich flüchtete bald. Dann saß ich ganz an der Ecke. Der Spast setzte sich doch neben mich und ließ mir keine Ruhe. Ein Mädchen neben mir sagte, das hätte er bei ihnen auch gemacht. Schließlich reichte es mir und ich haute ab. Dann stand ich ziemlich lange rum, und hab‘ mir die Leute angeguckt. Nichts besonderes, aber ein Typ, der schon ganz zu Anfang mit Klaus geredet hatte, fiel mir auf. Vielleicht habe ich ihn früher schon mal gesehen. Morgen muß ich mich mal in der Pause umsehen, vielleicht geht er hier in die Schule. Möglicherweise erkenne ich ihn sofort, aber ich bringe so oft die Gesichter durcheinander. Aber ein sicheres Zeichen: er hat die Hand verbunden.
Oh, nein! Ich muß noch an Philippe schreiben. Habe gar keine Lust dazu. Aber da fällt mir etwas ein: wenn Elke noch keine Antwort bekommen hat, muß sie ihre Adresse zurückschicken, und ich meine auch, dann kriege ich eine neue, und vielleicht sieht der besser aus.

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